Nicht mehr wirtschaftlich AWO schließt Altenheim am Schölerberg in Osnabrück

Das AWO-Altenwohnzentrum am Schölerberg wird Ende 2015 geschlossen. Foto: HinrichsDas AWO-Altenwohnzentrum am Schölerberg wird Ende 2015 geschlossen. Foto: Hinrichs

Osnabrück. Das AWO Altenwohnzentrum „Haus am Schölerberg“ wird zum Ende des Jahres geschlossen. Das sanierungsbedürftige Haus schreibt seit drei Jahren rote Zahlen und ist in Osnabrück nicht mehr wettbewerbsfähig.

„Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, es ist die erste Schließung für uns“, sagte der Geschäftsführer des AWO-Bezirksverbandes Weser-Ems, Thomas Elsner, am Dienstagnachmnittag, nachdem die Mitarbeiter informiert worden waren. „Wir haben uns lange mit dem Thema auseinandergesetzt und alle möglichen Varianten geprüft“, so Elsner. Im Mittelpunkt habe immer das Bemühen gestanden, das Haus zu erhalten. Am Ende stand aber fest: Im verschärften Wettbewerb und angesichts des hohen Investitionsbedarfs von mindestens neun Millionen Euro hat das Haus am Schölerberg keine Zukunftsperspektive.

Betroffen sind 65 Mitarbeiter und 54 Bewohner. Den Bewohnern will die AWO bei der Suche nach einem neuen Heimplatz und beim Umzug helfen.

„Als wertegebundenes Unternehmen der Sozialwirtschaft werden wir alles daran setzen, dass die Folgen für die Mitarbeiter und Bewohner so gering wie möglich gehalten werden“, sagte Eckhard Kroon, Prokurist der AWO-Tochtergesellschaft Wohnen und Pflegen, die 25 Einrichtungen in Weser-Ems betreibt. Den Mitarbeitern sollen Arbeitsplätze in der AWO-Gruppe Weser-Ems angeboten werden: „Wir wollen die Mitarbeiter halten“, versicherte Kroon. Die Beschäftigten hätten die Nachricht „gefasst“ aufgenommen, sagte Einrichtungsleiterin Rita Flüthmann. Seit dem Spätsommer 2014 ist der Belegschaft bekannt, dass um die Existenz des Hauses gerungen wurde.

Der Mangel an Fachkräften ist nach AWO-Angaben eine Ursache für den Niedergang des Hauses am Schölerberg. Von den 85 Plätzen sind nur 54 belegt, weil das Personal fehlt. Fachkräfte ziehen es im Zweifel vor, im benachbarten Nordrhein-Westfalen zu arbeiten, wo aufgrund der politischen Rahmenbedingungen deutlich höhere Löhne gezahlt werden. Andererseits sind Osnabrücker Einrichtungen bei den Westfalen beliebt, weil die Pflegeplätze hier entsprechend günstiger sind.

Hinzu kommt der Investitionsstau. In das 1959 eröffnete Altenwohnzentrum müssten rund neun Millionen Euro investiert werden. Auch ein Abriss und Neubau sei erwogen worden, so AWO-Geschäftsführer Elsner. Eine Refinanzierung wäre aber bei keiner Variante in Sicht gewesen, zumal mit dem neuen Pflegegesetz die ambulanten Versorgungsstrukturen gestärkt würden.

In Osnabrück übersteigt das Angebot derzeit den Bedarf an stationären Pflegeplätzen. Laut Pflegebericht 2015 ist die Zahl der Plätze von 1554 auf 1489 gesunken. Der Bedarf an vollstationären Pflegeplätzen werde bis 2020 weiter leicht zurückgehen, um ab 2025 wieder zu steigen.

Geschlossen wird nur das Altenwohnzentrum. Nicht betroffen ist das AWO-Wohnheim für Menschen mit seelischen Behinderungen im selben Baukomplex am Schölerberg.


Die AWO-Gruppe Weser-Ems beschäftigt im Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks rund 3700 Mitarbeiter in 65 Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, der Altenhilfe und der Hilfe für Menschen mit seelischer Behinderung. Der AWO-Bezirksverband hat 11000 Mitglieder in 14 Kreisverbänden und 129 Ortsverbänden. Er wird von einem ehrenamtlichen Vorstand mit Harald Groth, Lothar Knippert und Friedhelm Merkentrup geführt. Das strategische und operative Geschäft des Vereins und der Tochtergesellschaften leiten Thomas Elsner, Hanna Naber und Christoph Fehringer.

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