Mindestlohn in Region Osnabrück Mindestlohn führt zu Mehrkosten im Osnabrücker Einzelhandel

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Gewerkschaften wie Verdi und DGB freuen sich über den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat in allen nicht-tarifgebundenen Handelsunternehmen in der Region Osnabrück in der Regel zu erheblichen Mehrkosten geführt, sagt der Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Handel im Bezirk Weser-Ems, Georg Schröermeyer. Foto: dpaGewerkschaften wie Verdi und DGB freuen sich über den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat in allen nicht-tarifgebundenen Handelsunternehmen in der Region Osnabrück in der Regel zu erheblichen Mehrkosten geführt, sagt der Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Handel im Bezirk Weser-Ems, Georg Schröermeyer. Foto: dpa

Osnabrück. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat in allen nicht-tarifgebundenen Handelsunternehmen in der Region Osnabrück in der Regel zu erheblichen Mehrkosten geführt. Das sagte der Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Handel im Bezirk Weser-Ems, Georg Schröermeyer, unserer Redaktion. „Ein weiterer heilsamer Effekt des Mindestlohns ist, dass die Minijobs im Einzelhandel zusehends abgebaut und durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse ersetzt werden.“

Schröermeyer weist auch darauf hin, dass zum Beispiel alle inhabergeführten Edeka-Märkte nicht-tarifgebunden seien und somit auch die Edeka-Filialen von Mechthild Möllenkamp, der Präsidentin des Handelsverbands Osnabrück-Emsland. Möllenkamp sagte unserer Redaktion, dass der Mindestlohn keine Auswirkungen auf ihre Filialen habe, weil dort für die Mitarbeiter schon immer mindestens 8,50 Euro pro Stunde gezahlt worden sei. Das bezweifelt Schröermeyer hingegen aufgrund von Aussagen der dort Beschäftigten. Zuvor sei dort durchaus weniger als 8,50 Euro pro Stunde gezahlt worden. Das gelte aber auch für andere inhabergeführte Edeka-Märkte in der Region.

KK: „Das Personal ist teurer geworden. Das liegt auf der Hand.“

Ein Sprecher der Supermarktkette KK räumte auf Anfrage unserer Redaktion ein: „Das Personal ist teurer geworden. Das liegt auf der Hand.“ Der Konkurrenzdruck sei jedoch so gewaltig, dass die Mehrkosten nicht an die Verbraucher weitergegeben werden könnten. Ein Mitarbeiter eines weiteren mittelständischen Handelsunternehmens ohne Tarifbindung aus dem Landkreis Osnabrück berichtet, dass in einem Markt weitere geplante Mitarbeiter in diesem Jahr nicht eingestellt werden können und in einem anderen Markt ein Mitarbeiter entlassen werden musste.

LT: „Die weit überwiegende Mehrheit unserer Mitarbeiter verdient deutlich mehr“

Das ebenfalls nicht-tarifgebundene Osnabrücker Modehaus Lengemann und Trieschmann (LT) hat bereits im Vorgriff auf den gesetzlichen Mindestlohn im August 2014 den Stundenlohn für geringfügig Beschäftigte auf 8,50 Euro angehoben, wie LT-Personalleiter Björn Kunert berichtet. „Die weit überwiegende Mehrheit unserer Mitarbeiter verdient deutlich mehr“, sagt LT-Geschäftsführer Alexander Berger. Nur 17 von über 500 Beschäftigten hätten vor August 2014 für weniger als 8,50 Euro pro Stunde gearbeitet.

Schröermeyer: „Arbeitgeber sitzt das Thema oft aus“

Schröermeyer sagt, dass der Mindestlohn oft auch ein Problem der kleinen Betriebe sei: „Dort sitzt der Arbeitgeber das Thema oft aus. Wenn Beschäftigte den Mindestlohn gerichtlich durchsetzen wollen, wissen sie, dass ihnen die Kündigung droht.“

Handelsverband: Deutlich mehr Bürokratie ist ein Ärgernis

Die Geschäftsstellenleiterin des Handelsverbands Osnabrück-Emsland, Katja Calic, sagt, dass der Stundenlohn von 8,50 Euro in der Regel kein Problem sei. Verärgert seien viele Händler in der Region wegen der Aufzeichnungspflichten für Minijobber und den damit verbundenen Aufbewahrungspflichten. „Die im Mindestlohngesetz vorgesehene Pflicht zur Aufzeichnung von Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit sowie Pausendauer für Minijobber hat für die Einzelhändler auch an dieser Stelle zu deutlich mehr Bürokratie geführt“, konstatiert Calic. Dabei bestehe für eine Aufzeichnungspflicht gerade bei geringfügig Beschäftigten keine besondere Notwendigkeit. Die Gefahr der Stundenmanipulation sei bei ihnen nicht größer als bei anderen Beschäftigungsverhältnissen. Wer viele Minijobber beschäftige, müsse einerseits die Aufzeichnungen der Arbeitnehmer kontrollieren und andererseits die Aufzeichnungen neben Lohnlisten und Urlaubsplänen auch noch zwei Jahre lang aufbewahren und für Kontrollen durch den Zoll bereithalten. Dabei verfügten gerade kleine und mittelständische Händler meist nur über kleine Büroräume, die sich nicht als Archiv eigneten. „Außerdem darf nicht vergessen werden, dass gerade mittelständische Händler aufgrund ihrer geringen Größe keine entsprechenden Mitarbeiter beschäftigen können, die diese Aufgaben nun übernehmen, sondern sie müssen selber die zusätzliche Bürokratie abarbeiten“, betonte Calic.

45000 Minijobs im Einzelhandel zum Jahreswechsel abgebaut

Bundesweit seien rund 45000 Minijobs im Einzelhandel zum Jahreswechsel abgebaut worden. Wie es sich hier in unserer Region verhält, könne derzeit mit Zahlen noch nicht belegt werden. Calic vermutet aber, dass viele Minijobs wegen des Mindestlohns auch in unserer Region abgebaut wurden. Es bleibe abzuwarten, ob dieser deutliche Verlust an Arbeitsplätzen an anderer Stelle in der Branche durch den Aufbau sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze kompensiert wird.

Verdi begrüßt Abbau von Mini-Jobs

Verdi-Gewerkschaftssekretär Schröermeyer sieht die von Handelsvertretern beklagte Bürokratie durch die Arbeitszeiterfassung hingegen nicht . „Zuvor gab es auch schon Stundenaufzeichnungen oder Zeiterfassungssysteme für die Minijobber. Der Unterschied ist jetzt nur, dass diese Unterlagen aufbewahrt und auf Anforderung beim Zoll vorgezeigt werden müssen“, sagt er. Wenn das nun aber dazu führe, dass die Minijobs abgebaut werden, „dann begrüße ich diesen Effekt“, resümiert Schröermeyer. Der Minijob sei eigentlich geschaffen worden, um im Handel Arbeitsspitzen wie im Weihnachts- oder Ostergeschäft abzufangen. „Er ist aber zum Dauerarbeitsplatz geworden“, erläutert Schröermeyer. „Es gibt im Landkreis Osnabrück Handelsunternehmen, die rund die Hälfte der Beschäftigten als 450-Euro-Kraft einstellen, um sie flexibel einsetzen zu können.“ Das seien dann im Supermarkt oft die Kräfte, die abends nach 20 Uhr für die letzten zwei Stunden eingesetzt werden. Wenn diese Mitarbeiter wegen des Mindestlohns nun sozialversicherungspflichtig beschäftigt würden, dann sei der Mindestlohn allein schon aus diesem Grund ein Gewinn.


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