Prächtige OKD-Direktorenhäuser Die Osnabrücker Ziegelstraße heißt schon seit 1862 so


Osnabrück. Die Ziegelstraße markiert heute die Grenze zwischen den Stadtteilen Gartlage und Sonnenhügel. Sie bekam ihren Namen schon 1862. „Sie heißt so, weil sie nach dem Ziegelhofe und der Ziegelwiese am Gertrudenberge führte“, klärt das Hoffmeyer’sche Straßennamens-Verzeichnis von 1913 auf. Eine Ziegelwiese lässt sich verorten. Im 1880 erschienenen Stadtplan von H. Merkel ist sie östlich der Klosterstraße eingezeichnet, etwa dort, wo heute der Haupteingang zum Kupferverarbeiter KME ist. Mit dem Ziegelhof sieht es schlechter aus.

Stadt- und Kreisarchäologe Bodo Zehm weiß zwar von Kalkbrennöfen auf dem Gertrudenberg, eine archäologische Fundstelle eines Ofens liege auch an der Ziegelstraße im Bereich des Hauses Nummer 14, aber eine Ziegelei, die ja tonhaltigen Lehm und nicht Kalkvorkommen voraussetzt, ist ihm nicht präsent. Wilfried Kley, der sich als Vorsitzender des Vereins Gertrudenberger Höhlen gut mit der Unterwelt des Berges auskennt, hat mit eigenen Augen Tonschichten inmitten des Muschelkalk-Gesteins ausgemacht, „zwar recht dünnbankig, aber wer weiß, vielleicht gab es irgendwo am Berg auch lohnendere Vorkommen“.

In den Archivalien der Stadt finden sich Rechnungen des Zieglers Lubbert, wohnhaft Ziegelstraße, der die Stadt mit Ziegelsteinen belieferte. Er starb 1476. Seine Witwe Swaneke Molting führte die Ziegelei weiter. Laut Handwerksordnung durften Witwen das für höchstens zwei Jahre tun. Aber bei ihr machte man eine Ausnahme. „Moltinge de Tegelerssche“ schreibt noch mindestens neun weitere Jahre, bis 1487, Rechnungen an die Stadt. Sie dürfte eine der ersten Unternehmerinnen Osnabrücks gewesen sein. Eine Urkunde im ehemaligen Gertrudenberger Klosterarchiv besagt, dass 1492 auf dem Gertrudenberg eine Steingrube von dem Ziegelmeister „auf dem Ziegelhofe Molting“ betrieben und nach ihm „Moltings Steinkuhle“ genannt wurde.

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1540 begann die Stadt Osnabrück zum Zweck ihrer Festungsbauten, insbesondere für die Petersburg, einen ausgedehnten Kalkofenbetrieb auf dem Gertrudenberg. Vom Ziegelhof ist nicht mehr die Rede. Wo genau er gelegen hat und wie bedeutend er war, konnte bislang nicht ermittelt werden.

Ziegel oder Kalk, wie dem auch sei, auf jeden Fall stößt man im oberen Bereich der Ziegelstraße auf eine Gruppe von drei prächtigen Ziegelbauten. Es sind dies die 1923 errichteten „Direktorenhäuser“ des Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerks (OKD). Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz und sind daher bis heute nahezu unverändert erhalten.

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Das OKD war aus der 1873 gegründeten Draht- und Stiftfabrik Witte und Kämper hervorgegangen und prosperierte mit dem Übergang zur Produktion von Kupferdraht und Kupferblechen. Vielleicht auch, weil es gut zur Kupferfarbe passt, wurden die Werkhallen aus unverputzten Ziegelsteinen errichtet, genau wie die Wohnhäuser der Werkssiedlung an der Liebigstraße und die Direktorenhäuser an der Ziegelstraße. Das einheitliche Baumaterial sollte die Zusammengehörigkeit der Beschäftigten über Hierarchieebenen hinweg unterstreichen.

Allerdings sind die Häuser für die Führungsriege dann doch noch einmal deutlich aufwendiger gestaltet als die an Liebig- und Krelingstraße. Architekt Lothar Gürtler ließ sich für die Ziegelstraße Erker, Balkone, Mauerwerksverzierungen, Sprossenfenster und großzügig gestaltete Staffelgiebel mit schneckenhausartigen Voluten einfallen.

Auffällig ist eine Hierarchie in der Giebelgestaltung, die selbstverständlich dem Rang der Bewohner in der Firma entsprach: Der Werksdirektor wohnte in dem Haus mit dem höchsten Giebel, der technische Leiter in einem mit zwei kleinen Giebeln und der kaufmännische Direktor in dem Teil mit einem mittelgroßen Giebel.


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