Interview mit OSB-Betriebsleiter Axel Raue Müll ist und bleibt eine Herausforderung

Von Dietmar Kröger


Osnabrück. Die Geschichte des Osnabrücker Servicebetriebs (OSB) ist noch relativ jung. Vor fünf Jahren fusionierten die bis dato eigenständigen städtischen Aufgabenbereiche Grünflächenamt, Umweltamt und Abfallwirtschaftszentrum OSB. Für dessen Leiter Axel Raue hat sich die Fusion bewährt. Das gelte auch für den nicht einfachen Bereich der Abfallwirtschaft, wie Raue im Interview mit unserer Redaktion unterstreicht.

Was hat die Fusion gebracht?

Eines der Kernanliegen des Rates und der Politik war, Doppelstrukturen aufzulösen und erzielte Einsparungen letztendlich dem Bürger zugutekommen zu lassen. Wir sind entweder direkt finanziert über die Gebühren oder indirekt finanziert über Steuern, zum Beispiel für die Grünflächenunterhaltung. Wir sind der kommunale Dienstleister für die Osnabrücker Bevölkerung. Das müssen wir so effizient und so gut machen, wie es nur möglich ist mit den vom Rat zur Verfügung gestellten Ressourcen. Wir haben es mit permanent steigenden Flächen zu tun. Wenn beispielsweise ein neues Baugebiet erschlossen wurde, haben wir letztendlich mehr Straßen, wir haben mehr Gehsteige, wir haben mehr Grünflächen. Der OSB versucht, die Arbeit zu bewerkstelligen, bei gleichbleibendem Personal und bei in den letzten Jahren sinkenden Budgets. Das ist die Quadratur des Kreises, der wir uns tagtäglich stellen. Wir wollen den Servicelevel hoch halten, damit Osnabrück attraktiv bleibt.

Thema Abfallwirtschaft. Der Markt mit Müll ist ein hart umkämpfter, auf dem tummeln Sie sich auch. Wie kann ein Betrieb wie der OSB mithalten mit den Großen der Branche?

Der OSB bewegt sich dort als kommunaler Dienstleister, sicherlich im Wettbewerb mit privaten Dienstleistern, mit sehr, sehr großen Unternehmen, und da wir uns nicht 100 Prozent abgrenzen wollen und auch nicht abgrenzen können, versuchen wir, Kooperationen zu schließen und auch gemeinschaftlich mit den privaten Entsorgern zu agieren, was uns in der letzten Zeit sehr gut gelingt. Wir wollen mit der privaten Wirtschaft arbeiten. Das begreifen wir als große Herausforderung.

Eine Herausforderung ist sicherlich auch die Wertstofftonne.

Die Wertstofftonne ist sicherlich ein Zankapfel, der schon einige Jahre gärt und wo es auch so Begrifflichkeiten gab wie „Rosinenpickerei“. Hier stehen sich kommunale und private Ebene durchaus auch gegenüber.

Wie läuft es denn im Testgebiet Eversburg?

Wir haben dort ein Versuchsprojekt mit rund 800 Behältern eingeführt. Das Wertstofftonnengesetz liegt momentan noch im Entwurf im Umweltministerium. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Kostensituation hier entwickelt. Es geht ja letztendlich um Wertstoffe, die vermarktet werden sollen. Es ist sicherlich von der Grundidee richtig und auch wichtig, dass wir als Dienstleister auch schauen, dass wir die Wertstoffe dem Kreislauf wieder zuführen. Aber wer trägt die Kosten dafür? Der Wertstofferlös aus der Wertstofftonne wird nicht kostendeckend sein. Und da ist die Frage, muss das die Kommune bezahlen, also letztendlich der Bürger, oder beteiligen sich die Privaten daran?

Haben Sie schon eine Idee, wie Sie die Kosten in den Griff bekommen können?

Wir haben 18 Grünsammelplätze und Recyclinghöfe in der Stadt verteilt. Für die meisten Bürgerinnen und Bürger sind sie sehr komfortabel fußläufig zu erreichen. Und wir überlegen, ein Wertstoffhofkonzept zu installieren. Das heißt, wir überlegen, die Anzahl der Sammelplätze zu reduzieren, dafür aber qualifizierte Recyclinghöfe oder Wertstoffhöfe zu bauen.

Heißt das, der Bürger muss demnächst seine Wertstoffe selber wegtragen, weil sie nicht mehr abgeholt werden?

Die Wertstoffhöfe sollen von den Bürgern komfortabel zu erreichen sein. Vielleicht braucht Osnabrück dann keine Wertstofftonne, und wir sparen dem Bürger gegebenenfalls zusätzliche Gebühren und eine zusätzliche Tonne. Denn gerade im Mehrfamilienhausbereich gibt es Probleme, ausreichend Platz für eine zusätzliche Tonne zu finden.

Ein anderes Thema sind die Friedhöfe in Osnabrück. Wir hören immer wieder von Beschwerden, die Friedhöfe seien nicht genug gepflegt. Wie können Sie dem entgegenwirken?

Das bedeutet allergrößte Anstrengung, weil wir einen Wechsel in der Bestattungskultur haben. Wir müssen immer mehr zu Grabangeboten kommen, die pflegefrei sind. Wo die Pflege entweder wir als Dienstleister erbringen oder ein privater Anbieter. Die zweite Tendenz ist ganz klar, die Leute lassen sich zusehends kremieren, weil es auch die preiswertere Art der Bestattung ist. Für eine Urne brauche ich nur eine Fläche von vielleicht 30 Zentimeter Durchmesser. Das heißt, immer weniger Flächen auf den Friedhöfen werden über Grabnutzung und letztendlich durch den Bürger gepflegt. Im Gegenzug bedeutet das, der OSB, der ja für die Grünflächenpflege auf den Friedhöfen zuständig ist, muss immer mehr Grünflächen unterhalten. Das letztendlich bei gleichbleibendem Personal und auch bei gleichbleibenden oder sinkenden Budgets. Und das ist eben das Problem, das können wir auch nicht wegdiskutieren, das möchte ich auch gar nicht, da möchte ich eher um Sensibilität und ein bisschen Verständnis bei den Bürgern werben. Wir versuchen, dem entgegenzuwirken durch eine höhere Mechanisierung, z.B. bei der Rasenmähtechnik. Wir haben ein Friedhofsentwicklungskonzept erstellt, dem zufolge wir perspektivisch nur noch einen Kernbereich wieder belegen mit neuen Grabarten. Die Außenbereiche wollen wir extensiv pflegen. Vielleicht irgendwann mal durch Schafe oder sonstiges. Es dauert aber einige Jahre, bis so ein Konzept greift.

Ein erfreulicheres Thema dürfte der vergangene Winter sein. Die Salzlagerhalle ist noch gut gefüllt. Da haben Sie mächtig Geld gespart.

Das Salz bleibt rieselfähig und wird nicht schlecht, es ist ja auch eine überdachte Halle, und das kommt dann nächstes Jahr zum Einsatz. Ja, der Winterdienst war für Osnabrück oder für den Osnabrücker Bürger oder den Kämmerer sehr vorteilhaft. Wir haben allerdings auch nur mit einem sehr milden Winter kalkuliert bei den Gebühren für die Straßenreinigung.

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