Ein Museum im Wandel der Jahreszeiten Wechselnde Exponate zum Motto „Wir sind im Garten“

Für Museumsdirektorin Eva Berger hat Felix Nussbaum im Garten „eine Art Schutzraum der Kindheit“ gemalt. Foto: Gert WestdörpFür Museumsdirektorin Eva Berger hat Felix Nussbaum im Garten „eine Art Schutzraum der Kindheit“ gemalt. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Zu jeder Jahreszeit ein passendes Kunstwerk zum Thema Garten – damit geht das Kulturgeschichtliche Museum in das Kulturjahr 2015 unter dem Motto „Wir sind im Garten“. Im Foyer der Villa Schlikker werden ausgesuchte Gemälde oder Grafiken gezeigt und während einer „Mittagspause mit Stulle“ sowie im Rahmen eines Sonntagsspaziergangs vorgestellt. Den Anfang macht an diesem Dienstag 7. April, eine kunsthistorische Brotzeit zu einem verschollenen Bild von Felix Nussbaum.

Nussbaum muss es 1928 oder 1929 gemalt haben. Damals war der Osnabrücker Künstler 24 Jahre alt, und er verewigte eine idyllische Szene auf Leinwand: In heller Kinderkleidung steht er zusammen mit seinem älteren Bruder Justus in einem Garten inmitten eines Blumenbeetes. Sein Bruder im Matrosenanzug steht hinter ihm, legt die Hand auf seine Schulter.

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Die beiden schauen sehr ernst, dennoch erklärt Eva Berger, Direktorin des Museums: „Es hat etwas Paradiesisches. Für mich hat Nussbaum eine Art Schutzraum der Kindheit gemalt.“ Das Bild wurde 1929 in einem Zeitungsbericht erwähnt und 1930 in einem Kunstkatalog abgebildet. Das Original wurde entweder im Krieg zerstört, oder es verschwand. Jedenfalls weiß zurzeit niemand, wo es sich befindet. Daher kann in der Villa Schlikker auch nur eine Reproduktion des „Geschwisterpaares“ ausgestellt werden.

Die Idee, zu jeder Jahreszeit ein Bild zu präsentieren, das die „Garten“-Thematik im Kulturjahr auf spezielle Art fokussiert, hatte Eva Berger. So zeigt sie im Sommer ein Aquarell des in Pye geborenen Malers Bernhard Feldkamp, der sich der peniblen, fast naturwissenschaftlichen Darstellung von Blumen und Pflanzen widmete. Im Herbst wird sie anhand des Kupferstichs „Kolonie“ von Daniel Chodowiecki das Thema ländlicher Bauernhof und städtischer Schrebergarten behandeln, um im Winter mit der exotischen Pflanzenwelt in einem Werk Albrecht Dürers abzuschließen.

„Die Mittagpause im Museumsgarten wendet sich unmittelbar auch an Werktätige, die sonst keine Zeit für den Museumsbesuch haben“, sagt Berger. Die Veranstaltung dauert nicht länger als 40 Minuten, und die Butterstulle soll dafür sorgen, dass man nicht hungrig in den Job zurückkehren muss. Wer sich allerdings intensiver mit der jeweiligen Materie auseinandersetzen will, sollte am letzten Wochenende eines Monats am „Sonntagsspaziergang durch Osnabrück“ teilnehmen. Dann werden gemeinsam Plätze in Osnabrück besucht, die mit dem jeweiligen Saisonthema zu tun haben. Wenn es um Nussbaums Bild „Geschwisterpaar“ geht, wird Berger mit den Teilnehmern zum Domhof, in die Schillerstraße und die Möserstraße gehen, an all die Adressen, wo Felix Nussbaum mit seiner Familie gewohnt hat, um herauszubekommen, wo wohl der Garten gewesen sein könnte, der auf dem Bild zu sehen ist.

„4x1 Museumsobjekte erzählen Osnabrücker Gartengeschichten“

7. April und 5. Mai, 12.30 Uhr, Villa Schlikker (Heger-Tor-Wall 27), „Mittagspause mit Stulle“, Betrachtungen zum Bild „Geschwisterpaar“

26. April und 31. Mai, 15 Uhr, Treffpunkt Villa Schlikker: Sonntagsspaziergang mit Betrachtungen zum Bild „Geschwisterpaar“


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