12. Osnabrücker Kolloquium Streit um Promotionsrecht: Mehr Klasse statt Masse

Stritten in Osnabrück über das Promotionsrecht für Fachhochschulen: (von links) Moderator Frank Ziegele, Professor für Hochschul- und Wissenschaftsmanagement an der Hochschule Osnabrück, die Journalistin und Hochschulmanagerin Marion Schmidt sowie Nicolai Müller-Bromley, Juraprofessor an der Osnabrücker Hochschulfakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und zugleich Präsident des Hochschullehrerbundes. Foto: Jörn MartensStritten in Osnabrück über das Promotionsrecht für Fachhochschulen: (von links) Moderator Frank Ziegele, Professor für Hochschul- und Wissenschaftsmanagement an der Hochschule Osnabrück, die Journalistin und Hochschulmanagerin Marion Schmidt sowie Nicolai Müller-Bromley, Juraprofessor an der Osnabrücker Hochschulfakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und zugleich Präsident des Hochschullehrerbundes. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mehr Klasse statt Masse bei Promotionen: Für eine bessere Qualität in der Ausbildung von Doktoranden haben sich Fachleute aus dem Hochschul- und Wissenschaftsmanagement bei einer Tagung in Osnabrück ausgesprochen. Uneinig waren sie sich darüber, wie dieses Ziel zu erreichen sei.

Sollen wissenschaftliche Nachwuchstalente künftig auch an Fachhochschulen promovieren dürfen? Oder muss es Universitäten vorbehalten bleiben, aufstrebenden Akademikern einen Doktortitel zu verleihen? Um diese Frage kreiste das 12. Osnabrücker Kolloquium zum Hochschul- und Wissenschaftsmanagement am Donnerstag auf dem Caprivi-Campus. Zwei prominente Befürworter und Gegner eines Promotionsrechts für Fachhochschulen lieferten sich zum Auftakt ein Streitgespräch: Nicolai Müller-Bromley, Juraprofessor der Hochschule Osnabrück und Präsident des Hochschullehrerbundes (HLB), sowie die Journalistin und Hochschulmanagerin Marion Schmidt.

Mehr Schaden als Nutzen

Letztere hatte im Mai 2014 einen aufsehenerregenden Artikel für „Die Zeit“ verfasst, in dem sie die Fachhochschulen davor warnte, zum Preis eines vermeintlichen Privilegs ihre Identität zu verkaufen. Viel von dem, was den Unterschied zur Universität ausmache, stehe auf dem Spiel: innovative Lehre, Praxisnähe, schneller Jobeinstieg, das bessere Betreuungsverhältnis von Professoren und Studenten. Vor den Tagungsteilnehmern untermauerte Schmidt ihre ablehnende Haltung: „Das Promotionsrecht schadet den Fachhochschulen mehr, als es ihnen nützt.“

Sie warb für „Ausdifferenzierung und Profilierung statt Gleichmacherei“ und äußerte die Sorge, dass ein institutionelles Promotionsrecht für Fachhochschulen wettbewerbsverzerrende Begehrlichkeiten in außeruniversitären Forschungseinrichtungen wecke, ebenso wie ein individuelles Promotionsrecht für ausgewählte FH-Professoren betriebsintern zu „Neid und Missgunst“ führe.

Peinlicher Name

Höhnisch stellte Schmidt fest: Im Streben, zu den Universitäten aufzuschließen, sei den Fachhochschulen sogar ihr Name peinlich geworden. „Heute nennen sie sich einfach Hochschule oder gleich University of Applied Sciences.“ Ein Seitenhieb, der auch den Gastgebern des Kolloquiums nicht entgangen sein dürfte. Schließlich hat auch die Hochschule Osnabrück den Zusatz „Fach“ aus ihrem Briefkopf gestrichen – und dafür genau jenen international anmutenden, aber doppelzüngigen Zusatz aufs Schild gehoben, der zwar ihre Andersartigkeit durch anwendungsorientierte Wissenschaft betont, sie aber (freilich auch mangels eines entsprechenden Begriffs im Englischen) als gleichwertig zur Universität erscheinen lässt.

Dünkel und Abgrenzung

Schmidts Widerpart, der HLB-Präsident Müller-Bromley, beschrieb das Promotionsrecht der Universitäten als „Relikt aus einer längst vergangenen Epoche“. Die Bologna-Reform von 1999, bei der die Studienabschlüsse gleichgestellt wurden (und Bachelor oder Master seither ohne den früheren Zusatz „FH“ auskommen), habe viele Unterschiede zwischen den Hochschulformen beseitigt – aber eben nicht alle. Nach wie vor würden FH-Absolventen systematisch ausgebremst, wenn sie ihren für die wissenschaftliche Laufbahn unerlässlichen Doktor machen wollen. „Das hat keine Berechtigung mehr in der schönen, neuen Hochschulwelt“, erklärte Müller-Bromley. Und nicht einmal Kritikerin Schmidt mochte abstreiten, dass für diese Art von Karrierebremse auch „Dünkel und Abgrenzung“ verantwortlich sei, der an Universitäten herrsche.

Zu viele Doktoranden

Einig waren sich die beiden Streitenden ohnedies darin, dass es in Deutschland nicht zu wenige, sondern eher zu viele Doktoranden gibt. Mit der Folge, dass die Aussagekraft des akademischen Titels verwässere. „Wir haben kein Mengenproblem, sondern ein Qualitätsproblem“, diagnostizierte Schmidt. Und Müller-Bromley forderte beipflichtend: „Wir brauchen Qualitätskontrollen in der Doktorandenausbildung, der sich Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen stellen müssen.“ (Weiterlesen: Lohnt sich der Doktortitel? Wissenswertes zur Promotion an der Uni Osnabrück)


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