Denkfabrik Einstein-Straße Innovationscentrum Osnabrück greift Start-ups unter die Arme

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Einen Prüfstand für Fahrradbremsen hat Martin Herber (rechts) konstruiert. Malte Schwenker (Mitte) entwickelte die Software dazu. Schwenker und Arne Albers (links) betrreiben im ICO zusammen mit Michelle Naber die Firma Motion Media. Foto: Klaus LindemannEinen Prüfstand für Fahrradbremsen hat Martin Herber (rechts) konstruiert. Malte Schwenker (Mitte) entwickelte die Software dazu. Schwenker und Arne Albers (links) betrreiben im ICO zusammen mit Michelle Naber die Firma Motion Media. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Dabei hat sich jemand was gedacht: Die Adresse des Innovationscentrums Osnabrück (ICO) lautet „Albert-Einstein-Straße 1“. Wer als Start-up-Unternehmer in den öffentlich finanzierten Brutkasten will, muss nachweisen, dass er echte Innovationen schafft.

Es wäre ja schön, wenn das kubistische Bürohaus in der ehemaligen Kaserne am Westerberg eines Tages einen neuen Einstein hervorbringen würde. Aber das ist nicht der Auftrag dieser öffentlich subventionierten Denkfabrik, in der Unternehmensgründer in einer behüteten, preisgünstigen, aber auch repräsentativen Umgebung ihr Geschäft aufbauen können. Auftrag ist es, innovative Unternehmen in der Region zu halten und ihnen Entwicklungsraum zu bieten. Zehn Millionen Euro haben die EU, Stadt und Landkreis Osnabrück, die Sparkasse und die Stadtwerke in das Projekt investiert, den Betrieb unterstützen Stadt und Landkreis jährlich mit zusammen 330 000 Euro.

Es ist gut angelegtes Geld

Wer weiß, wo etwa Martin Herber (33) gelandet wäre, gäbe es das ICO nicht? Seit August nutzt der Maschinenbau-Ingenieur aus Gießen ein 25-Quadratmeter-Büro und die Infrastruktur des ICO für seine Ein-Mann-Firma K-OS. Herber war sieben Jahre in der Fahrrad-Industrie tätig, als stellvertretender Geschäftsführer und vor allem als Ideengeber. Er stieß an Grenzen: „Der schlimmste Satz ist: Wir machen das so, weil wir es 20 Jahre so gemacht haben“, sagt er. Deshalb macht er jetzt sein eigenes Ding. Herber konstruiert zum Beispiel voll gefederte Fahrradrahmen, aber auch Gehhilfen für die Medizin. Eines seiner aktuellen Projekte: ein Bremsenprüfstand für Fahrräder, den er mithilfe zweier anderer Start-ups aus dem ICO auf den Markt bringen will. Marsch-Systems liefert die Elektronik, Motion-Media die Software.

Acht Jahre Starthelfer

Motion-Media – ein anderes Beispiel für Unternehmergeist und Eigenverantwortung. Drei geschäftsführende Gesellschafter, Arne Albers (23), Michelle Naber (28) und Malte Schwenker, drei Geschäftsfelder: Schwenker entwickelt Software und Webdesign, Naber Werbung für Print- und digitale Medien, und Albers nimmt Menschen mit auf atemberaubende virtuelle Touren. Das Team schickt dazu eine Drohne mit Filmkamera in die Luft und liefert 360-Grad-Rundblicke. Das Trio steht noch am Anfang. Der Business-Plan der am 1. Juli gegründeten Motion Media GmbH ist noch nicht ganz fertig. Der Grund: Das Tagesgeschäft nimmt die Gründer schon zu stark in Anspruch.

Start-ups wie Motion-Media zahlen in den ersten drei Jahren eine Kaltmiete von sechs Euro pro Quadratmeter. Danach steigt die Miete auf sieben und nach fünf Jahren auf neun Euro. Nach acht Jahren ist Schluss im ICO, das nur Geburtshelfer und Brutkasten sein soll. Dann müssen die Firmen auf eigenen Beinen stehen können.

Mit Business-Plan anklopfen

32 Firmen haben im ICO Platz, nur ein Büro ist noch frei. ICO-Leiter Thomas Büdden hält darüber hinaus Reserven für Studenten vor, die sich, begleitet vom Gründungsservice der Hochschulen, selbstständig machen wollen. Wer beim ICO anklopft, hat in der Regel schon einen Business-Plan in der Tasche und kaufmännische und steuerliche Beratungen hinter sich. Doch das ICO verlangt noch mehr: den Nachweis, innovativ zu sein.

Nicht immer hochtechnologisch

Andreas Schnakenberg (34) hat diesen Nachweis erbracht. Der Ingenieur und Gründer der Firma „Commeo“ hat Akkus entwickelt, die leicht, robust und mobil einsetzbar sind. Vor allem aber entladen sie sich im Ruhezustand nicht. Schnakenberg hat eine elektronische Steuerung erfunden, die den Akku einmal am Tag für eine Millisekunde in Aktion setzt. Dadurch werden die Elektronen bewegt, und der Energiespeicher behält seine volle Kraft.

Das Patentverfahren läuft, im März kommenden Jahres sollen die Akkus auf den Markt kommen. Seine Stromwürfel passen in einen Schuhkarton, sie sind im Vergleich zu herkömmlichen Batterien um 30 Kilo leichter und für Wohnmobile oder Jachten gedacht. Die Technik eignet sich auch für eine mobile Notstromversorgung in Hochwassergebieten oder Regionen ohne verlässliche Stromversorgung. „In Peru zum Beispiel“, sagt Schnakenberg, „fällt immer wieder der Strom aus, was für manche Gewerbetreibende katastrophal sein kann.“ Die „Commeo“-Akkus können in das Hausnetz integriert werden, laden sich auf, wenn Strom da ist, und liefern Energie, wenn der Saft mal wieder abgestellt ist. Schnakenberg arbeitet zurzeit zweigleisig: Im Hauptberuf ist er als Entwicklungsleiter eines Unternehmens tätig, was ihm eine wirtschaftliche Sicherheit gibt, solange seine eigene Firma noch kein Geld verdient. Es muss nicht alles hochtechnologisch sein, was im ICO an den Start geht.

Mischung im Haus ist gut

Jan Grundmann etwa versorgt Weltreisende mit passenden Steckern. Wer in ferne Länder aufbricht, kann sich bei „ Reisestecker24.de “ Adapter besorgen oder sogar bauen lassen, die gebraucht werden, um vor Ort den eigenen Elektrorasierer benutzen zu können. Das Institut für Wirtschaft und Organisationale Prozesse (IWOP) hat ein System für Mitarbeiterbefragungen entwickelt, das auch kleine und mittelständische Unternehmen einsetzen können.

„Die Mischung im Hause ist gut“, sagt ICO-Leiter Thomas Büdden. Die meisten Gründer seien Anfang bis Mitte 20, aber es gebe auch 50-Jährige mit reicher Berufserfahrung, die was Neues wagten. Das ICO biete die Möglichkeit, sich branchenübergreifend auszutauschen und Projekte gemeinsam umzusetzen.


Dieser Beitrag ist im Hochschulmagazin „Quo Vadis?“ der NOZ Medien erschienen. Mit interessanten Tipps und Informationen zum Berufseinstieg und vielen weiteren spannenden Themen gibt es eine Orientierung für die Zeit während und nach dem Studium.

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