Premiere: „Open Windows III“ Choreografien der Osnabrücker Dance Company


Osnabrück. Zum vollwertigen Tanzabend ist „Open Windows III“ im intimen Bühnenraum der Melanchthonkirche geworden. Die jungen Tänzer der Osnabrücker Dance Company zeigen mit ihren Kolleginnen und Kollegen etwas früher im Jahr als sonst kurz vor dem Spielzeitende sechs eigene, liebevoll ausgearbeitete Choreografien- zur hellen Freude des Publikums.

Nicht nur wie in den Vorjahren gefühlt „nebenbei“, sondern als vollwertige Produktion mit effektvoller Beleuchtung und Choreografie auch des Bühnenraums sind seit Freitag eigene Arbeiten der Osnabrücker Dance Company in der Melanchthonkirche zu erleben.

Mit Recht, denn mit stilistischer Konsequenz spielen sechs junge Choreografen aus Mauro de Candias Ensemble durch, was ihnen als Thema und Bewegungssprache am Herzen liegt. Stärker noch als Teil eines Ensembles werden die Tänzer bei „Open Windows III“ als kreative Individuen spürbar. Das überrascht hier oder löst da schmunzelndes Wiedererkennen aus.

Zu den Überraschungen gehört die Choreografie „A Familiy Thing Part IV“ von Keith Chin. Voll von trotziger,zickig-eckiger Trauer kämpft da ein schwarzes Schaf gegen den Rest der Familie an. Tanzt aus der Reihe, wird gescheucht und angeschrien und scheucht zurück. Dabei ist seine Wolle doch so genauso warm wie die der anderen, behauptet mitfühlend ein Programmheft-Zitat.

„Shallow waters“ heißt das Stück von Robert Phillips . Flach oder gar seicht ist hier allerdings nichts in seiner Tanzsprache. Im Gegenteil Aus einem Haufen Mensch am Boden lösen sich zu elegischer Countrymusik weit ausgreifende, kraftvolle Bewegungen der Tänzer, die sich bisweilen zu frappierenden Körperskulpturen verdichten – elektrisierend. Zärtlichkeitssehnsucht und Zurückweisung bei einem Paar setzt Noemi Emanuela Martones Choreografie „Do me a favour“ unter mal aufgestaute, mal blitzartig explodierende Spannung. Und das mit Humor und choreografischer Eleganz.

Eine köstlich melodramatische Variante des ewigen Liebesleids liefert Amadeus Marek Pawlica mit „Ohne Titel-03 (Duck Lake)“. Konsequent im „Schwanensee“-Bewegungsvokabular, mit Tutus und bisweilen exaltiert auf Spitze getanzt präsentiert sich dieser „Ententeich“, doch mit arg hängenden Flügeln und gerupften Herzen. Berührend präzise wird der künstlerische Rahmen mit Wolf Biermanns zärtlicher Ironie „Nur nicht aus Liebe weinen“ und Sarah Kanes blutigem Ernst für solche Liebestragödien abgesteckt.

Gänzlich unmelodramatisch kommt dagegen „A guy standing in a field – lights on him“ daher. Zu einem treibenden Rhythmus legen zwei Tänzer und eine abweisende Schöne viel zackigen, zuckenden und ziemlich virtuosen Roboter-Rock an den Tag. Vasna Felicia Aguilar liebt es mal wieder powrig und auf den Punkt.

Zug guter letzt nimmt Beatrice Panero mit „Die Fünf aus Bremen“ die werblichen Ikonen unserer Gegenwart auf die Schippe. Eine unnahbare Schöne stolziert durch grünen Nebel, während vier Tänzer als Bremer Stadtmusikanten gängige Tanz- und Renommierposen gründlich veralbern. Und das gut beobachtet, fantasievoll und hinreißendskurril getanzt. Freudiges Gejohle und Getrampel in der Melanchthonkirche zeigt: Dem Publikum hat dieser kleine, ausgefeilte Tanzabend gut gefallen.

Weitere Aufführungen: 3. und 5. Mai, 6. Juni und vier weitere Aufführungen bis Spielzeitende. Kartentel. 0541 7600076


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