Projekt „Gesichter meiner Stadt“ Rebecca Mir trifft prämierte Osnabrücker Schüler

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Osnabrück. Mit einer Feier im Café „Coffee Perfect“ wurde am Samstag das Osnabrücker Schülerprojekt „Gesichter meiner Stadt“ gewürdigt. Zu sehen bekamen die Besucher zahlreiche Porträts von Osnabrückern mit Migrationshintergrund, Selfies – und das Model Rebecca Mir.

Das Gewöhnungsbedürftigste an einer aus Sicht aller Teilnehmer gelungenen Veranstaltung war wohl der Titel, unter dem die Bertelsmann-Stiftung das Schülerprojekt „Gesichter meiner Stadt“ auszeichnete: „Alle Kids sind VIPS.“ Dieser Meinung war auch der Hausherr und Geschäftsführer von „Coffee Perfect“, Christoph Geyer: „Ich finde, dass der Name Kids bei euch wirklich nicht mehr passt.“

Angesprochen waren die Jugendlichen mehrerer Osnabrücker Gymnasien, die sich am Projekt „Gesichter meiner Stadt“ beteiligt hatten und dafür an diesem Tag von der Bertelsmann-Stiftung prämiert wurden

50 Geschichten aus 35 Ländern

Bei dem Projekt, an dem Jugendliche des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums, der Ursulaschule, des Gymnasium „In der Wüste“, des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums und des Ratsgymnasiums teilnahmen, wurden Schüler zu Reportern: Nach einer kurzen Ausbildung in journalistischem Schreiben und einem Kurs zu interkultureller Kompetenz traf sich jeder Schüler mit jeweils einem Osnabrücker mit Migrationshintergrund zum Interview.

„Wir haben 35 Länder und 50 Geschichten“, sagte Tobias Romberg, Lehrer an der Ursulaschule und Initiator des Projekts, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Unser Ziel war es, die Vielfalt der Kulturen in Osnabrück zu zeigen, und nicht nur Statistiken.“

Motiviert wurde Romberg zu dem Projekt nicht zuletzt im Ausland. Er sei viel in der Weltgeschichte unterwegs gewesen, sagt der Lehrer, der auch als Journalist arbeitet. „In Pakistan habe ich dann wahnsinnig viele Leute getroffen, die Hitler großartig finden und starke Antisemiten sind.“ Das ganze Thema Integration werde fast immer nur auf Zahlen heruntergebrochen, die Geschichten der Menschen, die dahinter stünden, kämen dabei meistens zu kurz.

Alle Porträts auf  www.gesichter-meiner-stadt.de

Zwei Jugendliche, die sich dem widersetzen, sind die 15-jährige Samara Budde von der Ursulaschule und die 17-jährige Jelena Bohne vom Gymnasium „In der Wüste“. Samara Budde hat Margarethe Flick porträtiert, die – bei dem Namen kaum zu glauben – aus Haiti stammt. Die 37-Jährige führt einen Friseursalon an der Sutthauser Straße und hatte sich selbst bei dem Projekt gemeldet. „Sie ist eine so fröhliche und einnehmende Person, dass es eher ein lockeres Gespräch als ein Interview war“, sagte Samara Budde.

Wer das Porträt auf der Internet-Seite www.gesichter-meiner-stadt.de liest, wird auch erfahren, dass die Haitianerin, die mit 18 nach Osnabrück kam, in der Rückschau vor allem unzufrieden mit dem Arbeitsamt ist, wo man ihr sagte, sie würde ohnehin keinen Job finden.

Die Elftklässlerin Jelena Bohne interviewte die gebürtige Moldawierin Xenia Dulghir. Der Kontakt mit der jungen Frau kam über die Mutter der Schülerin zustande. „Meine Mutter ist Professorin an der Universität, und Xenia studiert bei ihr Erziehungswissenschaften.“

Im Porträt wird die Studentin mit dem Satz zitiert, sie habe in Osnabrück nie Diskriminierung erfahren, sei nur wegen ihrer Aussprache manchmal etwas schief angeschaut worden. „Mein rollendes R kann ich nun mal nicht verbergen.“

Bei „Coffe Perfect“ werden nun die Porträttexte – zusammen mit hervorragenden Fotos der Porträtierten – bis zum 22. Mai zu sehen sein. Für ihren Einsatz wurden die Schüler mit einer Begegnung Rebecca Mir belohnt. Sie wurde bekannt als Zweitplatzierte der 6. Staffel von „Germanys Next Top Model“ und arbeitet inzwischen auch als Moderatorin. „Ich habe selbst auch einen Migrationshintergrund, mein Vater kommt aus Afghanistan. Integration ist ein wichtiges Thema für mich“, sagte die 23-Jährige.

Selfie von Boris Pistorius

Gezeigt wurden neben den Porträts auch zahlreiche Fotos aus der Aktion „Selfies gegen Rassismus“ . Dabei sollten sich Osnabrücker vor auf Litfaßsäulen prangenden Plakaten, die vier der porträtierten Migranten zeigen, selbst ablichten.

Das erste Selfie beim Festakt präsentierte den niedersächsischen Innenminister und ehemaligen Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius, der eigentlich zur Veranstaltung kommen wollte, dann aber verhindert war. Den Politiker auf einem Selfie, also in einer typischen Jugendlichen-Pose zu sehen, sorgte bei vielen Besuchern für Heiterkeit.


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