Nach vier Wochen nicht beerdigt Bizarrer Rechtsstreit um Beerdigung auf Schloss-Insel

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Die gewünschte letzte Ruhestätte: Auf der Friedhofsinsel von Schloss Hüffe in Preußisch Oldendorf könnte Ursula Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer, geborene Freytag, jetzt neben ihrem Mann beerdigt werden.Foto: Magnus ManskeDie gewünschte letzte Ruhestätte: Auf der Friedhofsinsel von Schloss Hüffe in Preußisch Oldendorf könnte Ursula Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer, geborene Freytag, jetzt neben ihrem Mann beerdigt werden.Foto: Magnus Manske

Osnabrück. Sowohl vor dem Osnabrücker Amtsgericht als auch beim Verwaltungsgericht in Minden ist am Freitag ein Urteil in Rechtsverfahren wegen der Sarg-Beerdigung einer Verstorbenen ergangen. Die Frau ist am 1. Februar verstorben. Der Stiefsohn wollte eine Einäscherung erreichen, doch sowohl das Amtsgericht als auch das Verwaltungsgericht in Minden haben am Freitag gegen ihn entschieden. Hintergrund des Streits sind auch Auseinandersetzungen um ein Millionenerbe.

Erbitterte Erbauseinandersetzungen gehören zum Gerichtsalltag. Aber ein heftiger Streit um einen Leichnam – daran kann sich der Sprecher des Osnabrücker Amtsgerichts nicht erinnern: „Mir ist nicht bekannt, dass wir so etwas schon einmal hatten.“ Am Freitag hat es das Urteil in einem bizarren Verfahren um eine Sarg-Beisetzung gegeben.

Damit könnte eine Verstorbene, die inzwischen seit fast vier Wochen bei minus drei Grad in der Kühlung des Heger Friedhofes in Osnabrück liegt, endlich ihre gewünschte letzte Ruhe finden. Normalerweise ist Angehörigen, Verwandten und Freunden der Frieden eines Verstorbenen heilig. Und nach dem Niedersächsischen Bestattungsgesetz soll auch innerhalb von zehn Tagen nach einem Todesfall die Beisetzung erfolgen. Aber in diesem Fall ist alles anders. Gerichte mussten entscheiden.

Denn nach dem Tod von Ursula Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer, geborene Freytag, ist Streit entbrannt. Auf den ersten Blick geht es nur um die Frage, wie und wo die Tote beerdigt werden darf. Dahinter bahnt sich aber auch ein Erbrechtsstreit an. Denn es geht um ein beträchtliches Vermögen, zu dem das mehrere Millionen Euro teure Schloss Hüffe, ein beträchtliches Barvermögen sowie Schmuck und Inventar zählen.

Die 73-jährige Tote ist die Witwe des 1994 verstorbenen „Paracelsus Kliniken“-Unternehmensbegründers Hartmut Krukemeyer. In ihrem Testament und in einer Bestattungsanordnung hat die Seniorin in den letzten Wochen ihres Lebens festgelegt, dass sie neben ihrem Mann in einer Grabkammer auf der Friedhofsinsel des Schlosses Hüffe in Preußisch Oldendorf beerdigt werden will.

Das will ihr Stiefsohn Manfred Krukemeyer mit allen Mitteln verhindern. Der erfolgreiche Geschäftsmann ist seit Mitte der 90er Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und einziger Gesellschafter der von Osnabrück aus operierenden Paracelsus-Klinik Deutschland GmbH & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) mit 40 Einrichtungen an 22 Standorten und rund 5000 Mitarbeitern .

Er ist nach wie vor als Alleinerbe eingesetzt. Aber seine Stiefmutter hat kurz vor ihrem Tod das Testament noch einmal „angepasst“ und bei sogenannten Vermächtnisnehmern – Personen, die auch bedacht werden – Änderungen vorgenommen. Das scheint aber für einige Personen überraschend gekommen zu sein und Nervosität ausgelöst zu haben.

Plötzlich sieht sich die langjährige Freundin der verstorbenen Gräfin, in deren Haus die schwerst Krebskranke im letzten Lebensjahr gepflegt worden ist, Verdächtigungen und Unterstellungen aus dem engsten Familienkreis ausgesetzt. Der Frau ist in der Bestattungsanordnung auch die Totenfürsorge übertragen worden.

Sogar eine Obduktion des Leichnams wurde angeordnet, nachdem eine direkte Verwandte plötzlich Zweifel an einem natürlichen Ableben geäußert hatte. Dazu musste die Verstorbene vom Todesort am Niederrhein nach Hamburg gebracht werden. In der Hansestadt gibt es eines der wenigen Institute, die solche toxikologischen Untersuchungen vornehmen können.

Manfred Krukemeyer hat unmittelbar nach dem Tod der Stiefmutter beim Amtsgericht Lübbecke eine Nachlasspflegschaft erreicht, um „missbräuchliche Verfügungen“ auszuschließen. Seither sind eine Rechtspflegerin des Amtsgerichts, der eingesetzte Nachlasspfleger, der Stiefsohn und ein von der Verstorbenen mit einer unwiderruflichen Vollmacht ausgestatteter Testamentsvollstrecker mit der Abwicklung des letzten Willens beschäftigt.

Der Stiefsohn will eine Einäscherung. Vor zwei Wochen hatte das Amtsgericht deshalb Krukemeyer bereits auf Antrag der Freundin der Verstorbenen untersagt, seine Stiefmutter einäschern zu lassen und „auf andere Art und Weise“ zu bestatten als durch eine Sarg-Beisetzung auf der Friedhofsinsel.

Dagegen hatte der Stiefsohn Rechtsmittel eingelegt. Vergeblich. Das Freitag ergangene Urteil bestätigt die einstweilige Verfügung vom 9. Februar.

Krukemeyers Anwalt kündigte in der Gerichtsverhandlung an, dass die Wirksamkeit des Testaments der Toten in Zweifel gezogen wird.

Der Grund: Die Medikation hätte in der letzten Lebensphase zu einem „Verlust der Willensfreiheit der Erblasserin“ geführt. Mit den Worten „Das Hauptschlachtfeld ist vor dem Landgericht Osnabrück“ signalisierte der Rechtsanwalt, dass sowohl das Urteil des Amtsgerichts als auch der Letzte Wille angefochten werden. Das lässt auf einen mit allen Mitteln geführten Erbstreit schließen.

Auch hier gäbe es eine besondere Note: Die Tote hat in ihrem handschriftlichen Letzten Willen festgelegt: „Sollte einer der mit diesem Testament Begünstigten die Wirksamkeit durch ein Schreiben bzw. gerichtliches Verfahren angreifen, erhält er nichts.“

Am Freitag ist nicht nur vor dem Osnabrücker Amtsgericht, sondern auch beim Verwaltungsgericht Minden gegen Krukemeyer entschieden worden. Dort war er gegen die Genehmigung der Erdbestattung auf der Friedhofsinsel durch die Stadt Preußisch Oldendorf vorgegangen. Doch die 11. Kammer hat den Antrag abgelehnt.

Jetzt könnte kommende Woche endlich die Bestattung erfolgen, wenn der eingesetzte Nachlasspfleger den Zugang zur Friedhofsinsel von Schloss Hüffe freigibt.

Darauf hofft die langjährige Freundin der Toten: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass der letzte Herzenswunsch von Katharina endlich umgesetzt werden kann.“ Der Streit ums Erbe dürfte aber weitergehen.


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