Attacke mit gefährlichen Folgen Osnabrücker Bäderchef von Teenager angegriffen

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Bäderchef Wolfgang Hermle wurde 2014 Opfer einer Attacke eines 15-Jährigen. Die Spätfolgen entpuppten sich als lebensgefährlich. Hier am Fahrradstand des Nettebades ist es im vergangenen Jahr passiert. Foto: Elvira PartonBäderchef Wolfgang Hermle wurde 2014 Opfer einer Attacke eines 15-Jährigen. Die Spätfolgen entpuppten sich als lebensgefährlich. Hier am Fahrradstand des Nettebades ist es im vergangenen Jahr passiert. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Erst holte ihn ein Muskelbündelriss von den Beinen, dann entstand daraus sogar eine Lungenembolie: Für Wolfgang Hermle hatte der Kampf mit einem 15-jährigen Randalierer schwere gesundheitliche Konsequenzen. Trotzdem würde er den Jugendlichen unter bestimmten Voraussetzungen gerne regelmäßig in einem der städtischen Bäder wiedersehen.

Jammern ist wirklich nicht die Sache von Wolfgang Hermle, deshalb erwähnt er den lebensbedrohlichen Verschluss eines Blutgefäßes auch nur wie nebenbei. „Ja, durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen ist daraus auch noch eine Lungenembolie entstanden, deshalb musste ich im November ins Krankenhaus.“

Die Auseinandersetzung mit dem nun zu vier Wochen Jugendarrest verurteilten Mehrfach-Straftäter hatte am 4. August des vergangenen Jahres stattgefunden. Der 15-Jährige schlug in den Abendstunden immer wieder ein Kinderfahrrad gegen einen Pflanzenkübel. Wolfgang Hermle, der direkt neben dem Nettebad wohnt, bekam den Gewaltausbruch mit und forderte den Jungen auf, es bleiben zu lassen. „Er meinte zu mir, das gehe mich überhaupt nichts an.“

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Hermle war verständlicherweise anderer Meinung, der alkoholisierte Junge wollte ihm aber nicht glauben, dass er der Chef des Nettebades ist. An der Kasse des Schwimmbades erfuhr der 15-Jährige, dass er unrecht hatte. Weil Hermle die Polizei gerufen hatte, um die Personalien des Jungen feststellen zu lassen, sprang der plötzlich über das Drehkreuz und flüchtete durch das Freibad. Der Bäderchef fing ihn draußen ab, eine hinzueilende Mitarbeiterin sagte, sie habe dem Jungen erst am Vortag ein Hausverbot im Schinkelbad erteilt. Daraufhin versuchte Hermle, den 15-Jährigen mit einem Griff in den Nacken und an den Oberarm bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Das gelang ihm nicht, der Junge machte sich los, schubste Hermle, der das Gleichgewicht verlor und einen Ausfallschritt machen musste. „Dabei ist ein großes Muskelbündel im hinteren Oberschenkel gerissen.“ Er sei umgefallen wie ein Sack Mehl, der Körper war völlig lahmgelegt. Die Heilung des Risses verlief alles andere als ideal, am Ende entstand daraus die Lungenembolie, die Hermle um ein Haar das Leben gekostet hätte. Er wurde in letzter Sekunde gerettet.

Mittlerweile ist der Bäderchef vollständig genesen und sagt, er wünsche dem 15-Jährigen, dass er aus dem Vorfall und der Verurteilung lerne. Allerdings hat Hermle Zweifel. „Ich habe ihn seitdem noch zweimal in der Stadt wiedergetroffen, beide Male war er rotzfrech zu mir.“

Zur körperlichen Auseinandersetzung mit jungen Männern, die sich in den oder um die städtischen Bäder herum aufhalten, werde er leider immer mal wieder gezwungen, sagt Hermle. „Dass aber einer derart körperlich aggressiv wird, habe ich noch nie erlebt.“ Für ihn ist klar, dass er im Notfall auch künftig das Hausrecht mit einem gewissen körperlichen Einsatz durchsetzen wird. „Das erwarte ich schließlich auch von meinen Mitarbeitern.“

Hermle würde sich freuen, wenn die Gerichte Täter wie den 15-Jährigen dazu verdonnerten, Sozialstunden in den Bädern abzuleisten. An seiner alten Wirkungsstätte in Filderstadt sei das häufig so passiert. „Die Jugendlichen kommen dann mit uns in regelmäßigen Kontakt, das wirkt sich eigentlich immer positiv auf ihr Verhalten als Besucher des Schwimmbades aus.“


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