Sticker auf die Windschutzscheibe Denkzettel für Falschparker auf Osnabrücker Radwegen

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Osnabrück. Parken auf dem Radweg? Das kann tödlich werden – für den nächsten Radler. Ein kleiner Schlenker auf die Fahrbahn, und der Ausflug endet im Jenseits. Oder im Rollstuhl. Mit Aufklebern auf der Windschutzscheibe weisen Aktivisten vom Osnabrücker ADFC Falschparker darauf hin, dass sie kein Kavaliersdelikt begehen.

Im Nieselregen machen sich sechs wackere Pedalisten vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) auf, um ihre Sticker zu verteilen. Die perfekte Witterung zum Radeln ist das zwar nicht, aber die Feuchtigkeit von oben bietet den Vorteil, dass die scheckkartengroßen Aufkleber nicht mit Spucke befeuchtet werden müssen, damit sie auf der Windschutzscheibe haften.

„Parke nicht auf unseren Wegen“: Seit mehr als 30 Jahren gibt es die kleinen Strafzettel für Falschparker. Und ebenso lange wird schon darüber gestritten, ob es sich womöglich um Sachbeschädigung handelt. Das nicht, meint Uwe Schmidt, der Vorsitzende der Osnabrücker ADFC-Gruppe. Wer die blau-weiße Mahnung auf eine Windschutzscheibe pappe, handle in einem rechtlichen Graubereich, begehe aber keine Sachbeschädigung.

Es soll Aktivisten geben, die gerne mal einen Sticker auf den Lack kleben, um dem Falschparker eins auszuwischen. Da könnte die juristische Beurteilung schon zu einem anderen Ergebnis führen. Aber der Osnabrücker Fahrrad-Club versteht seine Rundfahrt durch das Niemandsland der Falschparker nicht als Strafexpedition: Es sei keineswegs das Ziel, Autofahrer zu nerven, sagt der Vorsitzende Uwe Schmidt, „sondern ein Bewusstsein zu schaffen für Radfahrer und Fußgänger“. Das Ganze sei als „kleiner, netter Hinweis“ zu verstehen.

Am Heger-Tor-Wall schiebt der Anführer des Klebe-Konvois höchstpersönlich zwei Schilderständer vom Radweg, die auf einen bevorstehenden Umzug hinweisen. An der Iburger Straße entdeckt Schmidt einen grünen Bauschuttcontainer, der dem an dieser Stelle ohnehin schon schmalen Radweg die Schulterfreiheit nimmt. Ziemlich unscheinbar haftet der Sticker nun auf dem Stahlbehälter. Ob das die Entsorgungsfirma beeindruckt?

Autos, die auf Radwegen parken, werden natürlich auch gesichtet. Im einen oder anderen Fall muss Dreistigkeit das Motiv gewesen sein – frei nach dem Motto von Friedrich dem Großen: „Weil ich es kann!“ Da bleibt Radlern nur der gefährliche Weg über die Fahrbahn oder zu Fuß über den Gehweg.

Als wär’s verhext, stoßen die Denkzettelverteiler an diesem verregneten Nachmittag aber überwiegend auf Autos, deren Fahrer aus Unvermögen oder Schlampigkeit ihren Parkstreifen nicht richtig getroffen haben, sodass ein Reifen oder eine ganze Seite den Radweg einengt. Nein, da wird kein Auge zugedrückt. Uwe Schmidt greift in seine Tasche und klebt gleich doppelt: der eine Sticker ist von außen zu erkennen, der andere drängt sich ins Blickfeld, wenn der Fahrer schon hinter dem Lenkrad Platz genommen hat.

Bleibt noch die Frage, wie sich die Klebezettel von der Windschutzscheibe entfernen lassen. Am besten, so verraten die Radler, mit viel Wasser, aber ohne scharfe Gegenstände. Um die Erinnerung wachzuhalten, stellt der ADFC die Fotos der Falschparker auf der Seite „Osnabrücker Radwege“ ins Internet. Keine Sorge, die Kennzeichen wurden vorher unkenntlich gemacht.


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