Bauern, Bäcker, Bahnbetreiber Osnabrücker Potthoffweg nach alter Nahner Familie benannt

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Wer den traditionsreichen Vollerbenhof Potthoff in Nahne aufsuchen will, sollte nicht „Potthoffweg“ in sein Navigationsgerät eingeben. Dann landet er nämlich auf der falschen Seite der Iburger Straße, die den Ortsteil Nahne in Nord-Süd-Richtung durchschneidet. Der Hof liegt östlich, der Potthoffweg westlich. „Dort drüben war früher unser Land, bevor wir es für den Siedlungsbau am Paradiesweg verkauft haben“, klärt Senior Walter Potthoff auf.

Die Iburger Straße, heute zugleich ein Teilstück der Bundesstraßen 51 und 68, hatte nicht immer ihren trennenden Charakter. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es sie noch gar nicht. Hauptausfallstraße nach Süden war seit dem Hochmittelalter die Frankfurter Heerstraße, die beim Kaffeehaus Schumla (heute Jet-Tankstelle) die heutige Trasse der Iburger Straße verließ und im Zuge der heute untergeordneten Straße Alte Bauernschaft am Nahner Turm die Landwehr durchstieß und sich dann im Zuge von Frankfurter Heerstraße und Zum Klee bis zum Kamm des Harderbergs fortsetzte. Der Hof Potthoff liegt direkt an dieser „B51 des Mittelalters“. Seine heutige Anschrift lautet Alte Bauernschaft 16.

Drei Generationen Potthoff leben auf dem Hof: die Senioren Walter und Agnes, deren Sohn Christian mit seiner Frau Sonja und deren drei Kinder. Solange Uroma Hedwig noch lebte, waren es sogar vier Generationen.

Einst der Hauptsitz der Sparkasse – Schönes Haus am Osnabrücker Neumarkt musste 1972 weichen

Bis etwa 1968 stand bei den Potthoffs die Milchviehhaltung im Vordergrund. Die gesamte Produktion wurde an Kinderhospital und Kinderheim Schölerberg als sogenannte „Vorzugsmilch“ verkauft. Das war eine lediglich filtrierte Rohmilch, die keine Molkerei gesehen hatte und nicht pasteurisiert war. „Eigentlich war die noch gesünder als Molkereimilch, weil sie mehr Vitamine enthielt. Und sie schmeckte auch besser“, meint Walter Potthoff.

Die Umstellung auf die Pferdewirtschaft fing mit der Zucht von Ponys an. Seit den 1980er-Jahren wurden andere landwirtschaftliche Aktivitäten zugunsten der Pensionspferdehaltung aufgegeben. 70 Pferdeboxen, zwei Reithallen, zwei Außenreitplätze, eine Führanlage – der Reiterhof Potthoff ist mit allem ausgestattet, was Pferdefreunde heute erwarten. 30 Hektar Grünland stehen für die Futtergewinnung und Wiesenhaltung zur Verfügung. Alle zwei Jahre veranstalten die Potthoffs zusammen mit dem Reit- und Fahrverein St. Georg Georgsmarienhütte ein großes Sommerturnier auf ihrer Anlage. Christian arbeitet im Vorstand des Reitervereins mit, genau wie schon Vater und Großvater.

Ältere Nahner denken beim Namen Potthoff auch an den Bäckermeister Josef Potthoff an der Voxtruper Straße. Und natürlich an die Waldgaststätte von Heinrich Potthoff an der Nordseite des Schölerbergs. „Das war mein Onkel“, erzählt Walter Potthoff beim Blättern im Fotoalbum, „der hatte keine Kinder, deshalb mussten mein Bruder Werner und ich immer die Sommerrodelbahn bedienen.“

Nazi-Mitläufer oder verdienter Kommunalpolitiker – Wer war Giesbert Bergerhoff?

Die zum Kaffeehaus gehörende Rodelbahn war mit 130 Metern länger als die im Zoo und bezwang die stolze Höhendifferenz von 25 Metern. Walter und Werner mussten die Schlitten aus der Seilbahn, die sie nach oben befördert hatte, ausheben, einmal drehen und auf die Schienen setzen. Wenn der Kunde bezahlt hatte, bekam er einen Schubs, und los ging die todesverachtende Talfahrt für 20 Pfennig. „An guten Wochenenden hatte ich manchmal so viele Groschen in der Tasche, dass das Gummiband im Hosenbund versagte, und mir die Hose auf halb neun hing“, erinnert sich Walter schmunzelnd.

Die Potthoff’sche Sommerrodelbahn wurde 1972 außer Dienst gestellt. Die Startrampe aus Ziegelsteinmauerwerk kann man noch heute im Wald unweit des Wasserhochbehälters entdecken. Sie war schon einmal Thema im Bürgerforum. Einige Bürger möchten sie gerne weghaben, anderen ist sie ein lieb gewonnener Erinnerungsposten an unbeschwerte Kindheitserlebnisse.

Auch einiges an Mobiliar aus dem Kaffeehaus Potthoff hat überlebt. Die schöne alte Theke, Tische und Stühle stehen jetzt im „Reiterstübchen“ des Hofes Potthoff.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN