Serie über Chöre in der Region Vocalvielharmonie Osnabrück: „Eine große Sache im Jahr sollte sein“

„Das geht immer anders, als man denkt“: Holger Dolkemeyer (rechts) probt mit der Vocalvielharmonie „In Terra Pax“ von Frank Martin. Foto: Elvira Parton„Das geht immer anders, als man denkt“: Holger Dolkemeyer (rechts) probt mit der Vocalvielharmonie „In Terra Pax“ von Frank Martin. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Die Vocalvielharmonie Osnabrück singt auf hohem Niveau. Das muss sie auch, schließlich ist der Chor so etwas wie ein musikalischer Botschafter der Stadt, wenn auch nicht unbedingt im offiziellen Auftrag.

Das Oratorium „In Terra Pax“ von Frank Martin ist ein sperriges Stück Musik. Ständig wechselt die Melodie ihre Richtung, schlägt tonale Haken wie ein Hase auf der Flucht. „Das geht immer anders, als man denkt“, sagt Holger Dolkemeyer zu seiner Vocalvielharmonie Osnabrück. Die Sänger üben zunächst im Sitzen, nur Dolkemeyer steht, die rechte Hand spielt die Melodie am Klavier mit und gibt Orientierung; die linke Hand dirigiert die Sängerinnen und Sänger, die heute zur Probe ins Lutherhaus gekommen sind.

Ursprünglich als VHS-Chor gegründet, feierte die Vocalvielharmonie letztes Jahr 25-jähriges Jubiläum. Allein: Das ist noch kein Qualitätskriterium. Das ist schon eher der Umstand, dass den Chor keine Nachwuchssorgen plagen. Im Gegenteil: „Wir sind jetzt 80 Sängerinnen und Sänger, da ist es dann mal gut“, sagt Dolkemeyer. Sicher, ein paar Männerstimmen schaden nie, und um Sängerinnen für den ersten Sopran wirbt der Chor auf seiner Homepage auch. Aber grundsätzlich möchte sich der Chorleiter jetzt damit nicht belasten – derzeit läuft eine intensive Probenphase für ein Doppelkonzert am 9. und 10. Mai. Zusammen mit dem Orchester der Osnabrücker Musikfreunde und der Kantorei St. Martin Bramsche führt die Vocalvielharmonie dann eben „In Terra Pax“ von Frank Martin auf.

„Eine große Sache im Jahr sollte sein“, sagt Dolkemeyer; all die Mühen und Anstrengungen sollen ein konkretes Ziel haben. Die Früchte dieser Arbeit ernten die Vocalvielharmoniker dann mit Konzerten in Osnabrück und Umgebung, aber auch mal in Berlin, in Dresden oder auch mal in Oldenzaal. Dafür betreibt der Chor einen gewissen Aufwand: Das Einsingen besorgt die Sängerin Katrin Janssen-Oolo, und während der Chor danach in die Probenarbeit einsteigt, greift sich Janssen-Oolo zwei Sängerinnen oder Sänger heraus und lässt ihnen eine Gesangsstunde zukommen. Dieser Service geht reihum, „bis zum 9. Mai habe ich alle Gruppen einmal durch“, sagt die Sängerin. Das gewährleistet das hohe Niveau.

Dolkemeyer arbeitet sich währenddessen Stück für Stück durch Frank Martins Oratorium. „Das ist ein ganz gefährlicher Ton“, sagt der Chorleiter, „weil das so langsam ist und dann irgendwann die Stütze weg ist“. Dazu greift er sich in die Hüfte, dort, wo der Muskelapparat die Atmung kontrolliert und die Töne stützt. Dann ist er durch mit der Detailarbeit: „Jetzt bitte einmal im Stehen“, sagt er, und lässt den Abschnitt „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ durchsingen. „Der letzte Ton muss einem durch Mark und Bein gehen“, sagt Dolkemeyer , und noch mal: „Nicht die Stütze wegbrechen lassen.“

Neue Sänger müssen Vorkenntnisse mitbringen und sich dem Ohr von Katrin Janssen-Oolo stellen: Sie beurteilt, ob jemand Tenor oder Bass singt, Sopran oder Alt, und wenn jemand nicht ins Stimmgefüge passt, sagt Janssen-Oolo das auch. Nur so wird die Vocalvielharmonie den Ansprüchen der Einzelnen gerecht, nur so hält die Begeisterung. „Chor muss sein“, sagt ein Bassist, und eine Altistin begeistert sich für dieses „tolle Gefühl, dass wir gemeinsam stark sind“.


Name: Osnabrücker Vocalvielharmonie

Chorleiter: Holger Dolkemeyer

Proben: mittwochs, 20.15–22 Uhr, im Lutherhaus, Jahnstraße 1

Organisation: freier Zusammenschluss, kein Verein, kein Mitglied in einem Chorverband

Kosten: 10 Euro monatl.

Kontakt: Telefon 0541/ 430803; Internet: www. vocalvielharmonie- osnabrueck.de

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