Serie über Osnabrücker Chöre Für die Jacobs Gospel Singers reist Chorleiter an



Osnabrück. Wo gibt’s denn so etwas? Auf einer Warteliste stehen etwa 80 Namen. Sie alle wollen gerne mitmachen bei den Jacobs Gospel Singers. Einen besseren Beleg für erfolgreiche Arbeit kann es kaum geben. Doch der Chor hat bei 75 derzeit aktiven Sängerinnen und Sängern eine Grenze gezogen: Mehr passen nicht in den Probenraum in der Jakobuskirche.

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit, die den Chor vermutlich ziemlich einzigartig macht. Eine weitere ist der Chorleiter Micha Keding. Mit 15 trat er als Tenor in den Chor ein, den sein Vater, Pastor der Jakobuskirche, soeben gegründet hatte und übernahm nur zwei Jahre später selbst die Leitung.

„Gar keine Ahnung von Chorleitung, nur abgeguckt von meinem Vater und anderen“, gibt er freimütig zu. Dann ging er zum Studium nach Bremen, und von dort kommt er nun seit fast 20 Jahren regelmäßig jede Woche zur Chorprobe, was ihm der Chor hoch anrechnet. „Es hängt nach so langer Zeit einfach ganz viel Herzblut dran, und der Chor ist echt gut geworden. Ich wäre schön blöd, so einen Chor abzugeben, weil ich jetzt eigentlich das ernte, was ich 20 Jahre lang gesät habe.“

Studiert hat Micha Keding Jazzmusik mit dem Hauptfach Kontrabass. Chorleitung allerdings war nicht Teil des Studiums. „Das ist eigentlich ein Vorteil: Ich habe nicht irgendwelche Konventionen kennen gelernt, sondern durch eigene Erfahrung gelernt, wie ich denke, dass es funktioniert. Die Sachen, die nicht funktioniert haben, habe ich dann eben weggelassen. Inzwischen bin ich Dozent für Chorleitung, habe also Studenten, denen ich das beibringe.“

Auch das ist nicht selbstverständlich: Die Jacobs Gospel Singers haben keinen Mangel an Männerstimmen. Zwar sind auch hier die Frauen in der Überzahl, doch nach 15 Bässen und 12 Tenören würden sich viele andere Chöre trotzdem die Finger lecken.

„Wir sind in unserem Repertoire sehr stark auf Gospel ausgerichtet, haben aber immer auch den Blick über den Tellerrand. Ain’t no Mountain High ist zum Beispiel eine Soul-Nummer und kein echter Gospel.“

Mit dieser Nummer beginnt Micha Keding die Probe und lässt das Stück eine ganze Weile einfach durchlaufen. Das klappt auch ziemlich gut, trotzdem nimmt er sich anschließend einzelne Passagen noch einmal genauer vor, korrigiert einzelne Töne oder Rhythmen. Auch wenn ein Ton mal mehrere Anläufe braucht, bis er sitzt, bleibt der Chorleiter ganz locker. Sein Chor ist allerdings auch ziemlich diszipliniert und aufmerksam, viel Gerede gibt es zumindest bei dieser Probe nicht. „Sehr gut, aber jetzt mal aufeinander hören!“ Micha Keding dirigiert nicht, sondern spielt während der Probe am Klavier mit. „Die Bridge kann rhythmisch noch etwas eckiger.“ Begriffe wie Bridge, Chorus oder Coda scheinen den Sängern geläufig zu sein. Das Pensum des Chores scheint beachtlich: „Letztes Jahr waren es zwölf Konzerte“, so Micha Keding. „Das große Projekt ist 2016 unser 25-jähriges Jubiläum. Vielleicht können wir uns da unseren Traum erfüllen, mal mit einem Symphonieorchester ein Konzert zu geben.“


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