Schülertheater Osnabrücker Remarque-Realschule spielt „Verrücktes Blut“

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Sprich das ja richtig aus, sonst knallt’s: Die Lehrerin Frau Kehlig (Liza-Marie Dünhölter) zwingt den Schüler Ferit (Ibrahim Brimah) mit Waffengewalt zum Rezitieren aus Schillers „Die Räuber“. Foto: M. StrothmannSprich das ja richtig aus, sonst knallt’s: Die Lehrerin Frau Kehlig (Liza-Marie Dünhölter) zwingt den Schüler Ferit (Ibrahim Brimah) mit Waffengewalt zum Rezitieren aus Schillers „Die Räuber“. Foto: M. Strothmann

Osnabrück. Im Theaterstück „Verrücktes Blut“ haben Schüler der Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Realschule am Donnerstagabend gezeigt, was passieren kann, wenn eine frustrierte Lehrerin eine Knarre in die Finger bekommt.

Das Stück von Regisseur Nurkan Erpulat und Dramatiker Jens Hillje war 2010 der Hit des Kreuzberger Hinterhoftheaters „Ballhaus Naunynstraße“. Die Inszenierung der Osnabrücker Lehrer Dieter Wittenbrock und Daniela Ostendorf setzte der Wahlpflichtkurs Theater der Jahrgänge 9 und 10 nun gelungen auf der Bühne des Gymnasiums „In der Wüste“ um.

Die Ausgangssituation der Handlung: Lehrerin Sonja Kehlig (Liza-Marie Dünhölter) möchte im Unterricht Schillers „Die Räuber“ behandeln, was zunächst an den renitenten Schülern scheitert. Diese haben durch die Bank Migrationshintergrund, keinerlei Interesse an klassischer deutscher Literatur und sind zudem voller Aggressionen. Als die Lehrerin einem besonders brutalen Vertreter die Schusswaffe abnimmt, bringt sie die Schüler vorübergehend zur Raison – bis sie schließlich nach diversen verbalen Auseinandersetzungen kurz davor ist, den Ober-Rabauken zu exekutieren. Plötzlich argumentieren die Schüler ganz intellektuell und fordern unter Berufung auf die Ideale der Aufklärung eine zweite Chance für den kleinen Gangster, der diese dann auch bekommt. Letztendlich gehen alle gemeinsam Döner essen, und die Lehrerin ist, wie sich herausstellt, selbst türkischer Abstammung: „Ich habe einen Deutschen geheiratet, ihr Vollidioten!“ Die versammelten Lehrer, Mitschüler und Eltern quittieren die Darbietung mit tosendem Beifall.

Der „Spiegel“ bezeichnete das Stück über Vorurteile, Integration, Machismo und mehr einst als „Amok-Komödie“, was die Sache ganz gut trifft. Nicht nur ist das Tempo schnell und steckt die Handlung voller überraschender Wendungen, auch die Sprache ist hart und direkt. „Nutte“, „Pussy“, „Schlampe“ – nicht alle, aber viele Register werden gezogen, und die Zuschauer johlen. Natürlich kennen die Schüler das gesamte Spektrum, ihr Alltag ist voll von expliziter Sprache, und wenn das entsprechende Klientel abgebildet (und erreicht) werden soll, müssen die Kraftausdrücke eben auf die Bühne.

Aber auch wenn die witzigen Passagen die größten Publikumsreaktionen auslösten, dürfte auch die Botschaft bei den Zuschauern angekommen sein. Und selbst, wenn nicht: Auf die Idee, einen Schüler mit Waffengewalt zum Rezitieren von Schiller zwingen zu lassen, muss ein Autor erst einmal kommen.


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