Autos abholen und Geld verdienen Zehn Euro für den Osnabrücker Shuttle-Buddy

Er fährt gerne Auto,  aber es muss kein eigenes sein: Julian Wefelnberg ist Shuttle-Buddy bei Stadtteilauto. Foto: Jörn MartensEr fährt gerne Auto, aber es muss kein eigenes sein: Julian Wefelnberg ist Shuttle-Buddy bei Stadtteilauto. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Wer ab und zu mal Auto fährt, muss ja nicht zwangsläufig eines besitzen. 1500 Osnabrücker machen mit beim Carsharing von Stadtteilauto. Julian Wefelnberg gehört zu den 50 Leuten, die sich damit sogar ein paar Euro verdienen.

30 rot-weiß-blaue Flitzer aus der „flow-k“-Flotte sind mehr oder weniger zufällig im Stadtgebiet verteilt. Wer eine Mitgliedskarte hat, kann jederzeit einsteigen und das Auto nach dem Ende der Fahrt an einer beliebigen Straße wieder abstellen. Außerhalb der Kernzone kostet das fünf oder sogar zehn Euro extra. Diese Zusatzgebühr können sich andere verdienen.

Einer von denen, die es darauf abgesehen haben, ist Julian Wefelnberg. Als eingetragener Shuttle-Buddy bekommt der 26-jährige Student für Wirtschaftsrecht eine Mail von der Zentrale auf sein Smartphone, sobald ein Auto in einer der äußeren Zonen gelandet ist. Wenn Julian bestätigt, hat er 30 Minuten Zeit, um sich den Fisch zu angeln und in die Innenstadt zurückzubringen.

Zwei- bis dreimal pro Woche lässt sich der junge Mann auf so einen Deal ein. Zwei Dinge kommen ihm dabei zugute: Als Student besitzt er ein Semesterticket und kann damit ohne Zusatzkosten Bus fahren. Und dass er zentral am Neumarkt wohnt, verschafft ihm einen Startvorteil, der ihn zur Spinne im Netz des öffentlichen Nahverkehrs macht.

Trotzdem wird es manchmal eng, innerhalb von 30 Minuten den äußersten Zipfel des Stadtgebiets zu erreichen. Nach Gretesch, so erzählt der Shuttle-Buddy, brauchte er einmal 37 Minuten – und da hatte sich schon ein anderer das Auto geschnappt. Da musste Julian in den sauren Apfel beißen, auf den nächsten Bus warten und 2,10 Euro Reservierungsgebühr in den Wind schreiben. Als angehender Wirtschaftsrechtler weiß er mit dem unternehmerischen Risiko umzugehen.

Auch wenn alles wie am Schnürchen läuft, kann der Rückholer nie die volle Prämie einstreichen. Knapp zwei Euro gehen für die Kilometer und die Minuten drauf, die er braucht, um den Wagen ins Stadtzentrum zu fahren. Julian Wefelnberg nutzt solche Fahrten, um etwa seine Einkäufe zu erledigen. Selbst wenn er sich dabei Zeit lässt, bleiben meist immer noch zwei Euro übrig, rechnet er vor.

Der Job als Shuttle-Buddy macht dem gebürtigen Bocholter aber auch schon deshalb Spaß, weil er ganz unvermittelt Ecken von Osnabrück kennenlernt, in die es ihn sonst nie verschlagen würde. Zum Beispiel an den Schölerberg oder nach Schinkel-Ost. Und wenn er dann vor dem fahrbaren Untersatz steht, wundert er sich zuweilen, „wie die Leute das Auto in die Parklücke bekommen haben“. Aber bislang hat er es immer noch geschafft, den VW „Up!“ ohne Kratzer wieder herauszumanövrieren.

Der 26-Jährige fährt gerne Auto, aber es muss kein eigenes sein. „Den Anspruch habe ich gar nicht“, sagt er. Und das hat gar nichts mit seinem Dasein als Student zu tun. Auch wenn er demnächst im Berufsleben steht und Geld verdient – er kann sich gut vorstellen, ein Leben ohne eigenes Auto zu führen.


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