Gemeindesaal mit 1100 Plätzen „Lebensquelle Osnabrück“ stellt neue Baupläne vor


Osnabrück. Die evangelische Freikirche „Lebensquelle“ startet einen neuen Anlauf für ein christliches Kulturzentrum am ehemaligen Güterbahnhof. In einer Pressekonferenz stellten Mitglieder ihre neuen Entwürfe vor. Wichtigste Änderung: Der Gemeindesaal soll nicht mehr Platz für 3000, sondern nun für 1100 Gottesdienstbesucher fassen.

Architekt Jakob Quiring aus Soest erläuterte die „Vision der Gemeinde“. In der ehemaligen Güterabfertigung soll danach ein „Friedenszentrum“ mit multifunktionalen Räumen für die Gemeindearbeit entstehen. Das Gebäude stehe zwar nicht unter Denkmalschutz, habe dennoch einen bestimmten Wert, unterstrich Quiring.

OB: 800 Plätze akzeptabel

Dahinter soll der Gemeindesaal für Gottesdienste und andere Großveranstaltungen mit einem nach oben geschwungenen Dach gebaut werden. Ursprünglich war von 3000 Plätzen die Rede gewesen. Das spirituelle Zentrum der „Lebensquelle“ wäre damit größer als der Dom geworden. Eine derartige Größenordnung war von vornherein kritisch gesehen worden. Vor zwei Jahren hatte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert davon gesprochen, dass 800 Plätze akzeptabel seien. Die Pläne, die inzwischen der Stadt vorliegen sollen, übertreffen die „akzeptable“ Größe jedoch um 300 Plätze.

355 erwachsene Mitglieder

Die Gemeinde rechnet offensichtlich damit, in Zukunft weiter anzuwachsen. Derzeit zählte sich nach Auskunft der Pressesprecherin Elena Lenz 355 Mitglieder. Hinzu kämen 120 Kinder, eine Aufnahme in die Gemeinde sei erst ab 18 Jahren möglich. Unter den rund 500 Gottesdienstbesuchern am Sonntag und am Mittwoch seien etliche Nichtmitglieder. Deshalb sei das derzeitige Gemeindezentrum am Goethering inzwischen zu klein.

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Hinter dem neuen Gemeindesaal plant die „Lebensquelle“ ein viergeschossiges Parkhaus, das der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll. Aus den Parkgebühren erhoffe sich die Gemeinde Einnahmen wie aus der Vermietung von Gewerbeflächen, sagte Projektleiter Waldemar Herdt. Da die Stadt auf dem Gelände eine gewerbliche Nutzung wolle, seien entsprechende Flächen in der Planung enthalten.

Keine Aussage zu den Kosten

Herdt betonte, dass die Gemeinde bei den kommenden Gesprächen bereit sei, auf die Bedürfnisse der Stadt einzugehen. Zu den Kosten für das Gesamtprojekt wollte er sich nicht äußern. Da es sich lediglich um „Vorentwürfe“ handele, enthalte er sich jeder Spekulation. Die Bebauung und Begrünung des Geländes werde eine Bereicherung für Osnabrück sein. Er hoffe, dass es bald zu einer Einigung mit der Stadt komme.

Das Verhältnis zwischen der Gemeinde und der Stadt ist angespannt: Ende 2012 wurde bekannt, dass die Freikirche auf dem ehemaligen Güterbahnhof ein drei Hektar großes Grundstück gekauft hat, um dort eine Kirche zu bauen. Die Stadt will den Güterbahnhof als Gewerbegebiet ausweisen. Bisher ist noch keine Entscheidung über das Bauvorhaben gefallen. Noch unterliegt die Güterabfertigungshalle einer Veränderungssperre.

Verzögerungen durch Rechtsstreit

Verzögert wird die Planung auch durch einen Rechtsstreit: Die Zion GmbH, die über den weitaus größten Teil des Güterbahnhofs verfügt, liegt mit der Stadt Osnabrück in wesentlichen Fragen über Kreuz. Hauptknackpunkt ist die die Weigerung der Zion GmbH, eine relativ kleine Fläche abzugeben, die für den Neubau der Eisenbahnbrücke an der Hamburger Straße erforderlich ist. Politiker gingen auf Distanz zur „Lebensquelle“, als deren Vertreter eine ausgrenzende Haltung gegenüber Homosexuellen erkennen ließen.

Zuletzt hatte die „Lebensquelle“ mit einer „Open petition“ im Internet um Unterstützung für ihr christliches Kulturzentrum in Osnabrück geworben. Dabei gab es weiniger Unterschriften als erhofft.


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