Fairytale-Festival 2015 in Osnabrück Feuerschwanz kontert Sexismus-Vorwurf: alles Satire

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Mit Bedauern und Unverständnis reagiert die Mittelalter-Rockband Feuerschwanz auf das vom Asta verhängte Auftrittsverbot beim Fairytale-Festival 2015 in Osnabrück. Foto: FeuerschwanzMit Bedauern und Unverständnis reagiert die Mittelalter-Rockband Feuerschwanz auf das vom Asta verhängte Auftrittsverbot beim Fairytale-Festival 2015 in Osnabrück. Foto: Feuerschwanz

Osnabrück. Mit Bedauern und Unverständnis reagiert die Mittelalter-Rockband Feuerschwanz auf das Auftrittsverbot beim Fairytale-Festival 2015 in Osnabrück. Den mit der Konzertabsage durch den Uni-Asta verbundenen Vorwurf, frauenfeindlich zu sein, weisen die Musiker entschieden zurück. Eine Bandsprecherin erklärt: Unsere Show ist seit eh und je nur lustig gemeint.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität Osnabrück als Veranstalter des Fairytale-Festivals hatte den Headliner für 2015 unter der Woche kurzfristig aus dem Programm gestrichen. Damit gab er dem Druck seiner (etwa für die Belange von Homosexuellen und Ausländern zuständigen) autonomen Referate und anderer Studenten nach, die angekündigt hatten, wegen angeblich sexistischer Songtexte gegen das Feuerschwanz-Konzert zu demonstrieren. Solche Proteste hätten Ausschreitungen heraufbeschwören können und so die Sicherheit von Band und Publikum gefährdet, begründet der Asta die Absage. (Weiterlesen: Sexismus? Asta der Uni Osnabrück lädt Band Feuerschwanz aus)

Uni-Asta mauert

Feuerschwanz pflegt in der Tat ein derbes Image: Die Band aus Erlangen (Bayern) kokettiert seit ihrer Gründung 2004 mit mittelalterlicher Rauheit, ihre Sprache ist oft zotig, mindestens aber zweideutig. So tragen Mitglieder Namen wie Prinz Hodenherz, Sir Lanzeflott und Johanna von der Vögelweide. Songtitel heißen „Latte“, „Der Hengst“ oder „Wunsch ist Wunsch“. Was genau die Kritiker an der Universität Osnabrück den Rockern im Ritterkostüm vorwerfen, bleibt vorläufig unklar. Der Asta war am Freitag zu keiner weiteren Stellungnahme bereit. Offen ist damit auch die Frage unserer Redaktion, warum es erst nach Bekanntgabe des Programms zu erheblichem Widerstand gegen Feuerschwanz kam. Und weshalb eine Dark-Rock-Band wie Unzucht („Kleine geile Nonne“), die ebenfalls für das Fairytale-Festival 2015 verpflichtet wurde, den Kritikern weiterhin unverdächtig erscheint.

„Textlich weiterentwickelt“

Die Band Feuerschwanz selbst bedauert das Auftrittsverbot. Verstehen kann sie es nicht, denn ihr Konzept beruhe auf Satire. „Die Absage stimmt uns sehr traurig. Über die genannten Gründe können wir allerdings nur den Kopf schütteln“, sagt Sprecherin Stephanie Pracht.

Feuerschwanz sei vor allem zu Beginn eine „Persiflage“ auf Genre-Bands gewesen, die in ihren Liedern „das Mittelalter bevorzugt romantisch und verklärt darstellten“. Die damaligen Feuerschwanz-Texte, um die es laut Pracht dem Osnabrücker Uni-Asta „hauptsächlich“ ging, seien in diesem Zusammenhang als „bewusster Kontrapunkt“ zu begreifen. In den vergangenen zehn Jahren habe Feuerschwanz sich „musikalisch und textlich enorm weiterentwickelt“, so die Sprecherin. Heute sei die Band „zum Feiern, Tanzen und Spaßhaben genreübergreifend bekannt und beliebt“. Feuerschwanz stehe „für eine bunte Gesellschaft, für Toleranz und ein friedliches Miteinander“.

Noch nie ernstgenommen

Der Sexismus-Vorwurf erscheint den Musikern mithin absurd. Stephanie Pracht: „Alles, was wir machen, war und ist immer mit einem Augenzwinkern zu sehen. Wir waren immer der Meinung, dass unser Auftreten stets so überzogen gezeichnet ist, dass die Satire darin unmöglich zu übersehen sein könnte. Im Bezug auf den Asta der Uni Osnabrück ist dies wohl leider nicht der Fall.“ Sie selbst sei seit zehn Jahren Mitglied bei Feuerschwanz, und natürlich gebe es immer Leute, denen die Musik nicht gefalle oder die „gerade die alten Texte albern, doof oder pubertär“ finden. „Dass diese aber jemand wirklich 100 Prozent ernst nimmt, ist mir in all der Zeit noch nicht untergekommen.“

Die Veranstalter des Fairytale-Festivals 2015 (13. Juni ab 14 Uhr im Schlossinnenhof) haben unterdessen für Ersatz im Line-up gesorgt. Statt Feuerschwanz wird nun die Osnabrücker Mittelalter-Band Reliquiae spielen.


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