„Palmarum Qualmarum“ 1945 Historischer Ticker: Bombenangriff auf Osnabrück vor 70 Jahren

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Der Rosenplatz glich im Frühjahr 1945 einer Trümmerwüste. Foto: Imperial War MuseumDer Rosenplatz glich im Frühjahr 1945 einer Trümmerwüste. Foto: Imperial War Museum

Osnabrück. Heute vor 70 Jahren wurde Osnabrück von einem der schwersten Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges getroffen. In Form eines historischen Livetickers zeichnen wir die Ereignisse des Palmsonntags 1945 nach.

Von Holger Jansing, Joachim Dierks, Sven Kienscherf und Kim Ulpts

Für Osnabrück war es der 79. und letzte Luftangriff des Krieges. 178 Menschen starben, die Zahl der Obdachlosen stieg auf fast 90.000. Auf noz.de und in unseren Apps noz News und noz Plus protokollieren wir heute die schlimmen und angstvollen Stunden vor 70 Jahren – zeitgetreu zwischen 7 und 14 Uhr.


HISTORISCHER TICKER: BOMBENANGRIFF AUF OSNABRÜCK VOR 70 JAHREN

25. März 2015 06:54

Auch der Dom und seine Nebengebäude überdauerten den Krieg lediglich als Ruinen. Foto: Archiv 


noz.de
25. März 2015 06:55
6.55 Uhr: Das sechste Osterfest des Krieges steht bevor. Britische und amerikanische Radiosender melden, dass die Alliierten an mehreren Stellen den Rhein überquert haben. Auch in Osnabrück wächst die Hoffnung auf ein schnelles Ende von Tod und
Verderben.


noz.de
25. März 2015 06:55

6.55 Uhr: Die 14-jährigen Osnabrücker sollen an diesem Palmsonntag in die Hitlerjugend aufgenommen werden. Der Beginn der Feier ist vorsorglich bereits für 8 Uhr angesetzt, um vor einer Alarmierung sicher zu sein. Um 7 Uhr ist Antreten in Uniform auf dem Ledenhof, um von dort in geschlossener Formation zum Theater zu marschieren. Mit dabei ist auch Heinz Ahlert.

noz.de
25. März 2015 06:56
von Neue OZ


Heinz Ahlert (Jahrgang 1931) sollte am Palmsonntag in
die Hitlerjugend übernommen werden.
Dazu kam es nicht mehr. 


noz.de
25. März 2015 06:58

6.58 Uhr: Ein britisches Aufklärungsflugzeug kreist über Osnabrück und setzt eine bläulich-violette Rauchmarkierung. Die Besatzung protokolliert ideale Angriffsbedingungen: „Klares Wetter, Wind in 5200 Metern Höhe aus 160 Grad (Südsüdost). Windstärke 40 km/h.

noz.de
25. März 2015 07:00

7.00 Uhr: In Osnabrück wird Vor-Alarm ausgelöst. Die Bevölkerung wird damit zur erhöhten Wachsamkeit aufgerufen.

noz.de
25. März 2015 07:04
7.04 Uhr: Von der Alarmierung werden auch Heinz Ahlert und die anderen Jungen in
Uniform überrascht.
Der Marsch zum Theater wird abgebrochen. 

noz.de
25. März 2015 09:51
von Neue OZ3/25/2015 8:51:00 AM25. März 9:51


Kurz vor Ende des Angriffs wird das Gelände getroffen, auf dem sich auch der Bunker
an der Heinrichstraße befindet.
 Der damals 14-jährige Heinz Ahlert erlebt den
Bombenangriff hautnah.
 




noz.de
25. März 2015 09:52

9.52 Uhr: Fieberhaft meldet die Flak-Einheit auf dem Hüggel Flugbewegungen an die Flak-Stellungen in der Innenstadt. Aus den vier einsatzbereiten Flugabwehrkanonen wird vom Hüggel aus nicht geschossen. Die 13 noch vorhandenen Granaten sollen für die anrückende Landfront aufgespart werden. 

noz.de
25. März 2015 09:56

Als Qualmarum ging der Tag in die Stadtgeschichte ein. Der Begriff nimmt Bezug auf Palmarum, der evangelischen Bezeichnung für den Palmsonntag. Foto: Archiv


noz.de
25. März 2015 09:56
9.56 Uhr: Bombenabwürfe am Hauptbahnhof. Aufgrund vieler Brände
bildet sich über der Innenstadt eine hundert Meter hohe Rauchsäule.
 

noz.de
25. März 2015 09:57

9.57 Uhr:Vereinzeltes Sperrfeuer von den Flak-Stellungen auf dem Kalkhügel, in der Gartlage und in Eversburg. Aufgrund des Qualms ist die Sicht schlecht. Britische Flugzeuge werden nicht getroffen.

noz.de
25. März 2015 09:59

9.59 Uhr: Über dem Hauptbahnhof, dem Stahlwerk, der Lotter Straße und der Neustadt werden
Bomben abgeworfen.
Ein Bündel mit 100 Brandbomben schlägt ein Loch in das Gewölbe der Kreuzkapelle an der Johanniskirche.
 


noz.de
25. März 2015 10:00

10.00 Uhr: Vom Osterberg in Vehrte beobachtet Anneliese Volpert, dass die Bomber Osnabrück regelrecht in die Zange nehmen und die Stadt förmlich einkreisen. Immer neue Geschwader kommen.

noz.de
25. März 2015 10:01

Am
Angriff sind auch 14 britische Lancaster-Bomber beteiligt.
 


noz.de
25. März 2015 10:01
10.01 Uhr: Die Bombardierung der Neustadt geht weiter. Auch Eversburg, die Bramscher Straße und Teile des Westerbergs werden getroffen. 
noz.de
25. März 2015 10:02

10.02 Uhr: Im Stollen an der Mozartstraße hört und spürt Udo Goedecke die Einschläge und Detonationen. Es ist nicht schlimmer als sonst, denn der Westerberg ist kaum betroffen. Dann fällt das Licht aus, aber das passiert häufig bei Luftangriffen. Die Leute bleiben ruhig, einige haben eine Dynamo-Taschenlampe dabei.

noz.de
25. März 2015 10:05

10.05 Uhr: Noch einmal werden der Stadtteil Wüste und die Martinistraße bombardiert. Auch die Katharinenkirche wird schwer getroffen.

noz.de
25. März 2015 10:10

10.10 Uhr:Am Stollen an der Brinkstraße explodiert direkt vor einem der Eingänge an der Sutthauser Straße eine schwere Mine. Die gewaltige Bombe zerfetzt die Schutzmauern und entfaltet einen Großteil ihrer Sprengkraft im Inneren der Höhle. Eine Druckwelle fegt 80 Meter tief in den Stollen.

noz.de
25. März 2015 10:15

10.15 Uhr: Die letzten Bomben des Luftangriffs fallen auf die Krahnstraße und den Domhof.

noz.de
25. März 2015 10:17

10.17 Uhr: Im Stollen an der Brinkstraße herrscht Panik. Es gibt viele Tote. Mindestens 125 Menschen sterben, die meisten von ihnen an Lungenriss, mehr als 150 werden verletzt. Überlebende retten sich über die Toten und Sterbenden ins Freie.

noz.de
25. März 2015 10:20

10.20 Uhr: Die britischen Bomberverbände sind jetzt auf Westkurs. Ohne Verluste sind die Flugzeuge – darunter 132 Maschinen des Typs Halifax und 14 Lancaster-Bomber – auf dem Rückweg zu den Heimatflughäfen in Mittelengland.

noz.de
25. März 2015 10:25
10.25 Uhr: Überall in der Stadt brennt es, auch wenn großflächige Feuerstürme (wie am 13. September 1944 in der Altstadt) weitgehend ausbleiben. 
noz.de
25. März 2015 10:29

Stabbrandbomben verursachten Großbrände, durch die bei etlichen Luftangriffen wahre Feuerstürme entfacht wurden. 


noz.de
25. März 2015 10:35

10.35 Uhr: Die Taktik des Angriffs ist erneut einem perfiden Muster gefolgt. Zunächst
werden Luftminen und Sprengbomben abgeworfen, um Dächer abzudecken und
Fensterscheiben zu zertrümmern.
Anschließend sollen Stabbrandbomben ihr
unheilvolles Werk verrichten und in den luftigen und ungeschützten Gebäuden
Brände verursachen.

noz.de
25. März 2015 10:37
10.37 Uhr: Heinz Ahlert kann den Privatbunker an der Heinrichstraße verlassen. Die
Tischlerei und das Holzlager brennen lichterloh.
Ohne seine Mutter läuft er zum
Notquartier an der Schlossstraße, das ebenfalls in Flammen steht.
 

noz.de
25. März 2015 10:39

von Neue OZ3/25/2015 9:39:00 AM25. März 10:39
Heinz Ahlert verlässt nach der Entwarnung den Bunker an der Heinrichstraße. 
noz.de
25. März 2015 10:42

10.42 Uhr: An der Schlossstraße ist die Wohnung im Obergeschoss nicht mehr zu erreichen. Das Hab und Gut verbrennt. Heinz Ahlert stürzt in den Keller, um wenigstens die dort gelagerten Sachen zu bergen und in den Garten zu bringen.

noz.de
25. März 2015 10:53

10.53 Uhr: Helga Städler ist vom Luftschutzraum am Hauswörmannsweg auf dem Weg in die Innenstadt. Sie kommt am Stollen an der Brinkstraße vorbei aus dem nur furchtbare Schreie zu hören sind.

noz.de
25. März 2015 11:05
11.05 Uhr: Auf dem Südturm der Johanniskirche hält Küster Hubert Eichholz Feuerwache. Sein Bruder Johannes und Adolf Möller aus Sutthausen eilen ihm zur Hilfe, um unter schwierigen Umständen die Barockhaube zu retten. Das Dach des Langhauses war bereits am 3. Februar 1945 durch eine Luftmine stark beschädigt worden. 
noz.de
25. März 2015 11:13
11.13 Uhr: Das Stahlwerk und die Verwaltungsgebäude sind zerstört. Durch die Wucht der Explosionen und die enorme Hitzeentwicklung sind am Bahnhof Schienen und Lokomotiven deformiert. 
noz.de
25. März 2015 11:18

Die Hallen des Klöckner-Werkes lagen nach dem Bombenangriff am Palmsonntag 1945 in Schutt und Asche. Foto: Archiv 


noz.de
25. März 2015 11:22

Auf dem Gelände des Bahnhofes wurden die Gleisanlagen zerstört. Foto: Archiv 


noz.de
25. März 2015 11:27

Schwer beschädigte Lokomative neben einem Bombentrichter. Foto: Archiv 


noz.de
25. März 2015 11:30

11.30 Uhr: Vorentwarnung, die akute Luftgefahr wird aufgehoben. Überall in der Stadt können die Menschen die Bunker und Luftschutzräume verlassen.

noz.de
25. März 2015 11:32
11.32 Uhr: Im Bunker an der Mozartstraße ist der Luftschutzwart über Drahtfunk mit
der Leitstelle verbunden und gibt Entwarnung.
Udo Goedecke verlässt den Stollen. Am Westerberg ist zum Glück nicht so viel passiert. 

noz.de
25. März 2015 11:34

von Neue OZ3/25/2015 10:34:00 AM25. März 11:34
Udo Goedecke hat den Bombenangriff in einem Luftschutzbunker in der Mozartstraße erlebt. 
noz.de
25. März 2015 11:40

11.40 Uhr: Über der Stadt liegt eine bräunliche, grau bis schwarz gefärbte Bewölkung.
Aschepartikel und Phosphordünste erschweren das Atmen.
Es ist unwirklich dunkel, wie bei einer Sonnenfinsternis.

noz.de
25. März 2015 11:47

11.47 Uhr:Noch immer wüten Brände in der Neustadt, besonders heftig zwischen Johannis- und Kommenderiestraße. Der Feuerwehr gelingt es, die meisten Bunkerinsassen aus einem Wehrturm an der Johannismauer zu retten, die wegen der Brände den Schutzraum nicht verlassen
konnten.

noz.de
25. März 2015 12:02
12.02 Uhr: Die Lotter Straße liegt voller Schutt. Die Straßenbahn-Oberleitungen sind heruntergestürzt. Udo Goedecke ist erleichtert, dass das Haus seiner Eltern weitgehend unbeschädigt geblieben ist. 
noz.de
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