Schauspielunterricht für Legastheniker Osnabrücker Schülerin stellt Projekt in New York vor


lri Osnabrück. Kristine Krüger pflegt einen offenen Umgang mit ihrer Legasthenie. Die Schülerin spielt seit Jahren Theater, Angst vor Auftritten hat sie nicht. Ihr Hobby hilft ihr im Umgang mit ihrer Einschränkung so gut, dass sie daraus ein Konzept für andere Betroffene entwickelt hat. Beim Wettbewerb des „Network For Teaching Entrepreneurship“ (NFTE) gewann sie damit im Bundesentscheid einen Sonderpreis für soziales Engagement – und darf ihre Idee jetzt in New York einem großen Publikum präsentieren.

„Legater“ nennt sie ihre Idee, Schauspielunterricht für Legastheniker anzubieten. Die aus Hilter stammende Schülerin der Domschule greift dabei auf eigene Erfahrungen zurück, sie selbst spielt seit drei Jahren Theater. Der Umgang mit Texten, die Auftritte vor Publikum, all das habe ihr den Alltag mit der Legasthenie erleichtert, berichtet Krüger. Diese Erfahrung will sie mit anderen Betroffenen teilen, ihnen „die Angst vor dem Auftritt nehmen“, wie sie sagt. Wer im Theater auf der Bühne steht, steht danach auch selbstbewusst vor der Schulklasse, da ist sich die Sechzehnjährige sicher.

Präsentation in New York

Bernhild Lütke Glanemann hat die Idee sofort überzeugt. Die Lehrerin betreute das Projekt als „Coach“, wie sie sagt. Sie ist vom NFTE-Netzwerk zertifiziert und organisiert die Teilnahme von Domschülern an Wettbewerben der Organisation. Sie begleitete „Legater“ bis zum Bundesentscheid, wo das Konzept mit dem „Social Entrepreneur with disability“-Preis ausgezeichnet wurde. Krüger ist die erste Preisträgerin überhaupt, die Auszeichnung wurde zum zehnjährigen Bestehen von NFTE Deutschland vergeben. Zusammen mit der Erstplatzierten des regulären Preises reist Krüger am kommenden Montag nach New York, um ihre Idee dort auf einer Messe zu präsentieren.

„Wo Legasthenie eine Stärke ist“

Unterstützt wird Kristine Krüger einerseits vom NFTE selbst, das Reisekosten und Aufenthalt finanziert. Aber auch die Domschule zeigt sich stolz auf ihre Schülerin, die sich für die Reise nächste Woche ein paar Tage freinehmen muss. Kein Problem, versichert Schulleiter Axel Diekmann. Für ihn steht Kristine Krügers Engagement beispielhaft für einen gelungenen Umgang mit eigenen Defiziten: „Sie hat etwas aus ihrer Schwäche gemacht, das kann auch andere Schüler inspirieren“, meint Diekmann auch mit Blick auf das Firmenmotto von Legater. „Wo Legasthenie eine Stärke ist“ steht auf dem Flyer des Projekts.

Projekt soll realisiert werden

Für die Zeit nach ihrem Aufenthalt in den USA hat Kristine Krüger schon konkrete Pläne. Realisieren will sie ihr Projekt mit der Theaterpädagogischen Werkstatt, mit der sie in Kontakt steht. Die Kurse sollen möglichst klein gehalten werden. In Gruppen von fünf bis sieben Schülern will Krüger ihre Begeisterung fürs Theater und den Spaß an Texten vermitteln. Den Spielplan will Krüger dabei bewusst anspruchsvoll gestalten: „Ich würde gerne längere Texte bearbeiten, Schiller vielleicht.“


NFTE Deutschland wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, Selbstvertrauen, Eigeninitiative, und unternehmerisches Denken und Handeln bei Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren zu fördern. Ein besonderer Fokus lag dabei von Anfang an auf Schülerinnen und Schülern mit eher schlechten Startchancen, die durch das NFTE Programm in der Persönlichkeit gestärkt werden sollen, um Benachteiligungen zu überwinden. Schwerpunkt der Arbeit des gemeinnützigen Vereins ist seitdem die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern zu zertifizierten NFTE Lehrern und die Unterstützung ihrer Arbeit an den Schulen. In den vergangenen zehn Jahren hat das Programm fast 20000 Schüler in rund 620 Schulen erreicht, mehr als 1200 Lehrer wurden zertifiziert. In den USA gibt es das Netzwerk bereits seit 1987.

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