Solaranlagen machen Probleme Sorgt die Sonnenfinsternis in Osnabrück für Netzschwankungen?

Die partielle Sonnenfinsternis im August 2008, fotografiert durch ein Teleskop der Sternwarte der Fachhochschule in Kiel. Foto: Kieler PlanetariumDie partielle Sonnenfinsternis im August 2008, fotografiert durch ein Teleskop der Sternwarte der Fachhochschule in Kiel. Foto: Kieler Planetarium

Osnabrück. Für Astronomen ist sie ein seltenes Spektakel, für Stromnetzbetreiber eine Herausforderung: Am 20. März wird in Mitteleuropa eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen sein – und möglicherweise Auswirkungen auch auf das Osnabrücker Stromnetz haben.

Zu rund 80 Prozent wird der Mond am 20. März die Sonne verdunkeln, das Spektakel findet vormittags zwischen 9.30 und 12 Uhr statt.

Was hat eine Sonnenfinsternis mit der Stromversorgung zu tun?

„Anders als noch bei der letzten Sonnenfinsternis im Jahr 2003 haben wir in Deutschland mittlerweile aber einen hohen Solarstromanteil“, erläutert Heinz-Werner Hölscher, Geschäftsführer der Stadtwerke-Netzbetriebstochter SWO Netz GmbH.

Die installierte Leistung aller Fotovoltaikanlagen in Deutschland beträgt mittlerweile 39.000 Megawatt – das entspricht der Leistung von knapp vierzig Großkraftwerken und etwa der halben Netzhöchstlast von 80.000 Megawatt. „Wenn der 20. März ein sonniger Tag wird, dann bricht die Solarstrom-Einspeisung zu Beginn der Sonnenfinsternis rapide ein“, so Hölscher weiter. Nach Berechnungen der vier großen Übertragungsnetzbetreiber um 12.000 Megawatt, um dann bis zur Mittagszeit wieder um 19.000 Megawatt hochzuschnellen.

Schon deshalb bereiten sich die großen Netzbetreiber bereits seit Monaten auf die möglichen Szenarien vor, um das deutsche Stromnetz an diesem besonderen Tag stabil halten zu können. (Weiterlesen: Sonnenfinsternis: Droht Stromnetzen ein Blackout?)

Osnabrück ist vom „großen“ Stromnetz abhängig

„Als regionaler Verteilnetzbetreiber sind wir letztlich davon abhängig, was in den sogenannten vorgelagerten Höchst- und Hochspannungsnetzen passiert“, erläutert Ulrich Clausmeyer, Leiter Netzführung bei der SWO Netz GmbH, die möglichen Auswirkungen für Osnabrück. „Schwankungen im vorgelagerten Netz können wie in einer Kettenreaktion auch bei uns zu Auswirkungen führen.“

Letztlich hänge die tatsächliche Situation von vielen Faktoren ab: Stehen ausreichend flexible Ersatzkapazitäten zur Verfügung? Wie verhalten sich die Stromverbraucher während der Sonnenfinsternis? Oder ist es womöglich stark bewölkt? „Dann brauchen wir uns keine großen Gedanken zu machen“, so Clausmeyer weiter.

Osnabrücker Solarstromanteil ohne maßgeblichen Einfluss

Die mittlerweile 1.000 ans Osnabrücker Stromnetz angeschlossenen Fotovoltaikanlagen werden dagegen kaum Einfluss auf mögliche Schwankungen haben. „Die 1.000 Anlagen haben eine installierte Gesamtleistung von 16 Megawatt – der hochgerechte Gesamtertrag dieser Anlagen pro Jahr entspricht dem Verbrauch von 3.800 Haushalten“, erläutert Heinz-Werner Hölscher.

„Wenn ‚nur‘ die Osnabrücker Solarstromanlagen aufgrund der Sonnenfinsternis gleichzeitig nicht mehr einspeisen, könnten wir das in Osnabrück kompensieren – aber eine rein ‚lokale‘ Sonnenfinsternis gibt es nun mal nicht.“

Stadtwerke sind gewappnet

Die Stadtwerke Osnabrück und die SWO Netz GmbH sind jedenfalls für den 20. März bestens gewappnet und werden die Netzleitstelle sowie die Bereitschaftsdienste personell verstärken, um optimal vorbereitet zu sein und bei Bedarf flexibel reagieren zu können.


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