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Landgericht legt Jahresbilanz vor Weser-Ems: Richter werden knapp - 62 gehen in Ruhestand

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Das Landgericht Osnabrück, zuständig für etwa eine Million Menschen in der Region Osnabrück sowie den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Foto: dpaDas Landgericht Osnabrück, zuständig für etwa eine Million Menschen in der Region Osnabrück sowie den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Foto: dpa

Osnabrück. Der Fachkräftemangel erreicht die Justiz: Allein 62 Richter gehen im Zuständigkeitsbereich des Oberlandesgerichtes Oldenburg in den kommenden Jahren in den Ruhestand, 20 davon im Bereich des Landgerichtes Osnabrück. Dessen Präsident Antonius Fahnemann wirbt um Quereinsteiger, damit der Justiz auf Dauer nicht die Richter ausgehen.

„Lebens- und Berufserfahrung sind für den Richterberuf enorm wichtig“, sagte Fahnemann bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2014 am Montag. „Es ist nicht in Stein gemeißelt“, so der Gerichtspräsident, dass Richter direkt nach der Uni in die Richterrobe wechselten. Es sei auch möglich, dass Juristen aus anderen Berufen an die Gerichte wechselten. „Das ist auch bis Ende 30 kein Problem.“

230 Beschäftige vor Ruhestand

Im Raum Weser-Ems, dem Bezirk des Oberlandesgerichtes Oldenburg gehen laut Fahnemann bis 2020 mehr als 230 Beschäftigte in den Ruhestand, darunter die 62 Richter. Die Nachwuchsgewinnung werde aber zusehends schwieriger. Die Justiz stünde in Konkurrenz zu Großanwaltskanzleien, die Einsteigern bereits sechsstellige Jahresgehälter zahlen würden. Auch unter den Bundesländern sei die Konkurrenz groß, da die Besoldung unterschiedlich ausfalle.

3368 Zivilsachen eingegangen

Zu den Zahlen: Insgesamt 3368 Zivilsachen sind im Jahr 2014 beim Landgericht Osnabrück, das die Landkreise Emsland, Grafschaft Bentheim und Osnabrück umfasst, gelandet. Dabei handelt es sich um Streitfälle zwischen zwei Personen. Liegt der Streitwert bei mehr als 5000 Euro, ist das Landgericht zuständig. Fahnemann verwies darauf, dass der größere Teil der Verfahren per Vergleich und nicht per Urteil beigelegt wurde. „Ein Vergleich ist in der Regel kostengünstiger und weniger nervenaufreibend als ein langwieriger Prozess“, so Fahnemann. Er bezeichnete eine derartige Lösung, bei der beide Parteien einem Kompromiss zustimmen, als „gut für den Rechtsfrieden“.

Mediation gefragt

Eine besondere Rolle spielt dabei am Landgericht Osnabrück die Mediation vor einem sogenannten Güterichter. Der lädt Kläger und Beklagte an einen Tisch. Gemeinsam wird überlegt, ob eine Lösung erzielt werden kann. Seit 2005 seien am Landgericht 1428 Mediationen durchgeführt worden, so Fahnemann. In 78 Prozent konnte ein Vergleich geschlossen werden, noch bevor es zu einer regulären Verhandlung kam. Die Nachfrage steige, so Fahnemann. Allein seit Januar hätten 140 Mediationen stattgefunden. (Hier weiter Infos)

112 Anklagen eingegangen

Zahlenmäßig wesentlich geringer als die Zahl der Zivilsachen sind die Strafverfahren, bei denen die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt. Dies war 2014 laut Jahresbericht 112-mal der Fall. Im Schnitt konnten die Verfahren demnach in 4,3 Monaten beendet werden –und damit 3,6 Monate schneller als im Landesschnitt.

Zu den spektakulären Strafprozessen im Jahr 2014 zählte unter anderem der „Mordfall Christina“ . Mehr als ein viertel Jahrhundert nach der Tat in Osnabrück, verurteilte das Landgericht einen heute 46-Jährigen zu acht Jahren Gefängnis. Weltweit Beachtung fand der Prozess gegen einen somalischen Piraten, der an der Entführung eines Chemietankers einer Harener Reederei beteiligt war. Das Gericht verurteilte den Mann zu zwölf Jahren Gefängnis. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof prüft derzeit die Revision.

Unter anderen sorgte auch das Verfahren gegen den Somalier dafür, dass die Ausgaben des Landgerichtes um gut eine halbe Millionen Euro im vergangenen Jahr anstiegen. Für den Prozess waren Zeugen etwa aus Indien eingeflogen worden. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben und Auslagen des Landgerichtes 2014 auf mehr als 4,7 Millionen Euro. Die Hälfte der Summe ging als Aufwandsentschädigungen an Sachverständige, die Richtern bei der Urteilsfindung mit ihren Gutachten helfen sollen.


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