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Sonnenfinsternis 2015 Sofi hinter dichten Wolken: Die Sonnenfinsternis in Osnabrück


Osnabrück. Selfies statt Sonnenbilder: Von der Sonnenfinsternis war zumindest in Osnabrück am Freitag kaum etwas zu merken. Dichte Wolken verhinderten den Blick auf das Himmelsschauspiel, die Sonne hatte sich nicht nur hinter dem Mond, sondern auch hinter dichtem Hochnebel versteckt.

Was also tun mit den Schutzbrillen? Einfach aufsetzen und ein Foto von sich machen. Die Schüler der Grundschule Haste nutzten die Gelegenheit, einer Lehrerin auf dem Schulhof ein Geburtstagsständchen zu singen …

Das wird wohl nichts. Schon beim ersten Blick aus dem Fenster am Freitagmorgen wurde vielen klar, dass die Bedingungen alles andere als optimal sind. Nebel im Außenbereich, Raureif auf Rasenflächen. Auch wenn am 20. März astronomisch der Frühling beginnt, das Wetter hatte nach den vergangenen sonnigen Tagen ausgerechnet am Freitag einen deutlichen Rückfall in kühlere Jahreszeiten erlitten. Fröstelnde Schüler drängten sich auf Bürgersteigen, Radfahrer hatten wieder ihre Handschuhe hervorgeholt. Und etliche Osnabrücker Kirchtürme reckten ihre Spitzen in den Hochnebel.

Zum Trost: Klare Bilder aus ganz Deutschland von der Sonnenfinsternis können Sie in unseren Liveticker sehen

Mitglieder des Planetariums Osnabrück und der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft des Naturwissenschaftlichen Vereins Osnabrück hatten ihre Geräte zur Sonnenbeobachtung zwischen Domfreiheit und Theater aufgebaut. Die skeptischen Blicke in den wolkenverhangenen Himmel verhießen allerdings wenig Gutes. Ebenso wie der Blick auf das Wolkenradar.

Vor Optik Peter Meyer hatte sich trotz der mäßigen Aussichten schon früh eine lange Schlange vor dem noch geschlossen Geschäft gebildet, um eine der angekündigten kostenlosen Schutz-Brillen zu ergattern. Dass im Vorfeld unterschiedliche Ausgabezeiten kursierten, ärgerte einige Wartende: In den Ankündigungen war mal von 9.30 Uhr und mal von 10 Uhr die Rede, im Geschäft hing am Freitag der Hinweis, dass die Brillen ab 10.30 Uhr verteilt würden. Tatsächlich war es dann kurz nach 10 Uhr soweit. Aus dem erhofften gemeinsamen Public Viewing wurde allerdings nichts. Es gab halt nichts zu sehen.

Auf dem Theatervorplatz trudeln derweil Schülergruppen ein: Die 4B der Grundschule Eversburg – „die beste Klasse der Welt“, wie Collin behauptet – wirft einen Blick auf die Instrumente und zieht dann kurz weiter, um in der Krahnstraße die zugesagten Schutzbrillen abzuholen. Da es am Himmel außer Wolken nicht viel zu sehen gibt, werden seit Schülergenerationen bewährte Pausenbeschäftigungen reaktiviert: „Komm, wir spielen Füße treten!“ Auch die 9F des Carolinum hält sich nicht lange auf. So spannend sind Wolken halt nicht. Ein paar Austauschstudentinnen nutzen die Zeit und machen Selfies mit Sonneschutz-Brille.

Ganz anders die rund 220 Schüler der Grundschule Haste: Die Lehrer hatten im Vorfeld genug Schutz-Brillen organisiert, um den Anblick gemeinsam mit allen Schülern zu genießen. „Wir waren schon sehr enttäuscht“, erzählt Lehrerin Anja Kampe. Trotzdem: Es sei ein tolles Gruppengefühl gewesen, zumal die Schüler die Gelegenheit nutzten, um einer Lehrerin ein Geburtstagsständchen zu singen. Die Brillen durften die Schüler mit nach Hause nehmen.

Alle Infos zur Sonnefinsternis 2015 unter www.noz.de/sonnenfinsternis

Immerhin, um 10.40 Uhr zum Höhepunkt des Schauspiels hinter dem Wolkenvorhang, wurde es auch in Osnabrück ein bisschen dunkler und das Licht einen Tick diffuser. „Davon werden wir noch unseren Kindern erzählen“, hatte schon vorher jemand geunkt, „Sonnenfinsternis 2015 – was haben wir gefroren …“

Und die befürchteten Netzschwankungen und Stromausfälle: Die sind ausgeblieben. Und das, obwohl in weiten Teilen Deutschlands der Himmel ungetrübt war. „Es standen genügend Ersatzkapazitäten zur Verfügung, die den zeitweiligen weitgehenden Ausfall der Solarstrom-Einspeisung haben auffangen können“, erklärte Heinz-Werner Hölscher, Geschäftsführer der Stadtwerke-Netzbetriebstochter SWO Netz GmbH.

Die nächste aus Osnabrücker Perspektive sehenwerte Sonnenfinsternis wird es mit einer Abdeckung von 89 Prozent am 12. August 2026 geben. Wer nicht solange warten will: 2017 kann in den USA eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden.


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