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Begeisterung im Emma Theater Gastspiel des Drama-Theaters Twer: „Späte Liebe“ von Ostrowsk

Verständliches Spiel: Nikita Berezkin und Irina Andrianowa vom Twerer Schauspielensemble. Foto: Thomas OsterfeldVerständliches Spiel: Nikita Berezkin und Irina Andrianowa vom Twerer Schauspielensemble. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Dass ein Bühnenbild so übernommen wird, wie es der Autor vorschreibt, kommt in hiesigen Theatern so gut wie nicht mehr vor. Überhaupt wird hier ja viel gegen den Strich und gegen den Text gebürstet. Wie ungewohnt war da das Gastspiel des Akademischen Drama-Theaters Twer am Wochenende im Emma-Theater. Historische Kostüme, ein naturalistisches Bühnenbild und ein einfühlsames Spiel in der Nachfolge des russischen Theaterreformers Stanislawski prägten die Inszenierung von „Späte Liebe“, einem Schauspiel von Alexander N. Ostrowski.

Ganz bewusst hatte das Drama-Theater sich dafür entschieden, dieses klassisch inszenierte Stück in Osnabrück zu spielen. Auf seinem Spielplan stehen zwar auch moderne Stücke. Doch so wollte es zeigen, in welcher Tradition es steht.

Ostrowskis Stück von 1873 erzählt von einer zunächst unglücklichen Liebe: Ludmilla, Tochter eines verarmten Rechtsanwaltes, ist in Nikolai, den Sohn ihrer Vermieterin, verliebt. Der ist eigentlich ein ehrlicher Mensch, aber leider der Trunk- und Spielsucht verfallen. Aus Liebe zu ihm stiehlt Ludmilla einen Schuldschein, den ihr Vater verwalten soll, und überlässt ihn Nikolai, der ihn zu Geld machen will. Am Ende geht aber doch alles gut aus.

Das Stück wurde im Emma-Theater auf Russisch und ohne Übersetzung gezeigt. Wer genau hinguckte, konnte aber auch ohne Russischkenntnisse durch das gefühlvolle Spiel und die deutlichen Gesten der Schauspieler erahnen, was sich auf der Bühne abspielte.

Das Publikum war begeistert von dem Drama-Theater. Am Ende gab es Standing Ovations und Blumen für die Schauspieler. Viele Zuschauer waren russischstämmig und froh, mal wieder etwas in dieser Sprache hören zu können.

Nach der Premiere am Samstag wurde dann kräftig im Emma-Theater gefeiert. Einige russische Schauspieler begeisterten bei der Feier mit musikalischen Einlagen noch einmal. Auch wenn also die Theatertraditionen verschieden sind, scheint es viel Liebe auf beiden Seiten füreinander zu geben. Denn für nächstes Frühjahr ist der Gegenbesuch des Osnabrücker Theaters in Twer geplant.


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