Spielewelt jenseits von Risiko und Monopoly Spieletreffen „Sagacon“ im Haus der Jugend



Osnabrück. Sie spielen „Warhammer“ oder „Das Schwarze Auge“, sind vorwiegend männlich und hören mit Vorliebe Heavy Metal: Zur Sagacon trafen sich jetzt im Osnabrücker Haus der Jugend knapp 150 Anhänger von Gesellschaftsspielen, die in Komplexität und Atmosphäre deutlich mehr zu bieten haben als Monopoly und Co.

Für den Laien ist es ja schon sehr ungewöhnlich, lauter doch recht ernst dreinblickende erwachsene Männer dabei zu beobachten, wie sie vor riesigen Tischen stehen und Armeen aus Kunststoff-Soldaten befehligen. Wenn sie dann noch ein Maßband herausholen und auf dem Tisch anlegen, wird es endgültig ein wenig skurril.

„Alle haben bestimmte Bewegungspunkte, und wenn man zum Beispiel zwölf Zoll ausmessen soll, geht das natürlich nicht ohne Maßband“, erklärt Sebastian Bekermann. Er ist der Vorsitzende der Spvgg. Osnabrück 07, in der sich knapp 50 Männer und eine Frau den sogenannten Tabletop-Spielen widmen. Hinter diesem Begriff verbergen sich ausschließlich Strategiespiele, bei denen mit Figuren vor allem auf Tischen gespielt wird, wobei die Oberfläche eigentlich immer als Gelände gestaltet ist – also im Prinzip wie bei eifrigen Miniatur-Eisenbahnern.

Die jungen Männer im Haus der Jugend spielen ausschließlich verschiedene Varianten des Spiels „Warhammer“, in dem die Armeen in einer Fantasy- oder Science-Fiction-Welt miteinander kämpfen. „Warhammer ist nicht einfach nur ein Spiel, sondern ein Hobby“, sagt Sebastian Bekermann. Und wie bei jedem Hobby, dem man sich nicht alleine widmet, ist auch hier die Kommunikation von großer Bedeutung. „Die Hälfte der Zeit wird gespielt, die andere Hälfte wird gequatscht.“

Im gesamten Haus der Jugend, vor allem aber im Saal bei den Warhammer-Spielern, findet man fast ausschließlich Männer, von denen sich eigentlich niemand nach der aktuellen Mode kleidet. Die meisten tragen Schwarz, auf vielen Oberteilen sind die Tournee-Daten von Bands verzeichnet. Wie viele der rund 150 Gäste mögen wohl auf Heavy Metal stehen? „Praktisch alle“, sagt Frederik Vogt, „warum das so ist, weiß ich aber auch nicht.“

Vogt ist der erste Vorsitzende des Osnabrücker Rubicon, laut Selbstbeschreibung ein „Verein für Rollenspiel und kreative Freizeitgestaltung“. Dreimal im Jahr richtet der Rubicon ein großes Treffen für die Rollen- und Tabletopspieler der Region aus, die Sagacon ist das traditionelle Frühjahrsevent. „Meines Wissens nach gibt es in Deutschland keinen anderen Verein, der solche Treffen derart oft anbietet“, sagt Vogt.

Abseits der drei Großveranstaltungen, intern „Conventions“ genannt, trifft sich der Verein an jedem Mittwoch um 19 Uhr in der Lagerhalle zum Stammtisch. „Dazu ist jeder Interessierte herzlich eingeladen“, betont Vogt. An jedem zweiten Mittwoch im Monat veranstaltet der Rubicon parallel zum Stammtisch einen Gesellschaftsspiele-Abend, bei dem allerdings auch eher nicht Risiko oder Monopoly auf dem Programm stehen, sondern zum Beispiel das Brettspiel „Der eiserne Thron“, basierend auf der Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“, die wiederum unter dem Namen „Game of Thrones“ zu einer bekannten TV-Serie verfilmt wurde.

„Der eiserne Thron“ ist natürlich auch im Angebot von Matthias Hartmann, der auf der Sagacon den Stand des Osnabrücker Geschäfts Spieltraum betreut. Auch er hat, zumindest hier auf der Convention, nicht die klassischen Brettspiele im Angebot – aber was unterscheidet die eigentlich von den Spielen, die auf seinem Tisch stehen? „Die meisten Spiele, die hier liegen, sind von bestimmten Themen dominiert, wie zum Beispiel Fantasy. Und während es in den herkömmlichen Spielen vor allem um Siegpunkte geht, steht hier eher die Atmosphäre im Vordergrund.“

Dasselbe gilt auch für „Private Eye“, ein sogenanntes „Pen and Paper“-Rollenspiel. Heißt: Ein Brett und Figuren gibt es hier nicht, dafür stellt jeder Mitspieler einen Charakter in einer fiktiven Welt und einem fiktiven Abenteuer dar; das einzige Zubehör sind eben „Pen and Paper“, also Stift und Papier. In den Katakomben des Hauses der Jugend sitzt eine Gruppe bei Kerzenschein und lauscht der Spielleiterin, die durch das Abenteuer führt. Zu den Mitspielerinnen gehört auch Ramona Rottmann, die aus wissenschaftlichem Interesse hier ist. „Ich studiere Soziale Arbeit an der Hochschule und untersuche für meine Abschlussarbeit jugendliche Subkulturen.“ Dafür taucht sie jetzt in die Rollenspiel-Szene ein, in der sie bislang vor allem eines beeindruckt: „Ich finde es toll, wie herzlich die Leute sind.“


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