Achtung: Kontrolle Polizei Osnabrück geht gegen radelnde Verkehrssünder vor

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Osnabrück. Immer wieder kommt es in Osnabrück zu schweren Unfällen mit Radfahrern – und der Statistik zufolge sind sie bei jedem dritten schuld. Seit drei Monaten kontrolliert die Polizei verstärkt Radfahrer und wirbt für Verständnis. Unsere Redaktion hat zwei Beamte bei einer solchen Kontrolle begleitet.

  • Seit Dezember kontrolliert die Polizei verstärkt Radfahrer, aber auch andere Verkehrsteilnehmer.
  • Seit Januar ahndet sie alle Vergehen mit Verwarnungs- und Bußgeldern.
  • Längst nicht alle kontrollierten Radfahrer zeigen Verständnis.
  • Die Kontrollen laufen noch bis mindestens Ende März.

Die Sonne an diesem Mittag scheint hell, die Temperaturen sind mild. Perfektes Wetter für Radfahrer – und eine Kontrolle. Chris Gehring von der Bereitschaftspolizei kontrolliert das EC-Karten-Gerät, sein Kollege Martin Riesenbeck zieht die schusssichere Weste über. „Man weiß ja nie“, erklärt er. Sie steigen in einen Streifenwagen, wollen mehrere Stunden durch die Stadt fahren und Fahrradfahrer aufspüren, die rote Ampeln missachten, auf der falschen Seite oder auf Gehwegen fahren. Vier weitere Beamte sind schon unterwegs.

Hundert Euro für die rote Ampel

Nur wenige Minuten nach Abfahrt entdecken sie am Heger-Tor-Wall den ersten Verkehrssünder: Ein alter Mann fährt vor der Ampel auf den Gehweg und umfährt so das Rotlicht. Danach fährt er auf dem Gehweg weiter. Riesenbeck und Gehring lassen das Auto am Straßenrand stehen und stellen den Mann zur Rede. Der dementiert ein Fehlverhalten, ist aufgeregt, obgleich die Beamten ihm in ruhigem Ton sein Fehlverhalten erklären. Der Mann spricht nicht gut Deutsch und versteht nicht alles, was die Polizisten sagen. Aber er versteht: Die rote Ampel kostet ihn hundert Euro und einen Punkt in Flensburg, sofern er einen Führerschein besitzt. Verständnis fehlt, er ist uneinsichtig und beteuert: „Ich bin nicht bei Rot gefahren.“

Es nützt ihm nichts: In wenigen Wochen wird er den Bußgeldbescheid bekommen. „Zum Schluss hatte ich das Gefühl, er hat es doch verstanden“, sagt Riesenbeck. Etwas leid tut ihm der Mann dennoch, „der hat ja offenbar nicht viel Geld“, vermutet der 31-Jährige. „Insbesondere bei älteren Menschen ist das Verständnis oft nicht da“, sagt Gehring. Ihnen sei ja noch nie etwas passiert, bekämen die beiden oft zu hören. Immerhin bleibt dem Radler eine Kontrolle des Lichts und der Bremsen seines nicht sehr sicher aussehenden Rades erspart.

Jedes Vergehen kostet

Die Polizei kontrolliert Radfahrer derzeit nicht ohne Grund. Im Jahr 2013 wurden 263 Radfahrer bei Unfällen in Osnabrück verletzt. „An jedem dritten Unfall mit Radfahrern haben die Radfahrer selbst schuld“, sagt Polizeisprecher Georg Linke. Folglich müsse die Polizei auch diese kontrollieren. Ein- bis zweimal pro Woche sind vier bis acht Beamte für die Kontrollen unterwegs.

Kontrollen sollen abschrecken

Im Dezember beließ es die Polizei meistens bei mündlichen Verwarnungen und suchte das Gespräch, um Radfahrer für die Gefahren im Verkehr zu sensibilisieren. „Jetzt ahnden wir alles – die Verwarnungsphase ist vorbei“, sagt Riesenbeck. Der Stadt seien die Gefahren in der Stadt bekannt. Bauliche Maßnahmen würden aber dauern, oftmals fehle das Geld, sagt er. „Wir können zwar auch nicht zaubern, aber direkt auf die Radfahrer einwirken.“ Riesenbeck und Gehring wollen zwar mit Bußgeldern bestrafen – der Mundpropaganda mit abschreckender Wirkung wegen. Besonders wichtig sei es ihnen aber, alle Verkehrsteilnehmer für die Gefahren auf den Straßen zu sensibilisieren. „Schneller und einfacher als andere Maßnahmen“, ist Riesenbeck überzeugt.

„Kein Verständnis“

Weiter geht die Fahrt – nur wenige Meter weit. Gehring und Riesenbeck beobachten eine Frau, die von der Straße Derby-Platz in die Dielingerstraße abbiegt. Auch sie nimmt bei Rot die Abkürzung über den Gehweg. Die Beamten stoppen sie und erklären ihr das Fehlverhalten. Aber Verständnis? „Wo Gefahr droht, da zeige ich Verständnis – aber nicht in diesem Fall“, sagt die vielleicht 40-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Bilanz auch hier: 100 Euro, ein Punkt.

Während der Fahrt durch die Stadt sind trotz des schönen Wetters nur wenige Radfahrer unterwegs – und die meisten verhalten sich regelkonform. Am Bahnhof treffen Gehring und Riesenbeck auf Kollegen, die einen Radfahrer mit Handy am Ohr erwischt haben. Doch das ist nicht das einzige Problem: Der Ausländer hat keinen Aufenthaltstitel für Niedersachsen, nur für Nordrhein-Westfalen. Für das Telefonieren auf dem Drahtesel bekommt er dennoch Post. Laut Bußgeldkatalog kostete ihn das Gespräch 25 Euro.

Auf dem Johannistorwall stoppen die Polizisten wenige Minuten später eine Frau, die auf der falschen Seite und auf dem Gehweg gefahren ist. Auch sie wirkt wenig erfreut über die Kontrolle. Eben erst war sie aus einem Haus gekommen. „Und ich hatte es eilig“, erklärt sie. Wieder versuchen die Polizisten zu sensibilisieren. Die 23-Jährige wirkt zwar genervt, aber: „Dafür habe ich Verständnis, das ist ja auch wichtig“, sagt sie zur Kontrolle. Zehn Euro wird sie nach Erhalten der Post trotzdem zahlen müssen.

Auch Autos im Visier

Wenige Minuten später entdecken Gehring und Riesenbeck eine Mercedes A-Klasse, die auf dem Radweg der Iburger Straße parkt. „Hier stehen oft Autos auf den Radwegen“, sagt Riesenbeck. Kaum begutachten die Kollegen das Auto, kommt eine Frau aus einem Geschäft gerannt und begrüßt die Beamten mit einem „Nur ganz kurz“. Nur kurz zum Einkaufen habe sie das Auto auf dem Radstreifen abgestellt. Die Ausrede nützt nichts, die Beamten erklären der Frau, wie gefährlich das Parken auf dem Radweg für Radfahrer ist. Sie wird Post bekommen wegen zwei Ordnungswidrigkeiten: Parken auf dem Radweg, zudem hat sie weder Personalausweis, Führerschein noch Fahrzeugschein dabei. Ihrem Mann wird der Brief nicht gefallen, sagt die Frau. „Aber Sie haben ja recht, das passiert nicht wieder“, versichert sie.

Bis zum 31. März läuft das Projekt – vorerst. Danach geht es womöglich weiter.


Seit Anfang Dezember 2013 kontrolliert die Polizei verstärkt Radfahrer. Anfangs beließ sie es, sofern vertretbar, bei mündlichen Verwarnungen. Seit Januar kassiert die Polizei für jedes Vergehen. Seither führte sie Kontrollen im „mehrfach dreistelligen“ Bereich durch, sagt Polizeisprecher Georg Linke. Ebenfalls im mehrfach dreistelligen Bereich seien die festgestellten Verstöße.

Zu den häufigsten Verstößen gehören das Fahren in entgegengesetzter Richtung, das Fahren auf dem Gehweg sowie das Überfahren einer roten Ampel. Es seien genau diese Vergehen, die häufig zu Unfällen führen, sagt Linke. Nur schwere Verstöße werden mit einem Bußgeld bestraft (mehr als 35 Euro), die dann automatisch über die Bußgeldstelle der jeweiligen Kommune laufen. Verwarngelder bis 35 Euro können sofort per EC-Karte beglichen werden. (yjs)

Was kosten die einzelnen Vergehen? Hier finden Sie ein PDF zum Herunterladen mit den meisten Vergehen samt der Höhe der Bußgelder!

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