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Gebührenanstieg um 40 Prozent Maiwoche 2015: Werden Bier und Bratwurst teurer?

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Maiwoche in Osnabrück. Höhere Standgebühren setzen die Schausteller unter Druck und treiben möglicherweise die Getränkepreise in die Höhe. Archivfoto: Michael GründelMaiwoche in Osnabrück. Höhere Standgebühren setzen die Schausteller unter Druck und treiben möglicherweise die Getränkepreise in die Höhe. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Stadt zieht die Standgebühren für die Maiwoche 2015 um rund 40 Prozent an. Zahlen müssen die Schausteller, die die Zusatzkosten nicht auf die Preise umlegen wollen. Aber vielleicht können sie es gar nicht vermeiden.

„Das ist ein ganz gewaltiger Schlag“: So reagierte der Vorsitzende des Schaustellerverbandes, Bernhard Kracke auf die Ratsentscheidung. Die Erhöhung um rund 40 Prozent kommt nicht überraschend, weil der Schaustellerverband im Vorfeld der Ratsentscheidung angehört worden war. „Unsere Argumente sind aber nicht erhört worden“, so Kracke.

Ausgangspunkt ist die Grundsatzentscheidung des Rates von 2013, dass die Gebühreneinnahmen die Kosten für die Märkte vollständig decken sollen. Das betrifft die Jahrmärkte und Wochenmärkte , den Weihnachtsmarkt und die Maiwoche . Zahlen müssen die Beschicker, die ihre Buden auf städtischem Boden vor dem Theater, am Dom und auf dem Marktplatz aufbauen. Die anderen Maiwochen-Bezirke in der Innenstadt werden von Veranstaltern pauschal vermarktet und sind von der aktuellen Gebührenerhöhung nicht betroffen. Die Stadt hat drei unterschiedliche Gebührenkategorien für Speise- und Getränkebuden, Verkaufsstände (zum Beispiel Süßwaren) und Karussells. Betreiber von Bratwurst- und Bierbuden zahlen jetzt pro Quadratmeter acht Euro pro Tag, bislang lag der Satz bei 5,60 Euro. Das entspricht einer Steigerung um 42 Prozent. Verkaufsstände und Süßwaren werden künftig mit zwei Euro (vorher 1,40 Euro) belangt, Fahrgeschäfte mit 1,39 Euro (vorher ein Euro). Ursprünglich hatte die Verwaltung eine noch drastischere Anhebung um 62 Prozent vorgesehen, um das Minus aus dem Jahr 2013 von rund 27000 Euro auszugleichen. Der Ausgleich soll nun auf zwei Jahre gestreckt werden, sodass 2016 eine weitere Erhöhung nicht ausgeschlossen werden kann. Das hängt auch vom Ergebnis der Maiwoche 2015 ab, die vom 8. bis 17 Mai gefeiert wird.

Schausteller Bernhard Kracke schließt nicht aus, dass die höheren Gebühren auf die Preise aufgeschlagen werden, auch wenn die Branche Preiserhöhungen unbedingt vermeiden will. „Kollegen haben schon gesagt, dass sie lieber gar nicht mehr kommen als die Preise zu erhöhen.“ Die Maiwoche solle ein Volksfest bleiben und kein „Fest für Besserverdiener“ werden, so Kracke. Es sei ein weitverbreiteter Irrtum, dass mit der Maiwoche viel Geld zu verdienen sei. Das Gegenteil sei richtig: „Es wird viel Geld umgesetzt, aber nur wenig verdient.“ Ein verregnetes Wochenende bedeute für die Beschicker meist ein Nullsummenspiel. „Mit Gebührenerhöhung setzen wir zu“. Die Kosten für Infrastruktur und Personal seien enorm hoch, auch wegen der langen Öffnungszeit vom Vormittag bis in den Abend.

Kracke appelliert an die Stadt, das Ziel der hundertprozentigen Kostendeckung aufzugeben und Veranstaltungen wie die Maiwoche als Investition in den Tourismus und Teil des Stadtmarketings zu begreifen. Eine Studie belege, das jeder Markt-Besucher etwa 50 Cent an Steuereinnahmen auslöse. Das mache bei 500000 Maiwochen-Gängern immerhin 250000 Euro für den Stadtsäckel, rechnet Kracke vor.

Die Maiwoche im Überblick: Klicken Sie auf die Punkte für mehr Infos!

Karte: Google/Sanders


Getränke-Preise: Beim Oktoberfest ist klar, was das Maß kostet, auf der Maiwoche ist das anders. Wirte und Beschicker bestimmen die Preise individuell. Marken und Größen variieren von Standort zu Standort. Deshalb können weder der Schaustellerverband noch das Stadtmarketing genauere Angaben über die Bierpreise machen, die im vergangenen Jahr grob geschätzt zwischen 2,30 und 2,50 Euro (0,3 l) lagen.

Kalkulation der Stadt: Strom, Wasser, Toiletten, Sicherheitsvorkehrungen – all das kostet Geld. Die Stadt kalkuliert in diesem Jahr mit Kosten von 98780 Euro. Addiert wird das Defizit aus dem Vorjahr von rund 26000 Euro, abgezogen eine Erstattung von 14000 Euro (Sanitäter, Brandsicherungswachen, WC-Gebühren). So bleiben Kosten von 110900 Euro, die aus Gebühren finanziert werden müssen und auf die vermarktete Fläche von 1544 Quadratmeter (Markt, Dom, Theater) umgelegt werden. 93,6 Prozent der Gebühreneinnahmen entfallen auf Speise- und Getränkestände, den Rest teilen sich Karussells und sonstige Verkaufsstände.

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