Radtouren in der Region (4) Osnabrücker radeln entspannt in den Feierabend

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ix. Osnabrück. Radwandern macht in der Gruppe erst richtig Spaß. Deshalb bietet der ADFC Osnabrück jeden Freitag geführte Feierabendtouren an. Das Ende ist meist gesellig – so wie bei der „Kleinen Dütetour/Biergartentour zur Deutschen Scholle.“

Es ist der erste richtig warme Frühlingsfreitag, und sie kommen aus allen Richtungen zur Großen Gildewart: mit hochmodernen Wander-Rädern, mit Renn- und mit ganz normalen Rädern, mit wasserabweisenden Fahrradtaschen oder der Handtasche einfach auf den Gepäckträger geklemmt. Die Freitagabend-Feierabendtour des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Osnabrück lockt die Menschen ins Freie – dank 20 Grad und Sonnenschein.

Alle müssen warten

Eine Grünphase an der Ampel reicht nicht aus: Bis alle gut 50 Radwanderer die Kreuzung überquert haben, müssen die Autos einfach warten. Das gilt später auch für Reiter oder Spaziergänger, die die lange Schlange bestaunen und passieren lassen. Denn die Radwandergruppe, die Uwe Schmidt vom ADFC und seine Kollegen an diesem Freitagabend auf einer gut 26 Kilometer langen, entspannten Tour begleiten, muss zusammen bleiben. An leichten Steigungen wird sich die Radler-Schlange in den kommenden zweieinhalb Stunden ohnehin auseinanderziehen, nur um an engen Kurven oder Pollern, wo man abbremsen und herumrangieren muss, wieder aufzuschließen.

Der erste Stopp ist in Hellern, Am Eselspatt. Dort sammelt sich die bunte Truppe, dort werden auch die drei Euro pro Person für die Tour eingesammelt. Während sich ein paar Meter weiter die Rennradfahrer der RSG Hellern bereit zum gemeinsamen Abendsprint machen, radeln die Radwanderer gemütlich über den Eselspatt und den Tecklenburger Fußweg mit seinen engen Brücken nach Hasbergen-Gaste.

Entspannte Tour am Stadtrand

Gemütlich, genau darum geht es bei der heutigen Tour. Um die 15 km/h haben die ADFC-Führer angesetzt, jeder soll problemlos mitkommen. „Die Leute können sich miteinander unterhalten und die Natur genießen“, erklärt Uwe Schmidt. Er freut sich, von dem ein oder anderen Osnabrücker zu hören: „Hier war ich ja noch nie!“

Und was man alles voneinander erfährt, wenn man zweieinhalb Stunden Seite an Seite radelt! Da ist das Ehepaar, das nach vielen Jahren im Emsland zurück in die Heimatstadt Osnabrück gezogen ist, um näher bei Tochter und Enkeln zu sein. Oder der Rentner, der darauf wartet, dass auch seine Frau aufhört zu arbeiten, „dann machen wir uns auf eine 5500 Kilometer lange Tour einmal durch Deutschland.“ Oder die Dame, die nach langer Zeit erstmals wieder eine Tour mitfährt: „Ich hab’s in der Zeitung gelesen, die Sonne schien so schön, da hab ich mich auf den Weg gemacht.“

Viele kennen sich, viele sind neu, alle genießen die Natur, durch die sie fahren: Felder, ein kleiner See, durch den Wald. Treten, bremsen, schauen, reden.

Über den Hasberger Weg und den Lobbertkamp, zweimal über die Düte, es bleibt ländlich. Weil an einer Stelle der Weg gesperrt ist, müssen die Tourenleiter improvisieren: Rechts ab fährt die Radwander-Schlange mitten über einen Hof, über Sutthausen nach Holzhausen, an der Düte entlang zum Sutthausener Bahnhof und dann die Riesenallee hinunter zum Gut Sutthausen, das 1282 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Hier ist die vorletzte Trinkpause – die letzte wird im Biergarten sein.

Zeit, eine Kleinigkeit zu essen, sich umzuschauen oder weiter zu plaudern. Die „Profis“ tauschen Tipps über die besten Tourenräder aus, Uwe Schmidt hilft einem Radler bei einem technischen Problem.

Letzter Anstieg

Ein letzter Anstieg – und die erste Teilnehmerin verabschiedet sich. Aber nicht, weil sie nicht mehr kann; hier wird niemand zurückgelassen. „Ich bin gleich zu Hause“, ruft die Dame und biegt rechts ab. Der große Rest nimmt den Kalkhügel unter die Räder und fährt zur Kleingartenanlage Deutsche Scholle . Über 700 Gärten gibt es hier, es ist der größte Verein im Landesverband niedersächsischer Kleingärtner.

Links geht allmählich die Sonne unter. Rechts liegen die Kleingärten und am Ende der Tour die Gaststätte „Vereinshaus Deutsche Scholle“ an der Limberger Straße 71. Nach zweieinhalb Stunden kehren die Radwanderer ein, auf ein kühles Feierabend-Getränk nach einer warmen Feierabend-Tour. „Wir sind hier ganz in der Nähe vom Moskaubad“, stellt jemand fest. Eine Badehose hat aber, auch wenn’s ein schöner Frühlingstag war, niemand eingepackt.


Der ADFC Osnabrück bietet jeden Freitag Feierabendtouren an. Je nach Schwierigkeitsgrad – Länge oder Steigungen – tragen sie einen oder mehrere Sterne. Die beschriebene Einsteiger-Tour ist von fast jedem und auch mit normalen Rädern zu bewältigen. Die Kleine Dütetour/Biergartentour zur Deutschen Scholle ist 25,4 Kilometer lang. Man radelt auf einer Höhe von 63 bis 104 Metern. Der Gesamtanstieg beträgt 75 Meter, der Gesamtabstieg 179 Meter.

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