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Sonnenfinsternis 2015 Osnabrücker Schule macht Schutzbrille zur Bedingung

Die Elisabethschule Osnabrück verbietet es, die bevorstehende Sonnenfinsternis ungeschützt zu beobachten. Kinder ohne Schutzbrille müssen drinnen bleiben, heißt es in einem Elternbrief. Foto: Sebastian StrickerDie Elisabethschule Osnabrück verbietet es, die bevorstehende Sonnenfinsternis ungeschützt zu beobachten. Kinder ohne Schutzbrille müssen drinnen bleiben, heißt es in einem Elternbrief. Foto: Sebastian Stricker

Osnabrück. Die Elisabethschule Osnabrück verbietet es ihren Kindern, die bevorstehende Sonnenfinsternis ungeschützt zu beobachten. Wer keine geeignete Brille hat, muss am Freitag zwischen 9.20 und 12 Uhr im Gebäude bleiben. Dennoch sollen alle an dem Spektakel teilhaben können.

Schulleiter Georg Jansen-Wätjen begründet die Strenge mit großen Gefahren für die Gesundheit. „Wer ohne zertifizierte Spezial-Schutzbrille in die Sonne schaut, riskiert schwere Augenschäden bis hin zur Erblindung. Deshalb darf eine Sonnenfinsternis in keiner Phase ohne Augenschutz beobachtet werden“, heißt es in einem von ihm unterzeichneten Elternbrief, der am Montag verschickt wurde und unserer Redaktion vorliegt.

Auf Nachfrage betont der Rektor, bei dem Verbot handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, zu der er sich persönlich verpflichtet fühle. Eine Empfehlung der Landesschulbehörde oder des städtischen Schuldezernats habe es diesbezüglich nicht gegeben. Jansen-Wätjen: „Als Schulleiter bin ich nicht nur für das Lernen, sondern auch für die Gesundheit der Kinder verantwortlich.“

Eltern irritiert

Gleichwohl habe der Rundbrief aus der Weststadt-Grundschule zu vielen Anrufen irritierter Eltern geführt. „Die hätten wir nicht gehabt, wenn es genug Schutzbrillen gäbe“, ist der Schulleiter überzeugt. Denn anders als bei der totalen Sonnenfinsternis im Jahr 1999, als geeigneter Augenschutz an jeder Ecke erhältlich gewesen sei, scheinen hinreichend dunkle Brillen diesmal Mangelware. Um allen 240 Kindern der Elisabethschule ein Beobachten des Naturspektakels ohne Gefahr für die Netzhaut zu ermöglichen, wäre er sogar bereit gewesen, Vorräte aufzukaufen, erklärt Georg Jansen-Wätjen. „Ich habe auch in benachbarten Orten nachgefragt, aber rund um Osnabrück ist es genauso: Es gibt kaum Schutzbrillen.“ Und vor billigen Alternativen wie rußgeschwärzten Gläsern, schwarzen Filmstreifen und anderen Brillen Marke Eigenbau werde ebenso gewarnt wie vor dem Benutzen herkömmlicher Sonnenbrillen. (Weiterlesen: Hier gibt es in Osnabrück Brillen für die Sonnenfinsternis)

Rektor erfinderisch

Schaut man am Freitag an der Weststadt-Grundschule also geschlossen in die Röhre statt in den Himmel? Nein, denn dem Rektor ist es auf andere Weise gelungen, immerhin so viele Brillen zu beschaffen, dass auch Schüler ohne eigene Ausrüstung das seltene Schauspiel bei geeigneter Witterung draußen verfolgen können – und zwar nicht nur für einen kurzen Augenblick, sondern mehrfach und zu verschiedenen Phasen der Sonnenfinsternis.

Welche Kanäle er dafür angezapft habe, darüber schweigt sich Jansen-Wätjen aus: „Betriebsgeheimnis!“ Entscheidend sei, dass die Kinder „das Phänomen erleben. Das dürfen wir ihnen nicht vorenthalten“. Bis das nächste Mal in Deutschland der Mond das Zentralgestirn komplett verdeckt, würden schließlich Jahrzehnte vergehen. Den genauen Termin teilt der Schulleiter im Elternbrief übrigens ebenfalls mit: Es ist der 3. September 2081.


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