Kongress „Bewegte Kindheit“ 2015 Gebrauchsanleitungen zur Rettung der Instinkte

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Teilnehmer des Osnabrücker Kongresses „Bewegte Kindheit“ haben in diesem Jahr die Wahl unter 20 Hauptvorträgen, zwei Foren sowie 123 Workshops und Seminaren. Foto: Jörn MartensTeilnehmer des Osnabrücker Kongresses „Bewegte Kindheit“ haben in diesem Jahr die Wahl unter 20 Hauptvorträgen, zwei Foren sowie 123 Workshops und Seminaren. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Wie viel und welche Bewegung brauchen Kinder, um gesunde Erwachsene zu werden? Wissen Eltern um ihren Einfluss, und nutzen sie diesen? Fragen wie diese werden beim Osnabrücker Kongress „Bewegte Kindheit“ 2015 beantwortet.

Den Eröffnungsvortrag hielt am Donnerstagnachmittag der Berliner Medizinprofessor und Präsident des Weltgesundheitsgipfels, Detlev Ganten. Unter dem Motto „Evolution ist Bewegung“ vertrat er die These, dass die moderne, städtisch geprägte Welt zu einem Mangel an Bewegung und zu Überernährung verleitet. Dies führe zu den häufigen, aber vermeidbaren Zivilisationskrankheiten. „Kinder bewegen sich noch gerne und viel. Unsere Biologie ist alt, die Steinzeit steckt uns in den Knochen“, sagt Ganten. Warum also die Instinkte ausschalten?

Theorie und Praxis

Dergestalt auf den Kongress eingestimmt, haben Teilnehmer nun die Wahl unter 20 Hauptvorträgen, zwei Foren sowie 123 Workshops und Seminaren, die sich wiederum mit elf unterschiedlichen Themengebieten befassen. Es gibt theorielastige Veranstaltungen mit sperrigen Titeln wie „Psychomotorische Förderung im Kontext sozialer Benachteiligung“, „Restreaktionen frühkindlicher Reflexe und ihre Auswirkungen auf Lernen, Verhalten und Motorik“ oder auch „Sedentarismus als Gefahr für die Gesundheit und Bildung“ – wobei es im letztgenannten Fall um nichts weiter geht als zu häufiges, zu langes und krummes Sitzen.

Weiterlesen: Osnabrück gibt Impulse für eine „bewegte Kindheit“ >>

Handfestes für den Praxisgebrauch versprechen hingegen Übungen wie „Einführung in die Kunst des Fingerfadenspiels“, „Zahlen hüpfen – Buchstaben springen“ und „Tolles Rohr“, das die Vorzüge einfarbiger Klangrohre preist – sogenannter Boomwhacker. Verheißungsvoll auch die Überschrift „Brüllender Löwe – kriechende Raupe“: Dahinter verbirgt sich ein Workshop zum Thema Kinderyoga. Und bei „Ein Stein albert“ geht es um die Entdeckung naturwissenschaftlich-mathematischer Phänomene im Alltag.

Manche Veranstaltungen weiten buchstäblich den Horizont: Internationale Experten werfen beispielsweise einen Blick in chinesische und finnische Kindergärten. Teilnehmer erfahren, warum Kinder in Norwegen mehr draußen als drinnen sind und wie man in Korea Sportübungsleiter ausbildet. An anderer Stelle richtet sich der Blick dann auf die pädagogischen Fachkräfte hierzulande. „Arbeitsplatz Kita: Traum oder Trauma?“ heißt ein Referat, und Vertreter von Unfallkassen diskutieren bei einem Forum am Freitag die Frage „Wann macht Arbeit glücklich, wann macht sie krank?“.

Anfassen und ausprobieren

Abgerundet wird der 9. Osnabrücker Kindheitskongress von einer Fachausstellung: Auf 400 Quadratmetern präsentieren sich zahlreiche Verkaufs-, Informations- und Bewegungsstände. Es liegen Fach- und Sachbücher aus, Musik, Lernspiele und Fördermaterial. Sogar Sportgeräte können ausprobiert werden. Die Ausstellung ist bis zum Ende der Tagung am Samstagnachmittag für Kongressteilnehmer geöffnet.


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