Serie über Osnabrücker Chöre „Cantabiles“ Geheimnis steigender Mitgliederzahlen



Osnabrück. Die meisten Chormitglieder fahren einmal pro Woche aus der Region nach Osnabrück, um zu singen: Der Chor Cantabile geht auf eine Elterninitiative in Bissendorf-Holte zurück, die vor 20 Jahren gegründet wurde, weil die Kinder der musikbegeisterten Erwachsenen in der Umweltorientierten Musikschule unterrichtet wurden.

„Manchmal kribbelt es mir noch in den Fingern“, sagt Gottfried Keding. Jahrelang hat er den Chor geleitet, bis er den Job aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Doch er blieb dem Sangeskreis treu – als Basssänger. „Bei manchen Liedern würde ich schon gerne dirigieren“, sagt er, fügt aber hinzu, dass der Chor mit seiner Nachfolgerin einen mehr als adäquaten Ersatz gefunden habe.

Diese heißt Verena Kellerer und könnte vom Alter her seine Enkelin sein, so Keding. Die 27-Jährige aus Waldshut, die ihren Musik-M.A. an der Uni Osnabrück absolvierte, stieß bereits als Studentin auf Cantabile.

Während eines Chorwochenendes war Kellerer probeweise für Keding eingesprungen. „Sie hat das toll gemacht, also haben wir sie gebeten, die Leitung zu übernehmen“, erzählt Mariele Jansen, die seit der Gründung des Chors dabei ist. „Mit dem Leiter steht und fällt der Chor. Zweimal standen wir bereits ohne Leiter da, sofort schrumpften die Mitgliederzahlen. Jetzt haben wir wieder 32 Aktive“, so Jansen.

Was passiert, wenn Verena Kellerer ihr Studium in Düsseldorf, wo sie an der Robert-Schumann-Hochschule zusätzlich eine Ausbildung zur Chorleiterin macht, abgeschlossen hat? „Dann besorgen wir ihr hier an einer Schule einen tollen Job, damit sie wieder nach Osnabrück kommt und unseren Chor weiter leiten kann“, sagt Keding schnell und erntet damit bei allen Probenteilnehmern heftigen Applaus.

Gerade probt der Chor das Programm für einen öffentlichen Auftritt in Bad Laer: „Wir haben uns für eine Sammlung internationaler Liebeslieder entschieden“, sagt Kellerer. Dazu gehört ein afrikanischer Kanon genauso wie das schwedische Lied „Kristallen den Fina“, das niederdeutsche „Dat du min Leevsten büst“ oder „Weit, weit weg“ vom Österreicher Hubert von Goisern. Gemäß dem Motto „Von Klassik bis Pop“ findet man aber auch Antonin Dvoraks „Klänge aus Mähren“ im Repertoire oder „Let It Be“ von den Beatles.

„Wir nannten uns ursprünglich ,Elternchor‘“, erinnert sich Mariele Jansen. Weil sich das blöd anhörte, wählte man nach einiger Zeit den Namen „Cantabile“, das italienische Wort für „singbar“. Damit sich der Gesang noch besser anhört, sind die Mitglieder gerade auf der Suche nach Bässen und Tenören. „Obwohl wir hauptsächlich aus Bissendorf und Umgebung kommen, haben wir mittlerweile Mitglieder aus Osnabrück und der gesamten Region“, sagt Jansen.

Nach dem Auftritt am 9. Juni in Bad Laer steht dem Chor das nächste große Event ins Haus: Im Oktober wird in einer Kirche in Bissendorf das 20-jährige Jubiläum gefeiert.

Alle bisherigen Teile unserer großen Chorserie hier .


Name: Chor Cantabile

Chorleiterin: Verena Kellerer

Proben: montags, 19.30– 21.30 Uhr, Umweltorientierte Musikschule Osnabrück, Dammstraße 2

Organisation: Gemischter Chor der Umweltorientierten Musikschule Osnabrück, kein Mitglied im Chorverband

Kosten: 4 Euro pro Übungsabend

Kontakt: www.umomusikschule.de, Tel. 0541/ 55060

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