Radtouren in der Region (1) Über Grenzen hinweg – von Ostbevern nach Bad Iburg

Von



ix Osnabrück. Grenzenlos gut ist die Grenzgängerroute Teuto-Ems. Ihr Konzept der grenzüberschreitenden Radwanderroute – von NRW nach Niedersachsen, vom Kreis Warendorf ins Osnabrücker Land und in den Kreis Steinfurt – ist dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) eine besondere Auszeichnung wert. Bei der Internationalen Tourismusbörse im März wurde die Grenzgängerroute mit vier von fünf möglichen Sternen ausgezeichnet. Hat sie die Sterne verdient?

Von den 152 Kilometern, die die Route vorschlägt , nehmen wir 36 unter die Räder. Dabei überqueren wir insgesamt dreimal Landes- oder Kreisgrenzen. Am Anfang und am Ende der Tour steht eine Burg – die eine in NRW, die andere im Osnabrücker Land. Dazwischen, nämlich in Glandorf, steht Heinz Kripke. Der Rentner radelt viel, er kennt die Gegend wie seine Westentasche. An diesem Vormittag hat er viel Zeit und niemanden, der mit ihm radelt. Das wird sich in den nächsten eineinhalb Stunden ändern.

Gymnasium im Wald

Still liegt die Loburg im Wald von Ostbevern im nordwestlichen Teil NRWs im Kreis Warendorf. Doch still bleibt’s zumindest in der Woche nicht lange: Wenn die Pausenklingel ertönt, kommt richtig Leben in die Bude. Das Wasserschloss, das der berühmte Barockmeister Johann Conrad Schlaun erbaute, ist seit 1951 ein Gymnasium mit Internat: das Johanneum.

Direkt an der Loburg vorbei führt der Radwanderweg, der an dieser Stelle einfach ein rotes Rad mit Pfeil ist: ein Zwischenwegweiser. In der Bauerschaft Loburg liegen große Höfe am Wegesrand, auf der anderen Seite die Felder. Unter der Woche ist der Radwanderer hier auch mal allein auf weiter Flur. An den Wochenenden ist das ganz anders.

Unterwegs auf gut befahrbaren Wirtschaftswegen

Doch so staunen die Rinder der „GehöftOase“, eines Kinderbauernhofes in der Bauerschaft, dass überhaupt mal jemand vorbeikommt. Die Wirtschaftswege sind gut befahrbar, ein Radler und ein Auto passen problemlos nebeneinander. An der nächsten Kreuzung taucht es auf: das spezielle Schild der Grenzgängerroute mit dem stilisierten Fluss in sanft hügeliger, grüner Landschaft – der Ems und dem Teuto.

Wie fast überall auf der Route, ist die Beschilderung so gut, dass man die Radwanderkarte getrost in der Tasche stecken lassen und einfach den Schildern folgen kann. In NRW sind sie rot, in Niedersachsen grün. Da weiß man auf den immer gleichen Wirtschaftswegen durch Wald und Feld, vorbei an großen und kleinen Höfen, zumindest, in welchem Bundesland man gerade radelt.

Pause an der Grenzgängerrouten-Tafel

Zwölf Kilometer noch nach Glandorf, die weiten Felder werden von kleinen Waldstücken abgelöst. Wer eine Pause einlegen will, kann das an der Kreuzung der Bauerschaften Loburg und Brock tun: Dort steht die Grenzgängerrouten-Tafel mit dem großen Überblick an einer Holzhütte. Diese Tafel mitsamt Ruheplätzen findet man an jedem Ort, den die Grenzgängerroute passiert.

Während die Radwanderer die Stille, Idylle und Natur genießen, können sie anderen bei der Arbeit zusehen. Auf den Wirtschaftswegen der Bauerschaft Brock zeigen deutliche Spuren, dass hier Traktoren von schlammigen Feldern aufgefahren sind. Acht Kilometer vor Glandorf fährt man durch die Anlagen einer Baumschule. Immer am Bach entlang geht’s. Den Verkehrslärm der B51, die von Ostbevern nach Bad Iburg führt, hat man längst hinter sich gelassen. Manchmal hallt ein unheimliches Grollen über die Felder. Keine Sorge: Hier gibt’s keinen Monster-Hund, nur Kühe, Schweine, Pferde, Hühner, Gänse …

Wo geht es lang?

Jäh reißt ein Auto den Radwanderer aus seinen Träumen: Man ist auf der Hauptstraße von Schwege. Links lockt ein Gasthof mit Biergarten, dann steht man vor einem Schild und der Frage: links abbiegen nach Lienen, 13 km, weiter auf der Grenzgängerroute? Oder geradeaus durchfahren nach Glandorf, wo man sowieso hin will, 5,2 km? Ohne Schnörkel, ohne Umwege? Nein: Die Grenzgängerroute soll es sein. Aber wer den kleinen Schlenker über Averfehrden nach Glandorf auslassen und durchfahren will, der kann die eingesparten Kilometer gleich wieder heraustrampeln: Drei Kilometer hinter Glandorf, auf dem Weg nach Füchtorf, liegt das Doppelschloss Harkotten: zwei selbstständige Schlösser auf einem ehemaligen Burggebiet.

Auf der Grenzgängerroute biegt man aber in Schwege ab und passiert die ersten Spargelfelder. Das Gebiet um Glandorf, aber auch um Sassenberg und Füchtorf im angrenzenden Kreis Warendorf ist bekannt für seine Spargelernte. Mitte April rechnen die Spargelanbauer mit den ersten Stangen. Dann kann man auch in Glandorf in den vielen Hofläden frischen Spargel kaufen. Noch aber sind die Felder abgedeckt, der Spargel hat die Ruhe weg. So wie der Radwanderer, der gemütlich durch die Felder radelt.

Mitten hinein nach Glandorf

Über den Kölner Weg führt die Grenzgängerroute mitten hinein ins kleine Glandorf. Das mutet, nach der Einsamkeit auf den Wirtschaftswegen, fast schon großstädtisch an: Der Weg führt direkt ins Zentrum des 6800 Einwohner starken Ortes. Dass Autos von links und rechts kommen, damit ist der Radwanderer fast schon überfordert. In der schönen Ecke Am Thie kann man essen oder ein bisschen bummeln – oder weiterfahren. Aber wo?

Der Radweg ist nun auf der linken Seite und führt zum Ortsausgang. Dort steht Heinz Kripke, und das ist auch gut so. Denn der Wegweiser der Grenzgängerroute weist nach links, eine unansehnliche Straße hinunter. Direkt über dem Wegweiser hingegen ein Schild: Anfang Rad- und Fußweg. Der sieht neu und propper aus, geht aber geradeaus. Wo also lang? Der 78-jährige Glandorfer weiß das: „Geradeaus geht’s nach Bad Iburg. Aber immer an der B51 lang. Wollen Sie das?“ Will man nicht. Kripke hat gerade nichts zu tun und schließt sich an. Das ist nett, denn der Witwer weiß viel zu erzählen: über den Schweinehof zur Rechten „600 Schweine hat der hier“. Oder den Betrieb an den Wochenenden auf diesem Stück der Strecke: „Dann ist es hier richtig voll.“ Es ist aber auch anstrengend mit Kripke, denn der Rentner fährt ein E-Bike. Damit macht er locker 19 km/h. Aus dem gemütlichen Radeln mit um die 14 km/h wird so ganz unversehens eine sportliche Angelegenheit.

An der Lienener Landstraße trennen sich die Wege wieder: Kripke fährt links ab nach Hause, die Grenzgängerroute führt rechts Richtung Lienen. „Passen Sie auf, ab hier gibt es auch Autos“, warnt Kripke und schnurrt davon.

Ankunft in Lienen

An Bauernhöfen, dann Schulen und dem Friedhof vorbei radelt der Wanderer geradeaus über die Hauptstraße von Lienen hinüber und dann oben rechts ab. Wenn er eine Pause braucht, kann er auch links in den Park gehen. Der Barfußpark ist derzeit allerdings nicht auf allen Stationen begehbar.

Die Grenzgängerroute führt mitten durch Lienen, rund um die Kirche, auf Kopfsteinpflaster, was schön aussieht, das Gepäck und das Fahrrad aber ordentlich durchschüttelt. Auf der großen Kreuzung geht es links ab: noch 8,1 Kilometer nach Bad Iburg.

Durch die Landschaft

Allerdings nicht weiter an der belebten Iburger Straße entlang, sondern zurück auf ruhigere Straßen, durch Wohngebiete und dann wieder hinaus in die Felder. Hinter der Baumschule stehen auf 100 Metern gleich drei Schilder der Grenzgängerroute. Warum? Egal. Die Wanderwege nach Bad Iburg gehen links ab, der Radwanderwegs hingegen rechts.

Schon zwischen Glandorf und Lienen war es zum ersten Mal ein wenig hügelig geworden. Hinter Lienen muss der Radwanderer dann das ein oder andere Mal einen anderen Gang einlegen. Es ist nicht wirklich steil, aber man merkt, dass man sich dem Südhang des Teutoburger Waldes nähert.

Entlang der Bundesstraße 51

Dann ist Schluss mit Idylle und lockerem Radeln. Die Grenzgängerroute führt links auf den Radweg direkt an der B51. Die letzten Kilometer nach Bad Iburg gehen leicht, aber stetig bergauf und werden von Lkw begleitet. Die Ohren haben sich an die Stille, die Augen an die Weite, die Beine ans Flache gewöhnt. Doch es lohnt sich, die Zähne zusammenzubeißen. Kurz nach dem Ortseingang geht es rechts ab, dann führt der Weg Richtung Innenstadt. Über allem thront das Schloss Iburg aus dem 11. Jahrhundert. Darunter liegt der Schlosspark mit dem Charlottensee, dem großen Spielplatz, Eisdiele und Geschäften.

Die Grenzgängerroute führt eigentlich rechts unten am Schloss vorbei Richtung Glane. Man kann aber auch einfach an diesem Schloss Schluss machen, im Park ein Eis essen und die Ohren langsam wieder an den ganz normalen Lärm der Zivilisation gewöhnen.


Die Grenzgängerroute Teuto-Ems führt Radfahrer über historische, konfessionelle und kulinarische Grenzen. Sie lässt Münsterland, Osnabrücker Land und Westfalen-Lippe aufeinandertreffen und verbindet zwölf Städte und Gemeinden miteinander. Von Osnabrück fährt die Westfalenbahn zum Bahnhof Ostbevern-Brock, von dort sind es vier Kilometer zur Loburg. Von Bad Iburg fahren diverse Busse z.B. ab Charlottensee direkt nach Osnabrück. Die Tour ist konzipiert als Rundkurs in drei Tages-Abschnitten: Bad Rothenfelde – Dissen – Borgholzhausen – Versmold – Sassenberg – Warendorf – Ostbevern – Glandorf – Lienen – Bad Iburg – Hilter – Bad Laer – Bad Rothenfelde. Insgesamt werden auf den 152 Kilometern 14-mal Landesgrenzen überschritten.

Die Route verläuft überwiegend auf flachen, verkehrsarmen Wegen vorbei an Feldern, Wiesen und Wäldern. Die Radtour kann mit einer elektronischen Schnitzeljagd verbunden werden: Auf der Route liegen 40 Verstecke („Geocaches“).

Bahnhöfe gibt es in Osnabrück, Bielefeld, Warendorf und Münster. Informationen rund um die Route im Projektbüro Grenzgängerroute Teuto-Ems, Gemeinde Bad Laer, Tel. 05424/291182, dem Tourismusverband Osnabrücker Land, Tel. 0541/9511195, oder auf www.grenzgaengerroute.de und www.niedersachsen-radroutenplaner.de .

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN