Serie über Osnabrücker Chöre Osnabrücker Chor „Der grüne Bereich“ singt in der Küche

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Chorprobe in der Küche: „Der grüne Bereich“ probt privat. Foto: Egmont SeilerChorprobe in der Küche: „Der grüne Bereich“ probt privat. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Sie singen gerne draußen unter freiem Himmel: die zurzeit 18 Mitglieder des Chores „Der grüne Bereich“. Aus einer spontanen Aktion auf dem Osnabrücker Weihnachtmarkt im Jahr 1996 wurde eine lockere Institution mit sozialem Engagement.

Es ist kaum zu überhören: Aus einem Haus in der Blücherstraße im Schinkel schallt lautstark „Karl der Käfer wurde nicht gefragt, man hat ihn einfach fortgejagt…“ In der Küche der Parterrewohnung sitzen Frauen und Männer rund um den mit Getränken und Knabbereien gedeckten Tisch und singen das Lied gegen das Waldsterben aus dem Jahr 1983. Handelt es sich um Umweltaktivisten, die das Singen zu einer Art Protest machen? „Mag sein, dass wir alle auf unsere Umwelt achten, aber das ist nicht der Grund, warum wir den Chor gegründet haben“, sagt Carina, in deren Küche gerade geprobt wird. Der Name des Chores stammt eher von dem Spruch „alles im grünen Bereich“ im Sinn von „alles locker, alles okay“. Und es gibt einen weiteren Bezug: Zur Gründung befanden sich neben Musikstudenten auch viele Biologiestudenten sowie Garten- und Landschaftsbauer in der Gesangsgruppe.

Vor fast 20 Jahren waren die Studierenden auf die Idee gekommen, sich auf den Weihnachtsmarkt zu stellen, Lieder zu singen und damit Geld für die „Armenienhilfe“ zu sammeln, die in Neuenhaus bei Nordhorn gegründet worden war. Dort lebt Chorleiter Heinrich Herbers, der sich freut, dass aus dieser Aktion eine feste Einrichtung wurde: Noch heute singt „Der grüne Bereich“ in der Adventszeit auf Weihnachtsmärkten und sammelt für die „Armenienhilfe“.

Das Repertoire ist umfangreicher geworden und der Anspruch an die Qualität der Darbietung gestiegen: „Wir singen zwar immer noch liebend gern Songs von Queen, Fanny van Dannen oder Udo Lindenberg, haben aber auch viele Renaissance-Kompositionen, Madrigale von John Farmer oder John Dowland einstudiert“, sagt Musiklehrer Herbers, der fast alle Arrangements selbst schreibt.

Mit einem Trick hält er Chormitglieder bei der Stange, die sich einmal als Tocotronic-Fans geoutet haben. Seit 15 Jahren arbeitet der Chor an dem Song „Das Unglück muss zurückgeschlagen werden“ von der Hamburger Rockband. Die finale Version ist offenbar noch nicht fertig. Dafür hat der Chor aber eine eigene „Grüne Hymne“, die auf einer Melodie der amerikanischen Alternative-Band They Might Be Giants basiert: „Wir trinken gern ein grünes Bier, dazu gibts ein grünes Gummitier, am besten draußen, da wo es grün ist…“Tatsächlich proben die Gesangsfans, wenn das Wetter es zulässt, draußen in Gärten, denn man trifft sich reihum zu Hause bei den Mitgliedern. Was sagen die Nachbarn zu den abendlichen Open-Air-Darbietungen? „Es hat noch nie eine Beschwerde gegeben, stattdessen sind viele Anwohner richtig begeistert“, sagen sie.Gerade studieren sie für das Lyra-Singen zum 1. Mai, an dem sie seit acht Jahren teilnehmen, den Queen-Song „It´s A Hard Life“ ein. Ansonsten tritt „Der grüne Bereich“ gern bei den „MundART“-Konzerten am Piesberg auf, hat aber auch schon auf der Maiwoche, während der Landesgartenschau in Bad Essen und in der Osnabrückhalle gastiert. Das 15-jährige Jubiläum des Chores wurde rund um das Vereinshaus des Schrebergartenvereins „Deutsche Scholle“ gefeiert. Dass es sich bei diesem Chor um einen lustigen Haufen handelt, spürt man auch, wenn man nach neuen Mitgliedern fragt: „Wir könnten einen KFZ-Mechaniker gebrauchen, denn es ist immer mal ein Auto zu reparieren“. Tatsächlich hilft man sich gegenseitig bei allen Gelegenheiten, vor allem bei Umzügen. Doch dann wird Chorleiter Herbers wieder ernst und meint: „Alt-Stimmen haben wir genug, ansonsten können sich Interessenten gern bei mir melden…“


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