Träume aus Chrom und Blech Oldtimer-Treffen am Osnabrücker Piesberg


Osnabrück. Auto- und Motorradträume aus längst vergangenen Zeiten leben heute im Museum Industriekultur noch einmal auf: Das Haus hat mit einem Oldtimer-Treffen am Freitag die Ausstellung „PreWar“ im Magazingebäude gestartet, in der historische Fahrzeuge aus der Zeit von 1919 bis 1939 zu sehen sind.

Auf dem Freigelände am Süberweg 50 herrschte bereits seit dem Start am Vormittag ein reges Kommen und Gehen. Von Kleinwagen wie dem BMW-Rollermobil Isetta oder Fiat 1500 über Karmann-Ghias sowie rare Gefährte von NSU, Austin Healey bis zum Volvo 1800 oder „Badewannen“ von Ford sind bei dem Treffen vor allem viele Fahrzeuge aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren zu sehen. „Wir sind bestens zufrieden“, freut sich der Oldtimer-„Experte“ Harry Schley, der  Ausstellung und Treffen zusammen mit Museumsdirektor Rolf Spilker organisiert hat.

Das Oldtimer-Treffen wurde angesetzt, nachdem das traditionelle Schnauferl-Schaulaufen am 1. Mai in Velpe dieses Jahr abgesagt wurde . „Der Zuspruch heute ist wirklich super. Es sind aber nicht nur viele Besitzer mit ihren Fahrzeugen zu dem Treffen gekommen, sondern es sind auch wirklich seltene Fahrzeuge dabei, die sonst kaum zu sehen sind“, so Schley. Zu den ältesten Autos, die bei dem Treffen bewundert werden können, gehört ein Ford A aus dem Jahr 1929, aber es sind auch alte Limousinen von Mercedes Benz (Modelle 170 und 190), ein in den 1930er Jahren gebauter Opel P4 oder ein ebenfalls aus dieser Zeit stammender Adler Trumpf Junior zu sehen, die ebenfalls noch fahrtauglich sind.

„Die meisten Fahrzeuge sind jüngeren Datums und stammen aus der Nachkriegszeit“, sagt Schley, der ständig auf dem Platz unterwegs ist und Neuankömmlinge einweist. „Es kommen die ganze Zeit neue Fahrzeuge an und einige fahren wieder ab – ich schätze, dass die ganze Zeit etwa 50 bis 70 Autos da sind. Viel mehr können wir kaum unterbringen“, freut er sich. Schley findet vor allem die Mischung faszinierend: Porsche 914 neben Morgan 4/4, Jaguar E-Typ neben Fiat 1500, Ford Mustang neben Mercedes Benz 250 SE Cabriolet. „Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Viele Besitzer haben auch weite Anreisen in Kauf genommen, etwa aus Beckum oder Ahrweiler, aber die meisten Fahrzeuge stammen aus der Region“, so Schley.

Den liebevoll restaurierten  Ford A aus dem Jahr 1929, eines der ersten als Kastenwagen für Handwerker konstruierten Fahrzeuge, haben Jürgen und Ute Weiß aus Melle zu dem Treffen gesteuert. Der 52-Jährige und seine Frau sind Liebhaber von alten Autos – neben dem Ford A, mit dem sie zum Treffen gekommen sind, nennen sie noch einen weiteren der uralten Ford-Lieferwagen ihr Eigen, der in der Ausstellung zu bewundern ist. Der Wagen in der Halle wurde bereits 1928 gebaut und ist als ihr „jüngstes Projekt“ gerade erst fertig geworden.

Den Ford A aus dem Jahr 1929, in dem sie zum Treffen gefahren sind, hat Weiß bereits vor über 25 Jahren als seinen ersten Oldtimer instand gesetzt. Alte Fortbewegungsmittel faszinieren ihn, wie er berichtet, bereits seit seiner Kindheit. Erst habe er sich für alte Fahrräder, dann für Mofas und Mopeds interessiert, daneben auch für alte Möbel. „Irgendwann habe ich dann auf einem Oldtimer-Treffen vor einem Ford A gestanden und habe mir überlegt, dass ich so einen auch einmal haben werde. Mit 25 war es dann so weit“, berichtet er. Weiß schraubt selber an seinen Autos, bis auf die Lackierung und die Arbeiten am Motor restauriert er die Fahrzeuge selbst. Was ihn an den alten Autos fasziniert? „Ganz einfach, die funktionieren immer“, meint Weiß. „Gerade die alten Fords sind so konzipiert, dass jeder sie reparieren kann.“

Im Alltag fahren er und seine Frau einen VW-Bus – aber sie bewegen ihre Schnauferl regelmäßig. „Wir sind ständig in den alten Autos unterwegs, auch im Urlaub, etwa in Skandinavien“, berichtet er. Der alte Ford bringe es auf Tempo 110, aber sie tuckerten meist mit 60 bis 70 Stundenkilometern über die Landstraßen. „Das ist eine schöne Reisegeschwindigkeit“, meint Weiß, der sich schon die nächsten Projekte vorgenommen hat. „Ich habe noch einen Ford T und einen BMW Dixi von 1931 auf Halde, mir bleibt also noch genug zu tun“, meint er.

Die Ausstellung „PreWar“ knüpft an die große Sonderschau zur „Automobilisierung in der Nachkriegszeit“ an, die 2012 im  Museum Industriekultur zu sehen war. Zu sehen sind rund 25 historische Motorräder und Autos aus der Zeit von 1919 bis 1939, also aus der Anfangszeit der motorisierten Fahrzeuge. Die Ausstellung im Magazingebäude kann bis 19. Juli jeweils samstags und sonntags von 10-18 Uhr besichtigt werden.


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