Berufsorientierung Technikum-Absolventinnen in Osnabrück verabschiedet

Von Almut Hülsmeyer


Osnabrück. „Ich bin super glücklich, dass ich mitgemacht habe“, sagt Anna-Lena Harting. Die 18-Jährige ist eine von 25 jungen Frauen, die in den vergangenen sechs Monaten am Niedersachsen-Technikum teilgenommen haben. Zusammen mit regionalen Betrieben bieten die Hochschule und die Universität Osnabrück Abiturientinnen die Möglichkeit, verschiedene naturwissenschaftliche und technische Berufsfelder kennenzulernen. Bei der Abschlussveranstaltung im Schloss präsentierten die diesjährigen Absolventinnen am Mittwoch ihre Projekte, die sie in ihren Betrieben selbstständig bearbeitet haben.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative vor fünf Jahren an der Hochschule Osnabrück. Nach einer ersten Erprobungsphase führten elf weitere Hochschulen das Niedersachsen-Technikum ein. Ziel des Berufsorientierungsprojekts ist es, Frauen für ein Studium oder eine Ausbildung in den sogenannten MINT-Fächern zu begeistern.

Ein halbes Jahr lang arbeiten die Teilnehmerinnen in verschiedenen Unternehmen mit und besuchen parallel Veranstaltungen an der Hochschule und der Universität. Dazu gehören unter anderem Vorlesungen in Mathematik, Physik und Informatik. Dort erbrachte Leistungen können sich die sogenannten Technikantinnen bei einem späteren Studium anrechnen lassen.

Manche Teilnehmerinnen werden durch den Besuch der Lehrveranstaltungen auch erst ermutigt, überhaupt ein Studium aufzunehmen, so wie Sina Dobelmann. Sie gehört zum ersten Jahrgang, der in Osnabrück das Niedersachsen-Technikum absolvierte. Ursprünglich habe sie auf keinen Fall studieren wollen, erzählt die 23-Jährige, die der Überzeugung war, dass das Lernen an der Hochschule nicht das Richtige für sie sei. Doch dann habe sie sechs Monate bei Miele in Gütersloh als Praktikantin gearbeitet. „Danach wusste ich, dass ich für das, was ich machen möchte, ein Studium brauche“, sagt Dobelmann, die gerade in Osnabrück ihren Bachelor in Elektrotechnik abschließt. Zu wissen, wo man hinwolle, habe ihr geholfen, auch dann durchzuhalten, wenn es im Studium schwierig gewesen sei, sagt die Studentin.

Auch Anna-Lena Harting hat das Technikum bei ihrer Berufsorientierung genützt. Sie hat sich nach ihrem Praktikum bei der ZF Friedrichshafen AG entschieden, ab Herbst ein Studium in Technologiemanagement zu beginnen. Damit gehört sie laut der Technikum-Anbieter zu den neun der zehn Teilnehmerinnen, die sich nach Abschluss des Projekts für ein Studium oder eine Ausbildung in den MINT-Fächern entscheiden.

Für den Erfolg des Technikums sprechen auch die steigenden Teilnehmerzahlen. 2010 habe man das Projekt mit sieben jungen Frauen begonnen, gegenwärtig habe man 25 Technikantinnen, berichtet Prof. Barbara Schwarze, die die Zentrale Koordinierungsstelle des Niedersachsen-Technikums leitet. Insgesamt nahmen am Technikum 2014/2015 in Niedersachsen über hundert Frauen teil. Für Schwarze können die Absolventinnen auch eine wichtige Vorbildfunktion in den naturwissenschaftlichen und technischen Berufen übernehmen. Weibliche Vorbilder gebe es dort derzeit noch wenig.