Konzerte in Hagen a. T. W. Vokalconsort Osnabrück probt für „Ein deutsches Requiem“

Das Vokalconsort Osnabrück stellt sich mit „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms einer großen Herausforderung – unter der Leitung von Lars Scheibner (rechts) und Stephan Lutermann (2.v.r.). Foto: Hermann PentermannDas Vokalconsort Osnabrück stellt sich mit „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms einer großen Herausforderung – unter der Leitung von Lars Scheibner (rechts) und Stephan Lutermann (2.v.r.). Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. An drei Abenden wird das Vokalconsort Osnabrück „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in der Ehemaligen Kirche Hagen aufführen. Das Oratorium wird am 7., 8. und 9. März in der außergewöhnlichen Version für zwei Klaviere und Pauke szenisch visualisiert.

„Es ist nicht wirklich Tanz, was da passiert“, erklärt Lars Scheibner. Der Berliner wurde von Stephan Lutermann, dem Leiter des Vokalconsort, angeheuert, um das Requiem zeitgemäß umzusetzen. Dafür brachte er seine Partnerin, die Tänzerin Mareike Franz, mit nach Osnabrück. „Es ist weder Ballett noch Ausdruckstanz. Und der Begriff Körpertheater beschreibt das Geschehen auch nicht präzise“, sagt Scheibner. Offenbar soll sich jeder Zuschauer selbst eine Definition für das Bühnengeschehen zurechtlegen, sofern er überhaupt eine braucht.

Jedenfalls stehe Franz für das Individuum, das mit dem Chor als Versinnbildlichung der Gesellschaft, der Masse, in Interaktion tritt. Eine Mischung aus Ritual, Konzert und darstellendem Spiel wird dem Publikum in der säkularisierten Kirche in Hagen geboten. Damit die Zuschauer möglichst viel von der Bewegung, der Handlung, dem Mienenspiel mitbekommen, wird das Ensemble mitten im Kirchenschiff agieren, derweil die Besucher auf ansteigenden Stuhlreihen im Altarraum Platz nehmen. So soll der Blick frei sein auf ein Bodentuch, das mit Couch, Topfpflanze und Fernsehgerät zum Wohnzimmer wird. Das „Deutsche Requiem“, von Brahms eh an der Grenze zur kirchenmusikalischen Konvention konzipiert, wird so in die Jetztzeit katapultiert. „Es geht nicht, wie in einem Requiem sonst üblich, um den Tod oder einen spezifischen Trauerfall, sondern um das Leid und die Erlösung im Allgemeinen“, sagt Dirigent Lutermann.

Im vergangenen Jahr hatte er das Werk bereits in einer Art Wohnzimmerkonzert in der Fattoria Musica aufgeführt. Auch dort wählte er die Bearbeitung für zwei Klaviere und Pauken für die Darbietung aus. Mit Scheibner und Franz geht er jetzt noch einen Schritt weiter und setzt den 28-köpfigen Chor nicht nur vokal in Aktion. Weil mit Requisiten gearbeitet wird, muss das Ensemble auswendig singen. „Ich bin total von dem Engagement des Vokalconsorts überrascht, denn die Proben zu dieser Inszenierung sind sehr aufwendig“, sagt Scheibner, der mit Franz seit letztem November regelmäßig von Berlin nach Osnabrück fährt, um mit dem Chor zu arbeiten. „Eigentlich sollte man meinen, dass das Requiem für einen Amateurchor eine Nummer zu groß ist“, schildert er seine anfänglichen Bedenken, doch schnell ließ er sich von den Chormitgliedern eines Besseren belehren.

Musikalisch hält die Inszenierung an der Originalversion in sieben Sätzen fest. An den Flügeln werden Fabian Liesenfeld und Christopher Wasmuth zu hören sein, als Solisten Karolina Eurich (Sopran) und Marco Vassalli (Bariton), für die Pauken ist Iring Bromisch zuständig. Da die Besucherzahl in der Kirche wegen der ungewöhnlichen Raumnutzung auf 150 Plätze begrenzt ist, entschied man sich dafür, drei Aufführungen an aufeinanderfolgenden Abenden anzubieten. Dennoch wurde wegen des hohen technischen und zeitlichen Aufwands mit der Werner-Egerland-Stiftung ein Sponsor ins Boot geholt.

Ehemaligen Kirche Hagen a.T.W.: Johannes Brahms – „Ein deutsches Requiem“ in einer Inszenierung von Lars Scheibner und Mareike Franz: Sa., 7. März, 20 Uhr, So., 8. März, 17 Uhr, Mo., 9. März, 19.30 Uhr. Karten: Tourist-Information Osnabrück.


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