Zwei Bomben in der Gartlage Nach stundenlangem Warten um 22.21 Uhr der große Knall


Osnabrück. Ausgerechnet am 70. Jahrestag des verheerenden Palmsonntag-Bombardements mussten am Mittwochabend in der Gartlage zwei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht werden. Eine schon beim Abwurf zerschellte Fünfzentnerbombe wurde um 22.21 Uhr an Ort und Stelle gesprengt, eine zweite entschärft. 3500 Menschen aus den Stadtteilen Gartlage, Widukindland und Dodesheide waren von der Evakuierung betroffen. Sie mussten stundenlang warten.

Diesmal waren es zwei amerikanische Fünf-Zentner-Bomben, mit denen sich der Kampfmittelbeseitigungsdienst auseinanderzusetzen hatte. Vor allem der zerschellte Blindgänger forderte die volle Konzentration von Sprengmeister Clemens Stolte. Mehr als 40 Minuten verbrachte er ganz allein mit den beiden Explosivgeschossen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Am Nachmittag stand die Chance für eine Entschärfung des zweiten Blindgängers noch bei 50 Prozent. Dabei war sie mit einem vergleichsweise ungefährlichen Aufschlagszünder präpariert. Das ist eigentlich eine vergleichsweise gute Nachricht, da er sich recht simpel entschärfen lässt – solange dieser unbeschädigt ist. Ein Säurezünder kann auch heute noch gefährlich sein und die Bombe zum Detonieren bringen. Blindgänger mit Säurezündern werden gesprengt. Doch der Blindgänger in der Gartlage hatte den Aufschlag nicht unbeschadet überstanden.

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„Ich habe das ja damals mitgemacht, die Bomben und das alles“, sagte eine Anwohnerin. Zum 1. September 1939 war sie nach Osnabrück gezogen. Sie habe sich ganz erschrocken, als die Feuerwehr an ihr Fenster klopfte. Manch einer hingegen reagierte verärgert auf die Evakuierung. „Die fünf Meter machen es also aus?“, beschwerte sich ein Anwohner lautstark. Sein Haus liegt direkt am Rand der Gefahrenzone. „Die Grenze muss nun mal irgendwo gezogen werden“, sagte ein Polizist.

Um 17 Uhr sollten eigentlich alle betroffenen Wohngebiete evakuiert sein. Aber erst gegen 20 Uhr verließen die letzten Bewohner ihre Häuser. Damit wurde die Geduld aller Beteiligten arg strapaziert. In der Anne-Frank-Schule, dem Evakuierungszentrum für die Bombenräumung, hielten sich lange Zeit mehr Helfer als Ausquartierte auf. Das änderte sich erst nach 19 Uhr, als ganze Pulks von Bewohnern aus dem Umfeld der Bremer Straße eintrafen.

Für die Menschen im Evakuierungszentrum in der Anne-Frank-Schule hatte die Evakuierung sogar etwas Gutes: Das DRK gab Erbsensuppe mit Wursteinlage aus. „Und die gibt es kostenlos?“, fragten einige erstaunt.

Die Bombe war bei der laufenden Suche nach Bombenblindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Die Stadt hatte Hinweise auf eine starke Bombardierung in dem Gebiet, sagte Jürgen Wiethäuper vom Fachbereich Bürger und Ordnung der Stadt Osnabrück. Eine Auswertung von Luftbildern habe den Verdacht erhärtet. Letzte Sicherheit habe eine Flächensondierung ergeben.

Im Einsatz waren rund 160 Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des THW, der Feuerwehr, Polizei und der Sanitätsdienste.

Der Jahrmarkt war von der Evakuierung zwar nicht betroffen, aber das hatte sich wohl nicht überall herumgesprochen. Bernhard Kracke jun. vom Schaustellerverband schätzte, dass rund 20 Prozent weniger Besucher kamen als an einem vergleichbaren Tag.

Erst vor weniger als zwei Wochen hatten die Mitarbeiter vom Kampfmittelbeseitigungsdienst am Haster Berg drei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sprengen müssen.

Und wo kommen die ganzen Bomben her? Die Antwort gibt es hier!


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