Streit um Klitschko-Einladung „Bild“ verspottet Henning und die Osnabrücker SPD


Osnabrück. Der bevorstehende Besuch von Vitali Klitschko in Osnabrück wird zum überregionalen Medienthema, zumindest in den Springer-Blättern „Bild“ und „Die Welt“. Sie thematisieren den Vorstoß der Osnabrücker SPD, dem ehemaligen Boxchampion und Bürgermeister von Kiew die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt zu verweigern.

„Provinz-SPD löst Klitschko-Eklat aus“, titelt die Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung und weist darauf hin, dass der Hamburger Bürgermeister und Parteigenosse Olaf Scholz keine Berührungsängste gezeigt habe, als er Klitschko Anfang Dezember im Rathaus empfing. Auf der „Bild“-Titelseite vom Mittwoch wird der Osnabrücker SPD-Fraktionschef und Landtagsabgeordnete Frank Henning sogar als „Verlierer“ verspottet.

Differenzierter beleuchtet die Tageszeitung „Die Welt“ den Konflikt. „Warum Vitali Klitschko eine deutsche Stadt spaltet“ lautet ihre Schlagzeile. In Osnabrück sei ein „Kleinkrieg“ zwischen zwei Gruppen ausgebrochen, die sich gegenseitig als „Kalte Krieger“ und „Putin-Versteher“ diffamierten – eine Formulierung, die sich an die Berichterstattung unserer Redaktion anlehnt.

Klitschko wird am 26. März erwartet

Vitali Klitschko, der nicht nur Bürgermeister von Kiew, sondern auch Abgeordneter des ukrainischen Parlaments ist, wird am 26. März als Teilnehmer der Osnabrücker Friedensgespräche erwartet. Er hat zugesagt, mit dem CDU-Politiker Hans-Gert Pöttering und dem Journalisten Reinhard Lauterbach über die Situation in der Ukraine zu diskutieren. Gegen die Einladung von Klitschko erheben sich seit Wochen kritische Stimmen aus dem linken Spektrum, die in ihm den Vertreter eines faschistischen Systems sehen. Der ehemalige Boxweltmeister habe auf dem Maidan mit der rechtsextremen Swoboda-Partei paktiert, seine Teilnahme drohe das Renommee der Friedensgespräche zu beschädigen.

Dieser Kritik hat sich auch die SPD angeschlossen. In ihrem offenen Brief an den OB wirft sie ihm vor, er vertrete die Haltung seiner Nation im Krieg gegen Russland.

„Irritiert über die Haltung der Osnabrücker SPD äußert sich der CDU-Landtagsabgeordnete Burkhard Jasper. In einer Pressemitteilung schreibt er, es gebe „keinen triftigen Grund, Klitschko nicht im Goldenen Buch unterschreiben zu lassen“. Der Politiker sei in einer freien Wahl mit großer Mehrheit zum Bürgermeister gewählt worden und habe sich mit großem Engagement für die Demokratie in der Ukraine eingesetzt.

Ähnlich argumentiert die Osnabrücker FDP. Der Kreisvorsitzende Moritz Gallenkamp wirft der SPD und den Grünen ein bedenkliches Demokratieverständnis vor. Es gehöre „zu einer freiheitlich-demokratischen Grundeinstellung, einen Menschen zu Wort kommen zu lassen, wenn man ihn mit Vorwürfen konfrontiert.“ Klitschko sei ein demokratisch gewählter Abgeordneter, der in seiner Funktion als Bürgermeister in die Friedensstadt Osnabrück komme. Als Gesprächspartner von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei er „auch dazu geeignet, sich in unser Goldenes Buch einzutragen“.

Grüne gegen Schwarzweißmalerei

Die Grünen sehen im Streit über die Teilnahme des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko an den Friedensgesprächen einen Ausdruck der tiefen Verunsicherung in Deutschland, wie mit dem Konflikt in der Ukraine umgegangen werden soll. Aufgabe der Osnabrücker Friedensgespräche sei es, der interessierten Öffentlichkeit ein besseres Verständnis über die Hintergründe aktueller Konflikte zu entwickeln. Gerade in so komplizierten Situationen wie derzeit in der Ukraine seien vorschnelle Positionierungen und Vorurteile wenig hilfreich, erklären dazu Vorstandssprecherin Anne Kura und Fraktionschef Michael Hagedorn.

Für die Grünen sei Kritik an der Politik Klitschkos nachvollziehbar. Wer mit der rechtsextremen Swoboda-Partei und deren menschenverachtenden Ansichten zusammengearbeitet habe, müsse sich darüber nicht wundern. Ebenso berechtigt sei aber auch die Kritik an der völkerrechtswidrigen Unterstützung paramilitärischer Einheiten in der Ukraine durch Russland. Der Konflikt in der Ukraine sei so vielschichtig, dass Schwarzweißmalerei nicht weiterhelfe.

Zugleich vermerken die Grünen, dass die Debatte um Klitschko und das Goldene Buch mit einer „ausgewogeneren Gästeliste“ nicht gekommen wäre. Im Übrigen verweisen sie auf die Partnerschaft Osnabrücks zur russischen Stadt Twer.


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