Entscheidung am Donnerstag Blindgänger am Schinkelberg: Evakuierung noch unsicher


Osnabrück/Belm. Am Donnerstag müssen voraussichtlich 3500 Personen aus dem Belmer Ortskern und aus dem Osnabrücker Stadtteil Widukindland evakuiert werden. Ein möglicher Bombenblindgänger wurde in einem Waldstück am Schinkelberg gefunden. Ob tatsächlich evakuiert wird, entscheidet sich aber erst am frühen Donnerstagnachmittag.

Im Falle einer Evakuierung sollen die Betroffenen das Gebiet bis 17.30 Uhr verlassen haben, doch: „Es ist noch nicht hundertprozentig sicher, ob die Maßnahmen tatsächlich durchgeführt werden“, sagt Jürgen Wiethäuper, Zuständiger Fachdienstleiter bei der Stadt Osnabrück, auf Nachfrage unserer Redaktion. Die vorbereitenden Maßnahmen für eine mögliche Entschärfung beginnen erst am frühen Donnerstagnachmittag um eine akute Situation zu vermeiden und nach dem angedachten Zeitplan arbeiten zu können.

Auf Meldungen in den Medien achten

Erst dann stellt sich raus, ob es sich am Fundort tatsächlich um einen intakten Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, oder lediglich ein Bombenfragment ohne Zünder handelt. Ist Letzteres der Fall, kann eine Räumung auch ohne Evakuierung vollzogen werden, erklärt Wiethäuper. Sollte auf eine Evakuierung verzichtet werden können, werde dies umgehend bekannt gegeben. Die betroffenen Bürger sollten daher auf entsprechende Meldungen aus den Medien achten. (Weiterlesen: Weltkriegsbombe in Belm kontrolliert gesprengt)

Neue Software ermittelt Oberflächen und Gelände

Mit Zeitzeugenaussagen verknüpft, ereignete sich der aktuelle Fund in erster Linie durch ein neues softwaregestütztes Verfahren, das auch in Waldstücken einen Einblick in Geländebegebenheiten ermöglicht, sagt Wiethäuper. Die klassischen Luftbilder, die bisher zur Geländeanalyse verwendet wurden, können dies nicht leisten.

Seit Februar ist eine eigens vom Fachdienst Geodaten der Stadt Osnabrück entwickelte Software im Einsatz, die ein „digitales Geländemodell“ sowie ein „digitales Oberflächenmodell“ erstellt, schildert Dirk Ohde vom Fachdienst Geodaten. Für die Blindgängersuche eher uninteressant ist das digitale Oberflächenmodell, das insbesondere für die Darstellung von Gebäuden verwendet wird. (Weiterlesen: Bombe in Belm erfolgreich entschärft)

Visualisierung von Höhenunterschieden

Das digitale Geländemodell erstellt hingegen eine 3D-Visualisierung, die über sogenannte Schummerkarten einen räumlichen Eindruck von Höhenunterschieden im Gelände ermöglicht. Aus der Luft wird die Erdoberfläche abgescannt. Mit gesendeten und aufgefangenen Impulsen wird gut alle zehn Zentimeter die Höhe des Geländes ermittelt, beschreibt Ohde. Durch die relativ genaue Abbildung sind auch Bombenkrater leicht zu identifizieren.

Bisher keine Einschränkungen beim Bahnverkehr

Bei der Bahn gibt es derzeit keine Erkenntnisse darüber, dass der Bahnverkehr durch die mögliche Entschärfung beeinträchtigt wird. Nach Auskunft eines Sprechers ist derzeit nicht bekannt, dass es aufgrund der Bombe zu Zugausfällen kommt.

Sollte die Evakuierung wie angekündigt stattfinden, tickern wir für Sie am Nachmittag live von der Bombenräumung. Weitere Informationen finden Sie auf www.noz.de/bombe .


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