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Kein Duell zwischen Münster und Osnabrück Sorge vor Krawall: Paulinum sagt Spiel mit Carolinum ab

Um diesen Pokal und den Titel „Älteste Schule Deutschlands“ geht es beim Schul-Derby zwischen dem Osnabrücker Carolinum und dem Münsteraner Paulinum (hier ein Foto vom Spiel im Vorjahr auf der Illoshöhe). Foto: Michael GründelUm diesen Pokal und den Titel „Älteste Schule Deutschlands“ geht es beim Schul-Derby zwischen dem Osnabrücker Carolinum und dem Münsteraner Paulinum (hier ein Foto vom Spiel im Vorjahr auf der Illoshöhe). Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Pyrotechnik und Alkohol gehören nicht auf eine Schulveranstaltung. Was schon oft genug im Profisport für negative Schlagzeilen sorgt, hat nun das Gymnasium Paulinum in Münster zur Absage des traditionellen Fußballduells mit dem Osnabrücker Carolinum gezwungen.

Zum 15. Mal sollten sich die Fußballmannschaften beider Schulen eigentlich an diesem Mittwoch begegnen, dieses Mal in Münster. Doch daraus wird 2015 nichts. Die Gründe dafür liegen im vergangenen Jahr. Auf der Illoshöhe in Osnabrück gelang dem Carolinum nach sieben erfolglosen Jahren ein phänomenaler Sieg. Mit dem Endstand von 9:0 hatten die Osnabrücker ihre Gegner vom Platz gefegt und durften sich zur Belohnung ein Jahr lang „Älteste Schule Deutschlands“ nennen. Ein Sieg, der bei Helmut Brandebusemeyer, Schulleiter des Carolinums, eigentlich Euphorie hätte wecken müssen. Das Gegenteil war der Fall. „Ich bin alles andere als euphorisch nach Hause gegangen“, erinnert sich Brandebusemeyer im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn am Rand des Felds sei es zu unschönen Szenen gekommen: Dunkle Rauchschwaden zogen über den Rasen und „unflätige Bemerkungen“ fielen. Einige ehemalige Schüler des Carolinums hätten Pyrotechnik gezündet, massiv Alkohol getrunken und gegen die Spieler des Paulinums gestänkert. Zustände, die an Derbybegegnung zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster erinnern. Zustände, welche die Schulleiter beider Gymnasien als unakzeptabel empfinden.

Gespräch mit ehemaligen Schüler geführt

„Das Spiel sollte doch Spaß machen. Aber die Begegnung letztes Jahr war alles andere als harmlos“; sagt Brandebusemeyer. Daher habe er in diesem Jahr das Gespräch mit Daniel Rynio, einem Vertreter der Ehemaligen, geführt. Eine Begegnung, die beide Seiten als sehr unbefriedigend empfanden. Während Brandebusemeyer seinem ehemaligen Schüler fehlende Einsicht attestiert, fühlt sich der junge Mann unverstanden. Er wisse nicht sicher, ob das Begalo und die Rauchfackel von seiner Gruppe gezündet worden seien. „Auch ich finde, dass Pyrotechnik auf einem Schulspiel nichts zu suchen hat“, sagt Rynio. Dass die Schule daraufhin allen Ehemaligen den Zutritt zum Spiel verwehren wollte, habe Rynio wütend gemacht. Der Rest seiner Truppe habe sich von dem Ausschluss übergangen gefühlt.

Zeitpuffer für Anreise und Vorbereitungen

Als im Vorfeld zur Begegnung in Münster bekannt wurde, dass die ehemaligen Gymnasiasten am Mittwochmorgen bereits gegen 8.30 Uhr zur Spielstätte aufbrechen wollten, hätten sich die Verantwortlichen gewundert. „Wir haben uns schon gefragt, was wollen die Ehemaligen mehr als zwei Stunden vor Spielbeginn in Münster?“, sagt Brandebusemeyer. Diese Bedenken kann Daniel Rynio wiederum nicht verstehen. „Wir haben extra für die Bahnfahrt und den Fußweg zum Platz einen Zeitpuffer eingeplant“, sagt er. Zudem wollten die Fans ein wenig früher vor Ort sein, um noch Plakate anzubringen und die Choreografie zu üben.

Unübersichtliches Spielfeld auf der Sentruper Höhe

Doch auch die unübersichtliche Lage des Sportplatzes habe dem Paulinum-Schulleiter Gerd Grave Sorgen gemacht. Während die Osnabrücker Illoshöhe über zwei Eingänge verfüge, die man kontrollieren könne, sei das Gebiet auf der Sentruper Höhe in Münster sehr unübersichtlich. So gebe es mehrere Eingänge, und auch Unbefugte könnten heimlich auf das Gelände gelangen. Eine Situation, die das Paulinum nach einigem Hin und Her zur Absage bewegte.

Spiel vor leeren Rängen war keine Option

Mitte vergangener Woche hätten sich beide Schulleiter ausgetauscht, so Brandebusemeyer. Dabei sei sogar überlegt worden, das Spiel vor leeren Rängen auszutragen. Eine echte Option sei ein solches „Geisterspiel“ aber nicht gewesen. „Es ist ein Spiel zwischen befreundeten Gymnasien. Die Schüler sollen einbezogen werden.“ Das Osnabrücker Carolinum hatte bereits zwei Busse für die Jahrgangsstufe 11 bestellt, die als Fans mitreisen sollten. Die Schüler der 12. Klasse hatten sich mit eigenen Autos Mitfahrgelegenheiten organisiert. Auch die Unterstützung der Polizei in Anspruch zu nehmen, stand für die Rektoren außer Frage.

Rektor bedauert die Entscheidung

So setzt die Tradition beider Schulen in diesem Jahr aus. Helmut Brandebusemeyer kann die Entscheidung seines Münsteraner Kollegen gut verstehen. Wenn sich einige Beteiligte nicht an die gesellschaftlichen Grundregeln halten könnten, müssten eben Konsequenzen gezogen werden, argumentiert der Pädagoge. Dennoch bedauert er die Entscheidung, auch wegen seines motivierten Teams. „Die Jungs haben seit einem halben Jahr jede Woche trainiert“, sagt er. „Klar, die waren echt betroffen.“

Zwangspause soll zum Umdenken bewegen

Beide Schulen wünschen sich nun, das sportliche Kräftemessen im kommenden Jahr wiederaufnehmen zu können. Helmut Brandebusemeyer hofft, dass die Zwangspause die zündelnden Fans bis dahin zum Umdenken bewegt. Daniel Rynio und die ehemaligen Schüler werden sich am Mittwoch trotzdem treffen. Auf den Bolzplatz in der Parkstraße haben sie die Jahrgangsstufe 12 des Carolinums zum Fan-Turnier eingeladen und wollen damit zeigen, dass sie fair spielen und friedlich feiern können.

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