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Umfrage in Osnabrück Lotto-Jackpot: Was man mit 90 Millionen Euro machen kann


Osnabrück. An diesem Freitag spielt die Lotterie Eurojackpot die sagenhafte Summe von 90 Millionen Euro aus. Sollte ein Spieler den Jackpot als einziger knacken, bekäme er den höchsten Einzelgewinn aller Zeiten ausgezahlt.

In 16 europäischen Ländern werden sich laut Veranstalter Westlotto rund 20 Millionen Menschen einen Tippschein kaufen. Unsere Redaktion hat den Hype zum Anlass genommen, einen Mathematikprofessor, einen Anlageberater, eine Hilfsorganisation und Vertreter der drei Weltreligionen zum Thema Lotto und dem möglichen 90-Millionen-Euro-Gewinn zu befragen.

Übrigens: Nach dieser Spielrunde ist Schluss mit der Rekordjagd. Eine Steigerung des Jackpots auf mehr als 90 Millionen Euro ist in den Spielregeln der Eurojackpot-Lotterie ausdrücklich ausgeschlossen worden.

Der Anlageberater – Michael Dirker rät zu Häusern und Aktien

Herr Dirker, wenn am Freitag ein Osnabrücker mit 90 Millionen Euro zu Ihnen käme – welche Anlagestrategie würden Sie ihm empfehlen?
Zunächst einmal würde ich ihm raten, eventuelle Schulden zurückzuzahlen. Dann sollte jeder, der 90 Millionen Euro gewonnen hat, über eine Schenkung nachdenken. In meinem Fall zum Beispiel würde ganz sicher unser Sohn profitieren. Und dann – das mag an meinem christlichen Verständnis liegen – würde ich bei so einer Summe doch sehr dazu raten, einen Teil des Geldes in eine Stiftung zu geben.

Danach bliebe ja immer noch eine Menge übrig. Bei den momentanen Zinsen raten Sie vermutlich nicht zum Festgeldkonto...
Nein, natürlich nicht! Bei dieser Summe sollte zunächst mal ein Prozent als Liquiditätsreserve reichen. Dann würde ich empfehlen, 39 Prozent in Immobilienfonds und Immobilien anzulegen und noch einen Teil verrenten zu lassen. 50 Prozent des Geldes sollte man in Aktien anlegen, da gibt es dann natürlich viele Anlagestrategien. Und die restlichen zehn Prozent würde ich in Öl und Gold investieren.

Öl und Gold?
Ja, Öl ist im Moment günstig. Und Gold nicht wegen der Erträge, sondern wegen der Sicherheit, falls es zum Beispiel eine Währungsreform gibt. Daran glaube ich zwar nicht, aber wenn man 90 Millionen hat, sollte man auch so ein Risiko einkalkulieren.

Spielen Sie eigentlich selbst Lotto?
Ja, und zwar seit 1980 jede Woche mit denselben Zahlen: 1, 2, 3, 4, 5 und 6. Aber einen größeren Betrag habe ich noch nicht gewonnen.

Michael Dirker ist Privatkundenbetreuer bei der Volksbank Osnabrück.

Der Imam – Esnaf Begic begrüßt Lotto-Verbot im Islam
Herr Begic, Glücksspiel ist im Islam verboten. Gehört Lotto auch dazu?

Ja, im Islam ist jegliches Glücksspiel – Lotto eingeschlossen – nicht regelkonform.

Warum ist das so?
Nach dem islamischen Verständnis sollte alles, was man erwirbt, auf Grundlage der eigenen Kompetenz erworben werden. Man soll nicht versuchen, sein Glück herauszufordern. Außerdem besteht die Gefahr, vom Glücksspiel süchtig zu werden. Dem wird durch das Verbot ein Riegel vorgeschoben. Es gibt ja auch so viele Lotto-Millionäre, die am Ende mit ihrer Familie auf der Straße gelandet sind.

Ist Lottospielen auch verboten, wenn man den Gewinn für eine gute Sache spendet?
Ja, auch dann ist es nicht erlaubt.

Dürfte denn beispielsweise eine islamische Gemeinde eine Spende annehmen, wenn das Geld aus einem Lottogewinn stammt?
Das ist umstritten. Es gibt Gelehrte, die sagen, das sei in Ordnung, weil es sich eben um ein Präsent handelt. Andere lehnen das ab, weil das Geld eben aus einer unerlaubten Quelle stammt.

Welche Meinung vertreten Sie?
Ich neige auch dazu zu sagen, dass man so eine Spende ablehnen sollte.

Esnaf Begić ist Imam und Islamwissenschaftler an der Universität Osnabrück.

Der Mathematiker – Matthias Reitzner geht lieber ein Eis essen
Herr Professor Reitzner, wie hoch ist bei geschätzten 20 Millionen Loskäufern die Chance, dass der 90-Millionen-Rekord-Jackpot am Freitag geknackt wird?

Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 19 Prozent.

Wie hoch ist die Chance des Einzelnen, einmal 5 Zahlen aus 50 und einmal 2 Zahlen aus 10 richtig zu tippen?
Die ist schon sehr gering. Wenn jemand jede Woche Lotto spielt, müsste er das 1,2 Millionen Jahre machen, um eine 50/50-Chance zu haben. Bis dahin hätte er allerdings auch schon 132 Millionen Euro für die Lose ausgeben.

Können Sie als Stochastiker, also als Experte für Wahrscheinlichkeitsrechnung, überhaupt Verständnis für Lottospieler aufbringen?
Oh ja, mein Verständnis ist groß! Irgendwann wird es ja klappen, und der Einsatz für den Einzelnen ist gering.

Aber Sie würden nicht Lotto spielen, nehme ich an.
Nein, für das Geld gehe ich lieber ein Eis essen.

Haben Sie überhaupt eine Beziehung zum Glücksspiel?
Ich gehe gerne in die Spielbank, und da beobachte ich fasziniert, wie Menschen riesige Summen verspielen und es ihnen anscheinend – oder scheinbar – egal ist.

Sie kommen aus Österreich. Ihre Landsleute haben bekanntermaßen einen Hang zum Fatalismus. Spielt der Österreicher anders Lotto als der Deutsche?
Der Deutsche ist überzeugt, dass er den Jackpot knackt, und spielt mit. Der Österreicher hingegen ist sich sicher, dass er ihn nicht knackt – und spielt trotzdem mit.

Matthias Reitzner ist Professor für Stochastik (Wahrscheinlichkeitsrechnung) an der Universität Osnabrück.

Der Priester – Reinhard Molitor lässt Gott aus dem Spiel
Herr Molitor, welche Meinung hat die katholische Kirche zum Glücksspiel?

Glücksspiel ist zunächst mal nicht verboten. Ich selbst spiele auch gerne Karten, habe am Wochenende beim Doppelkopf aber nur 4,20 Euro gewonnen.

Immerhin! Haben Sie auch schon Lotto gespielt?
Ja, und ich habe mit Freunden auch mal im Toto gewonnen. Wir gingen erst davon aus, dass jeder 1000 Mark bekommt und haben eine große Feier im Studentenwohnheim gemacht. Dann haben wir erfahren, dass wir uns den Gewinn mit anderen teilen müssen und jeder nur 5,50 Mark bekommt.

Was würden Sie denn einem Gemeindemitglied empfehlen, das den Jackpot knackt und 90 Millionen Euro gewinnt?
Bei so einer Summe sollte ein aufrechter Christ schauen, was für gute Dinge man mit einem Teil des Geldes machen kann. Ich habe übrigens in meiner pastoralen Praxis schon Lottogewinner kennengelernt. Eine Familie hat von ihrem 100000-Mark-Gewinn gebaut, ein anderer hat sein ganzes Geld wieder verloren.

Wäre es für einen Christen eigentlich in Ordnung, seinen Gott im Gebet darum zu bitten, dass am Wochenende seine Zahlen gezogen werden?
Ich halte Gott in diesem Fall für nicht zuständig. Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, müsste Gott ja auch entscheiden, ob er das Gebet von Meyer oder das von Müller annimmt.

Reinhard Molitor ist Domkapitular und Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde in Rulle.

Der Rabbi – Avraham Radbil würde sich ein Haus bauen

Herr Radbil, wie steht das Judentum zum Lotteriespiel?
Das ist ein sehr umstrittenes Thema. Glücksspiel an sich ist verboten. Der Gedanke dahinter ist folgender: Wenn man beim Glücksspiel Geld auf den Tisch legt, trennt man sich nicht richtig davon. Und wenn ein anderer es nimmt, stiehlt er es im Grunde.

Wenn ich beim Skat gegen Sie gewinne, bin ich also ein Dieb?
Genau. Beim Lotto wiederum könnte man sagen, dass es in Ordnung ist, weil man im Moment des Loskaufs genau weiß, dass man dieses Geld nie zurückbekommt. Man hofft stattdessen, anderes Geld dafür zu bekommen.

Welche Auffassung vertreten Sie?
Ich muss gestehen, als ich gestern gesehen habe, dass es um 90 Millionen Euro geht, habe ich selbst überlegt mitzuspielen. Ich habe auch schon meine Frau gefragt, was wir mit so viel Geld machen würden. Sie meinte: Hier in Osnabrück ein Haus bauen! Ich habe dann zu ihr gesagt, sie sei verrückt. Für 90 Millionen könnten wir uns auch ein Haus in Jerusalem bauen.

Würden Sie von so einem riesigen Gewinn denn auch etwas für gute Zwecke spenden?
Ja, natürlich. Wir haben das Gebot, ein Zehntel eines Ertrags abzugeben. Mit neun Millionen Euro könnte man schon eine Menge Gutes tun.

Avraham Radbil ist der Rabbiner der jüdischen Gemeinde Osnabrück.

Die Hilfsorganisation – Das Help-Age-Team könnte mit 90 Millionen Euro viel anfangen

Die Hilfsorganisation Help-Age hat auf unsere Frage, was sie mit 90 Millionen Euro anfangen würde, eine Wunschliste angefertigt. Eine Auswahl:

  • Mehr Projekte in vergessenen Krisen- und Katastrophengebieten fördern: für syrische Flüchtlinge, als Hexen gejagte Frauen in Tansania, Opfer von Vertreibungen in Burma, Mindanao, dem Darfur oder anderen Regionen.
  • Unsere Partner aus den Projektländern häufiger nach Deutschland einladen, um mit ihnen Veranstaltungen in Schulen etc. zu machen.
  • Die Katastrophenvorsorge in vielen Ländern enorm steigern, denn für jeden Euro, der in Vorsorgemaßnahmen investiert wird, können Schäden von sieben Euro eingespart werden. Gleichzeitig fehlt für die Vorsorge oft das Geld.
  • Unsere Hilfe für die Erdbebenopfer in Nepal stark ausweiten. Bekommt man für 90 Millionen einen eigenen Helikopter?
  • Die „Jede-Oma-zählt“-Läufer zusammen mit alten Menschen aus unseren Projekten zu einem „Lauf um die Welt“ durch alle unse-
    re Projektländer einladen, wobei sie auf das Thema des Alterns aufmerksam machen.
  • Vielen, vielen in großer Armut lebenden alten Menschen in der ganzen Welt für ein Jahr eine kleine Rente zahlen.

Help-Age hat seine Deutschland-Zentrale in Osnabrück. Die Organisation kümmert sich weltweit vor allem um ältere Menschen.


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