Symposium der Hochschule Osnabrück Ganzheitlicher Blick auf Wasser als Lebensgrundlage

Von Stefanie Preuin

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Um regionale und internationale Strategien zum Schutz des Wassers und der Versorgung ging es bei einem international besetzten Symposium der Hochschule Osnabrück im Wabe-Zentrum Wallenhorst. Foto: Stefanie PreuinUm regionale und internationale Strategien zum Schutz des Wassers und der Versorgung ging es bei einem international besetzten Symposium der Hochschule Osnabrück im Wabe-Zentrum Wallenhorst. Foto: Stefanie Preuin

Wallenhorst. Wasser: Wann immer wir es wünschen, strömt es aus dem Hahn oder füllt die Badewanne, noch schneller ist ein Glas randvoll. Oft gehen wir allzu verschwenderisch damit um – dabei ist es Mangelware. Denn nur der kleinste Teil des Wassers, das die Erde zu fast drei Vierteln bedeckt, ist trinkbar. Bei einem Symposium von Rut-und-Klaus-Bahlsen-Stiftung und Hochschule Osnabrück rückten Probleme und Lösungen rund um das nasse Element in den Mittelpunkt.

Im Wabe-Zentrum in Wallenhorst trafen sich dazu am Dienstag einige Dutzend internationale Experten und Teilnehmer. Anlass war das fünfjährige Bestehen der Forschungs- und Lehreinheit „Wasser als Lebensgrundlage“. Die Stiftung hatte dafür eine Anschubfinanzierung über 250.000 Euro geleistet. Inzwischen trägt die Hochschule diese interdisziplinäre Einrichtung selbst.

Hochschulpräsident Andreas Bertram forderte eine Sensibilisierung für das Thema Wasser, auch wenn Versorgungsprobleme in Deutschland weit weg erscheinen. Wassermangel werde von den Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation als eine der Hauptursachen wirtschaftlicher Not, hoher Kindersterblichkeit und kriegerischen Auseinandersetzungen genannt. Mit Blick auf

Verschmutzungen durch die Massentierhaltung und die Industrie machten sich auch in unserer Region viele Menschen Sorgen um die Qualität ihres Trinkwassers. „Wir können ohne Strom leben, aber nicht ohne Wasser“, gab Bertram zu bedenken.

Wasser-Fußabdruck zeigt Verbrauch an

Viele Studenten der Hochschule Osnabrück sehen das offenbar ähnlich: Das Wahlpflichtangebot der Forschungs- und Lehreinheit sei nicht nur bei der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur (Campus Haste) beliebt, sondern in alle Forschungsbereiche eingedrungen. Ein Beispiel aus der Praxis: Die Studenten Sabrina Pollmann und Jonas Köllmann entwickelten – analog zum bekannten CO2-Fußabdruck – einen „Wasserfußabdruck“, um den Verbrauch im Alltag abzubilden. Dabei geht es einerseits um den Schluck aus der Pulle, aber auch um Dienstleistungen und die Herstellung von Produkten, für die Wasser benötigt wird. Köllmanns Fazit: „Man sollte auf regionale Produkte setzen und sein Konsumverhalten reflektieren.“

International erfahrene Experten machten während des Symposiums deutlich, wie breit das Thema Wasser behandelt werden muss. Stefan Uhlenbrook vom Unesco-Institut für Wasser-Ausbildung im niederländischen Delft wies auf Katastrophen durch Klimaveränderung hin. „Dürre und Hochwasser nehmen zu. Viele Menschen in ärmeren Regionen siedeln zu nah am Wasser“, erklärte der Professor. „Es klingt komisch, aber eine Maßnahme wäre es, den Menschen schwimmen beizubringen.“ Nützlich seien auch Frühwarnsysteme und die Schärfung eines Bewusstseins für Naturkatastrophen, aber auch der Bau von Deichen, so Uhlenbrook.

Menschenrecht ohne Wert

Catarina de Albuquerque aus Lissabon (Portugal), ehemalige Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen, erinnerte daran, dass Wasser- und Sanitärversorgung seit 2010 ein Menschenrecht ist. „Und doch haben über 700 Millionen Menschen keinen Zugang.“ Investitionen seien deshalb nicht dort besonders nötig, wo schnelle Erfolge zu erzielen seien, sondern müssten die Ärmsten erreichen, sagte Albuquerque.

Beim Thema Flüsse als Lebensadern kam Ingenieur Dietrich Bartelt ins Spiel: Er ist Gründer und Gesellschafter von DB Sediments (Duisburg) – einer jungen Firma, die mit einem neuartigen Absaugverfahren Stauseen vor der Verlandung schützt und dafür bereits als Innovationspreisträger 2015 gehandelt wird. „Staudämme stellen zwar Wasser bereit, doch bedeutet es auch einen Eingriff ins Ökosystem“, erklärte Bartelt in Wallenhorst. Ablagerungen im Staubereich würden den Fluss aus dem Gleichgewicht bringen und die Erosion der Küsten begünstigen.

Mit erschreckenden Problemen wurden die Teilnehmer des Symposiums also konfrontiert. Doch Burkhard Huch, Vorstandsvorsitzender der Rut-und-Klaus-Bahlsen-Stiftung, zeigte sich überzeugt davon, dass die Hochschule Osnabrück mit ihrer Forschungs- und Lehreinheit zu deren Lösung beitragen kann. „Aus ihr gehen neue Experten mit einem ganzheitlichen Verständnis hervor.“


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