Jubiläumsfeier im Hörsaalzentrum Uni Osnabrück feiert 40 Jahre Sozialwissenschaften

In Feierlaune beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Fachbereichs Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück: (von links) Lukas Diekmann (Fachschaft Sozialwissenschaften), Dekan Ulrich Schneckener, Andrea Lenschow (Direktorin des Instituts für Sozialwissenschaften), Universitätspräsident Wolfgang Lücke sowie Ralf Kleinfeld und Rolf Wortmann vom Alumniverein Sozialwissenschaften. Foto: Jörn MartensIn Feierlaune beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Fachbereichs Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück: (von links) Lukas Diekmann (Fachschaft Sozialwissenschaften), Dekan Ulrich Schneckener, Andrea Lenschow (Direktorin des Instituts für Sozialwissenschaften), Universitätspräsident Wolfgang Lücke sowie Ralf Kleinfeld und Rolf Wortmann vom Alumniverein Sozialwissenschaften. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück hat am Freitag mit einem Festakt im Hörsaalzentrum an der Kolpingstraße sein 40-jähriges Bestehen gefeiert – mit einem Jahr Verspätung.

Eigentlich hätte die Feierstunde schon 2014 stattfinden sollen. Es war nämlich im Sommersemester 1974, als die Fakultät ihren Lehrbetrieb an der frisch gegründeten Osnabrücker Universität aufnahm. Doch im vergangenen Jahr blieb keine Zeit zur Rückschau, denn wegen der damals geplanten (und Anfang April 2015 vollzogenen) Fusion mit den Kultur- und Geowissenschaften zum neuen Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften mussten sich alle Akteure erst einmal ganz neu organisieren.

„Der alte Fachbereich ist Geschichte“, erklärte Andrea Lenschow, Direktorin des neuen Instituts für Sozialwissenschaften. Die Zukunft werde zeigen, ob diese ersten 40 Jahre einmal als prägend angesehen oder als „institutionelles Detail“ in Vergessenheit geraten werden. 

Interdisziplinärer Ansatz

Universitätspräsident Wolfgang Lücke attestierte dem Fachbereich Sozialwissenschaften nach Jahren der Selbstorganisation und stetigen Neuausrichtung eine „solide, forschungsnahe Studienstruktur mit sehr qualifizierter Lehre“. Mit seinen elf Fachbereichen decke das Institut heute eine große Bandbreite ab. Seine Stärke sei sein interdisziplinärer Ansatz gerade auch mit fächerübergreifenden Institutionen wie etwa dem Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien (Imis). Innerhalb der Fachwelt habe sich der Fachbereich Sozialwissenschaften an der Osnabrücker Universität unter anderem dadurch einen Namen gemacht, dass er seit zwölf Jahren die Bundesgeschäftsstelle der deutschen Vereinigung für politische Wissenschaften beheimatet. 

„Der Fachbereiche Sozialwissenschaften in Osnabrück war einer der ersten in Deutschland, der sich in den 1990er-Jahren auf europäische Studien ausrichtete“, sagte Lücke. Mit der Einrichtung des Zentrums für Demokratie und Friedensforschung 2011 sowie einer Professur für Internationale Politik werde der Fokus auf eine wissenschaftliche Friedensforschung gelegt. 

Reformanspruch zu hoch

In kleinen Gesprächsrunden blickten ehemalige Studenten und Professoren auf die bewegten Anfangsjahre des Fachbereichs Sozialwissenschaften zurück. Ralf Kleinfeld, langjähriger Studiendekan am Fachbereich und Vorsitzender des Ehemaligen-Netzwerks Alumni Sozialwissenschaften Universität Osnabrück e.V., erinnerte an die Anfänge der Reform-Universität Osnabrück. „Das Studium sollte damals in Form eines Projektstudiums ‚praxis- und berufsbezogen entlang gesellschaftlich relevanter Fragen und Probleme‘ ausgerichtet werden. Die Sozialwissenschaften sollten in alle Studiengänge ‚zur kritischen Selbstreflexion‘ integriert werden.“ 

Mit diesem progressiven Ansatz war das junge Fach, das erst einmal eigene Strukturen ausbilden musste, aber zum Teil überfordert. „Der Reformanspruch wurde von den Lehrenden sehr individuell ausgelegt“, erklärte Rainer Künzel, ehemaliger Präsident der Universität Osnabrück. Dieser mangelnde Rückhalt für die Idee des Projektstudiums habe schließlich zum Scheitern geführt. 

Auf Leistung getrimmt

Ausnahmslos positiv bewerteten alle Diskussionsteilnehmer die Freiheit zur Entfaltung, die sie damals im Studium noch hatten. „Wir waren sehr kleine Seminargruppen von zehn oder zwölf Studenten“, sagte Maria Behrens, die heute Professorin für Politikwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal ist. Damals habe man noch „intensiv und ohne jede Achtung vor den Professoren“ über Texte diskutiert, die Noten seien fast egal gewesen. „Heute findet an den Hochschulen fast nur noch Frontalunterricht statt“, stellte Behrens fest. Und die Studenten in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen seien nur noch auf Leistung getrimmt. „Da muss der Druck raus.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN