Faszinierende Miniatur-Welten Großer Andrang bei Osnabrücker Modellbau-Ausstellung


Osnabrück. Liebevoller Wahnsinn im Miniaturformat: Tausende Menschen sind am Sonntag bei der „Welt des Modellbaus XXL“ 2015 in den Kosmos des Modellbaus eingetaucht. Mehr als 50 Aussteller boten auf rund 4000 Quadratmetern im Autohaus Härtel einen detailverliebten Einblick in ihr Tüftler-Schaffen.

Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf den Modellbahnanlagen. Dass diese nicht immer dem Diktat der Runde gehorchen muss, zeigt etwa Stefan Backes aus Hemer. Er präsentierte einen sogenannten offenen Diorama-Schaukasten: Auf 1,60 mal 2,20 Metern hat Backes ausschnitthaft eine Szene aus einem Bahnbetriebswerk nachgestellt.

„Mir ist die Detailgenauigkeit sehr wichtig“, bekennt der Informations- und Kommunikationselektroniker. Das geht so weit, dass nicht einmal die Loks und Waggons direkt aus der Packung des Herstellers auf die Gleise gesetzt werden. „Die patiniere ich vorher, damit es so aussieht, als wären sie schon lange im Einsatz.“ Und wo bitte bleibt die Fantasie? Die setzte Backes in der Beleuchtung um: „Jede LED an den Autos habe ich selber eingebaut“, antwortet er. 2000 Arbeitsstunden investierte er insgesamt in die Schaffung seiner kleinen Eisenbahnerwelt.

Uwe Meitsch vom Schiffsmodellbauclub Georgsmarienhütte dagegen hat beim Bau der „NVG 6 Hamburg“ gar nicht auf die Zeit geschaut. Das Bohrinsel-Versorgerschiff hat er bis auf den Rumpf selber gebaut. Detail für Detail, weshalb er damit noch immer nicht ganz fertig ist. Zumindest der beeindruckende Soundkomplex scheint aber bereits zu stehen: Auf Knopfdruck sind der Start des dröhnenden Schiffsmotors und gellende Möwenschreie zu hören.

35 Jahre beschäftigt sich der ehemalige Elektrotechniker schon mit seinem Hobby. „Das war auch was für die ganze Familie“, erzählt Meitsch vom Basteln an früheren Modellen mit seinen Kindern.

Dass gerade jüngere Familienmitglieder schon früh für ein Hobby begeistert werden können, zeigt Leandra Böckenholt. Die Neunjährige steuert einen Unimog per Fernsteuerung durch die Halle des Autohauses an der Mindener Straße. Sie ist Mitglied im Mini-Truck-Club Osnabrück. „Man kann lernen, wie man mit einem Auto fahren muss“, antwortet sie auf die Frage, was an ihrem Hobby so viel Spaß macht. Und dann ist da natürlich das Basteln. Mit ihrem Vater baut sie gerade einen Pferdetransporter, erzählt sie.

Absoluter Kindermagnet ist der Parcours des Vereins „RC Stuntmen“ auf dem Freigelände des Autohauses. Die Mitglieder jagen ferngesteuerte Autos mit Benzin- oder Elektromotor über Rampen und durch enge Kurven. Gebannt verfolgt etwa der sechsjährige Felix Runde um Runde. „Macht Krach und fährt im Kreis – mehr braucht es heute nicht“, erklärt Papa Jörg Krause die Faszination, die sein Filius verspürt.

Auch lokale Eisenbahngeschichte gibt es im Miniformat zu bewundern. Die „H0-Freunde der Tecklenburger Nordbahn“ zeigen den Bahnhof und Bahnbetrieb Recke und Rheine-Stadtberg so, wie er noch Mitte der 1960er-Jahre aussah. Erstmals präsentieren sie dabei auch Radfahrer im Maßstab 1:87, die in der Modellbahnlandschaft wie selbstständig in die Pedalen treten und ihre Runden drehen.

Und noch ein lokaler Hingucker: Eine Firma aus Norddeutschland hat extra zur diesjährigen Ausstellung ein ehemaliges Schrankenwärterhäuschen aus Natrup-Hagen als Miniatur-Modell aufgelegt. Kostenpunkt für das Stück Osnabrücker Eisenbahn-Nostalgie: 25 Euro.


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