Spannende Spurensuche VG als roter Faden der Kulturnacht


Osnabrück. Auf den Spuren von Friedrich Vordemberge-Gildewart (kurz VG): Dem in Osnabrück geborenen Künstler war in diesem Jahr der Themenschwerpunkt der Kulturnacht gewidmet. Mit Siegfried Hoffmann, dem Gründer der Osnabrücker VG-Initiative, machten wir einen Rundgang zu den Orten, an denen man sich mit VG und seiner konkreten Kunst beschäftigen konnte.

„Das ist ja richtig handgreiflich“, sagt Siegfried Hoffmann. Gerade beobachtet er, wie einige Kinder die dritte Dimension der konkreten Kunst erfinden. Statt die von Studierenden der Hochschule angefertigten farbigen Module auf dem Boden zu verteilen und so den geometrischen Strukturen der Konstruktivisten nachzuspüren, beginnen sie sofort, die Rauten und Rechtecke zu stapeln. So entstehen Skulpturen, die bisweilen nahe an die Kamera heranwachsen, die das ganze Geschehen filmt, um es auf eine Leinwand zu projizieren. Für die minimalistischen Klänge, die Arne Bense in einem loungigen Zelt nebenan mit seinem Rechner generiert, haben wir leider nicht viel Zeit, denn es gibt noch viel zu erkunden: Vorbei an der Stadtbibliothek, an der übergroß konkrete Poesie prangt, gehen wir zu Juwelier Rohde und inspizieren in einer Vitrine „Konkrete Maschenkunst“, eine neoromantisch-witzige Annäherung der Osnabrücker Maschen-Gilde an VG, aus Lurex gestrickt.

Als Nächstes widmen wir uns der Theorie: Im vorderen Treppenhaus der Stadtbibliothek wird aus Briefen vorgelesen, die VG an Kollegen geschickt hat, derweil im Lortzinghaus ein Manuskript des Künstlers vorgetragen wird. Es handelt sich um einen Vortrag, den er 1954 in Wuppertal gehalten hat. Thema: die gestaltende Funktion von Farbe. Claus Weidner, Mitglied der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“, die im Lortzinghaus residiert, rezitiert den Text vor interessiertem Publikum.

„Bilder müssen seh-, hör- und spürbar sein“, forderte VG, also begeben wir uns in die Kunsthandlung Th. Hülsmeier, weil hier Original-Serigrafien des Konstruktivisten ausgestellt sind. Wir entdecken die „Komposition 41“, auf der VG drei verschiedenfarbige Dreiecke komponiert. „Viele Leute assoziieren hier einen Fisch“, sagt Hoffmann. „Aber VG wird in dem gerade veröffentlichten Buch von Manfred Blieffert zitiert: ,Wenn ich einen Fisch malen will, dann male ich einen Fisch mit Flossen und Kiemen. Aber das hier sind schlichtweg drei Dreiecke.‘“

Dass sowohl Erwachsene als auch Kinder die Tendenz haben, die Realität und den Alltag in abstrakte Kunstwerke zu transformieren, erfahren wir auch im Akzisehaus. Hier malt Museumspädagoge Ralf Langer mit großen und kleinen Besuchern im Sinne VGs.

Zwar entstehen zahlreiche Bilder, in denen Rechtecke, Rauten, Dreiecke und Linien auftauchen. Doch dann findet man hier mal ein kleines Gespenst, dort einen gierigen Pacman oder einfach nur einen Baum.

Von der seriellen Fotokunst im Atelier Lichtenberg ist Hoffmann ebenso fasziniert wie von der diesjährigen Radierung Reinhard Klinks, der „Osnabrück konstruktiv“ unter freiem Himmel vor Publikum druckt. Jetzt ist es dunkel, und wir können dem Atelier Myl einen Besuch abstatten. Skulpturen aus ausgedienten Blumensteigen, die Jürgen Myl im historischen Ambiente installiert hat, sind von innen beleuchtet und weisen konkrete Strukturen auf. „Ich bin begeistert, was sich alles aus der Beschäftigung mit Vordemberge-Gildewart entwickelt hat“, sagt Hoffmann und begibt sich wieder ins NDR-Studio, wo die Bilder von VG zu sehen sind, die in den großen, internationalen Museen hängen.


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