Radtouren in der Region (7) Kohle und Stahl: Einmal rund um Georgsmarienhütte

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ix. Georgsmarienhütte. Vor zehn Jahren suchte der Natur- und Geopark Terravita Freiwillige, die Gruppen die Besonderheiten des Naturparks nahebringen. In Georgsmarienhütte überrascht seither Ansgar Bergmann Interessierte auf zwei Rädern mit erd- und landschaftsgeschichtlichen Details.

Acht Radtouren-Freunde begrüßt Ansgar Bergmann an diesem Nachmittag an der Kirche St. Peter und Paul in Oesede zur Tour durch die Bergbauregion Dütetal, deren Motto auch sein könnte: kurze Wege, steile Anstiege, lange Stopps. Denn die Truppe bewegt sich „nur“ rund um Oesede herum, mit einem Abstecher nach Georgsmarienhütte und nach Kloster Oesede. Dennoch gibt’s ordentlich etwas zu tun: Sowohl Kopf als auch Beine müssen arbeiten

Sofort eine ordentliche Steigung

Von St. Peter und Paul aus geht’s ins Feld und direkt eine ordentliche Steigung hoch. Nach 100 Metern der erste Stopp, die erste Teilnehmerin legt die Jacke ab. An diesem wie an allen weiteren Haltepunkten erzählt Bergmann Familiengeschichten, Historisches und Interessantes. Hier und da stellt er eine kleine Quizfrage. Auch die Gruppe steuert die eine oder andere Information bei, die selbst der Ortskenner noch nicht kannte.

Von der Karolinenhöhe führt Bergmann die Truppe wieder hinunter zum Parkfriedhof. Nächster Stopp, nächste Geschichte. Wieder aufsitzen und weiter zur Papiermühle „An den Sieben Quellen“. „Der hat nach 300 Jahren das Hüttenwerk das Wasser abgegraben, 1890 war Schluss“, erzählt Bergmann. Immer wieder kommt das Stahlwerk zur Sprache. Es dominiert die Tour, so wie es die gesamte Geschichte der Stadt GMHütte dominiert.

Die ersten schieben

An der Straße Forellenteich geht es hinein in den Wald. Die nächste Steigung. Jetzt steigen die Ersten ab und schieben. Kein Problem, der Rest wartet gerne. Bergauf, bergab, fahren, stoppen, fahren. Übers Forsthaus kommt die Truppe zwischen Wald und Feld zum Schützenhaus und den Wald hinunter zum Holsteteich. Bergmann hatte die Teilnehmer gewarnt: „Gut aufpassen, ein sehr holpriger Weg.“ Das stimmt: Auf der Mountainbike-geeigneten Strecke hat niemand mehr Zeit zum Plaudern. Der Untergrund fordert die volle Konzentration der Radler, damit einen die Wurzeln nicht aus dem Sattel heben.

Alle kommen gut am Holsteteich an und bestaunen das rostig-rote Wasser. Über die Schützenstraße fährt die Truppe weiter nach Malbergen. Die Lutherkirche ist das nächste Ziel, dann kommt endlich die Hütte in den Blick: An der Aussichtsplattform an der Klöcknerstraße erinnern Tafeln daran, wie das Werk früher aussah. „Heute werden hier nicht mehr Erz oder Kohle verarbeitet, sondern Schrott“, erläutert Bergmann.

Schokolade als Stärkung

Mit Schokolade als Stärkung radelt die Gruppe einmal um den Kasinopark herum und dann die Malberger Straße entlang. Auf Höhe der Georgsmarienhütter Stadtwerke führt Bergmann sie hinunter zur Düte – und zum Malberger Stollen, in den man durch ein Gitter hineinblicken kann. „Hier war ich noch nie“, sagt der eine. Und die andere schlägt vor: „Das wäre ein toller Rastplatz.“

Der Feldweg rechts von der Malberger Straße führt um die Hütte und zu der Stelle, an der die Düte im Werk verschwindet. Die Tour durch den Wald an der Hütte entlang wird begleitet von Vogelgezwitscher – und dem Konzert des nahen Stahlwerks.

Zur Belohnung ein toller Blick

Bergmann möchte allen einen finalen Ausblick auf das bieten, was bisher besichtigt wurde. Dafür müssen allerdings alle den Feldweg rauf zur Landvolkhochschule Oesede. Nur eine Dame fährt. Der Rest, inklusive E-Biker Bergmann, steigt ab. „Wir hätten auch unten langfahren können Richtung Kloster Oesede, aber dieser Blick…“, sagt Bergmann. Zur Belohnung dürfen seine Mitradler Gesteinsproben anfassen, die bis zu 300 Millionen Jahre alt sind.

Bei der Fahrt die Glückaufstraße entlang nach Kloster Oesede können sich die angestrengten Oberschenkel-Muskeln ein wenig erholen. Vorbei am Ottoschacht, zur Klosterpforte und dann links zur Johanniskirche führt der Weg. An der Kirche biegen die Damen ab, sie wollen gemütlich essen. Die Herren folgen Bergmann weiter zur Düte und der alten Ölmühle, rechts hinunter zum Mühlenteich. Über den Alten Oeseder Kirchweg kehrt die geschrumpfte Truppe zurück nach Oesede.

Acht Kilometer Rückweg

Für zwei ist hier noch nicht Schluss: Sie haben noch acht Kilometer Rückweg nach Hagen vor sich. Ansgar Bergmann geleitet sie zum Forstweg. Dann hat auch er Feierabend. Nach drei Stunden, 20 Kilometern, etlichen Anstiegen und einer Zeitreise durch Georgsmarienhüttes Geschichte.


Terravita bietet geführte Radwander-, und Wandertouren, aber auch Geocaching und Klettern im Natur- und Geopark an. Ansgar Bergmann ist „Trail 13: Rund um Stahl und Kohle“ gefahren, hat die 29 Kilometer lange Strecke aber um gut neun Kilometer abgekürzt. Wer die Tour nicht auf eigene Faust nachfahren will: Am Sonntag, 31. Mai, macht sich Bergmann wieder für Terravita aufs Rad. Start ist um 14 Uhr bei der Kirche St. Peter und Paul in Oesede.

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