Provokante Literatur Regina Neumann als „Die Vorleserin“ in Osnabrück

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Lboe Osnabrück. Marie Constance gibt eine Anzeige auf, in der sie sich als Vorleserin anbietet. Dadurch lernt sie verschiedenste Charaktere kennen und gerät ständig in außergewöhnliche und teilweise sexuell geladene Situationen. In die Rolle der Marie schlüpft die Osnabrücker Schauspielerin Regina Neumann.

Das Theaterstück „Die Vorleserin“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Raymond Jean. Regina Neumann spielt Marie Constance und schlüpft zwischendurch geschickt in die anderen Rollen des Stückes. Auch die Regie führte sie selbst.

Die Bücher, aus denen die Vorleserin vorliest, sind kritisch und provokant, mal offen, mal versteckt. Die gesellschaftlichen Normen und Moralgebote werden hinterfragt – in den Worten von Marx, Engels und Lenin, von de Sade, dem Namensgeber des Sadismus, von Baudelaire und vielen weiteren. Die Bücher spiegeln das Geschehen im Stück wieder: Dem kleinen Mädchen Claurente, das in einer spießigen Familie gefangen ist, liest Marie Constance aus „Alice im Wunderland“ vor. Wie Alice in ihre Traumwelt flüchtet, so fliehen Claurente und die Vorleserin zu einem nahegelegenen Jahrmarkt.

Großartig verkörpert Regina Neumann alle Rollen in ihrem Stück ohne die Zuschauer zu verwirren oder zu langweilen. Nur ab und an werden Szenenwechsel leider nicht sofort deutlich. Requisiten und Kostüme setzt Neumann sparsam aber gekonnt ein: Einen Seidenschal lässt sie zu einem Kleid werden, das ihr langsam „wie Ausversehen“ nach oben rutscht, als sie dem jungen querschnitsgelähmten und von der Außenwelt abgeschirmten Eric vorliest.

Das Stück wird noch einmal am Sonntag den 7. Juni in den Altstädter Bücherstuben aufgeführt.


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