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Autofahrer überlebt Baumeinschlag So fegte Sturmtief „Niklas“ über Osnabrück hinweg

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alle Osnabrück. Sturmtief „Niklas“ hat die Einsatzkräfte in und um Osnabrück am Dienstag in Atem gehalten. Die Bilanz: Ein Autofahrer überlebte einen Baumeinschlag, bei der Bahn ging nichts mehr und in Osnabrück stürzte ein Haus ein.

Welch ein Glück: Ein 52-jähriger Autofahrer aus Mettingen ist am Dienstag in Westerkappeln nur haarscharf dem Tod entronnen. Während der Fahrt schlug eine vom Wind geknickte Eiche in sein Auto ein.

Der 52-jährige Autofahrer hatte blitzschnell reagiert, wie die Polizei berichtete. Er warf sich zur Seite, als der meterdicke Eichenstamm Dach und Frontscheibe des VW Golf durchschlug. Der Mann überlebte. Feuerwehrleute befreiten ihn aus den Trümmern.

Haus eingeknickt

Weihnachten wollte er in seinem runderneuerten Kotten feiern. „Das wird nichts mehr“, sagte der 53-jährige Eigentümer beim Blick auf den Trümmerberg, „das ist ein Totalschaden.“ Der Sturm hatte das über 200 Jahre alte Fachwerkhaus in Gretesch einfach zu Boden gedrückt.

Auf 150000 Euro schätzt der Eigentümer den Schaden. Zu retten sind allenfalls ein paar Dachziegel, alles andere wird in den nächsten Tagen im Schredder landen. Das Haus am Bruchweg war unter dem Druck des Windes in sich zusammengesunken. Als hätte ihm jemand die Beine weggezogen. Nur noch der Dachstuhl hielt sich aufrecht und blockierte eine Hälfte der Straße. Verletzte gab es nicht, zum Glück hielt sich niemand im Haus auf.

Der Kotten aus dem Jahr 1798 wurde umgebaut und sollte zu Weihnachten bezugsfertig sein. Der Sturm erwischte das Haus in einer empfindlichen Bauphase: Die Seitenwände waren offen, das Ständerwerk für die Grundrenovierung freigelegt. Der Eigentümer trägt den Rückschlag mit Fassung. Sobald die Trümmer beseitigt sind, soll der Wiederaufbau beginnen: „Der Urzustand wird wiederhergestellt.“

Zug gestoppt

Kurz nach dem Halt im Osnabrücker Hauptbahnhof war auch schon wieder Schluss: Ein IC auf dem Weg von Köln nach Bremen wurde von umstürzenden Bäumen getroffen. 350 Passagiere saßen fest.

Sturm Niklas hatte drei Bäume an der Strecke entwurzelt, just in dem Moment, als der letzte Waggon die Stelle passieren wollte. Die Bäume fielen auf den Wagen und rissen dabei auch die Oberleitung mit. Verletzt wurde nach Bahninformationen bei dem Manöver niemand. (Weiterlesen: Videos zum Sturmtief „Niklas“)

Bahnmitarbeiter kontrollierten speziell den getroffenen Waggon, an dem es durch die gerissene Oberleitung zu einem kurzen Brand gekommen sein soll. Sie konnten keine schwerwiegenden Beschädigungen feststellen. Da der mit 350 Fahrgästen besetzte Zug nicht entgleist war, konnte er in den Hauptbahnhof zurückgeschleppt werden. Die Züge zwischen Osnabrück und Bremen hatten mit 350 Fahrgästen bis zu 120 Minuten Verspätung.

Haus getroffen

Glück im Unglück hatten die Eigentümer eines Hauses an der Schützenstraße in Georgsmarienhütte. Die landschaftlich reizvolle Lage an den Hängen des Rehlberges wurde dem Einfamilienhaus dabei zum Verhängnis. Weil die Windböen hier besonders heftig waren, knickten zwei massive Buchen mit einer Stammdicke von rund einem Meter um – eine traf das Haus und zerstörte Teile des Dachstuhls. Glücklicherweise hielt sich zu diesem Zeitpunkt niemand in dem Gebäude auf. Am Dienstagabend war noch unklar, ob das Haus akut einsturzgefährdet ist. Auch zur Schadenshöhe konnten noch keine Angaben gemacht werden.

Weil weitere Bäume umzustürzen drohten, sperrte die Polizei Teile der Schützenstraße für den Verkehr. Nur einen Steinwurf entfernt war auch das Georgsmarienhütter Panoramabad von den Auswirkungen des Sturms betroffen: Ein entwurzelter Baum landete auf einem Anbau des Bades. Augenscheinlich hielt sich der Schaden hier aber in Grenzen. Am Abend blockierte ein umgestürzter Baum eine Fahrspur der B 51 auf Höhe des Industriegebietes Harderberg.

Balkon zertrümmert

Um kurz nach sieben Uhr vernahm Sabine Klöppel an der Kiwittstraße in Osnabrück ein Krachen und Scheppern: Eine mächtige Zeder hatte dem Sturm nachgegeben und die Balkone dreier Wohnungen mitgerissen. Eine Wohnung wurde dabei in Mitleidenschaft gezogen, aber niemand verletzt.

Pegel gestiegen

Der Regen ließ die Pegel in Düte und Hase ansteigen, der Wilkenbach hat in Hasbergen eine Seenlandschaft geschaffen. An mehreren Stellen kam es zu Überschwemmungen.

Aufräumarbeiten

Nach Angaben der Polizei Osnabrück waren die Einsatzkräfte in der Nacht vor allem mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Größere Schäden wurden für das Stadtgebiet nicht mehr gemeldet, da sich der Sturm zum Abend hin leicht abgeschwächt hatte. Insgesamt mussten die Einsatzkräfte bis Mitternacht 105 Mal ausrücken.


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