„Impulse“ in der Osnabrückehalle Osnabrücker Kunstmesse-Preis geht an Emder Kallhardt


Osnabrück. „Ich habe noch nie einen Preis für meine Bilder bekommen“, erklärte der völlig überraschte Künstler Gerd Kallhardt, als er auf der Vernissage zur diesjährigen Kunstmesse Impulse International den Kunstpreis der Messe überreicht bekam. Zum ersten Mal überhaupt stellte der freischaffende Künstler aus Emden auf der Osnabrücker Kunstmesse aus.

Mit seinen durchscheinend aquarellierten Bleistiftzeichnungen von verfallenden Industrieanlagen und verlassenen Museumsschiffen hatte Gerd Kallhardt die Jury überzeugt. Henriette und Hartmut Malguth, Herausgeber des Magazins „Time2Lounge“ und Sponsoren des mit 1000 Euro dotierten Kunstpreises, lobten in ihrer kurzen Laudatio besonders die technische Kunstfertigkeit des Zeichners und die natürliche, harmonische Farbgebung seiner Motive.

Klare Linien und Perspektiven

„Ich komme aus der Architektur und liebe klare Linien und Perspektiven“, berichtete Kallhardt, der immer direkt vor Ort zeichnet, wenn er ein interessantes Motiv ausfindig gemacht hat. „Die Bildaufteilung ist für mich das Allerwichtigste. Deshalb überlege ich genau, wo ich mich mit meiner Staffelei hinsetze.“ Hat er einmal seinen Platz gefunden, nimmt er sich viel Zeit für seine Bilder und trotzt dabei auch Wind und Wetter.

„Kunst darf auch schön sein“, sagte Ausstellungsmacherin Ellen Moschitz-Finger zur Eröffnung der Messe. Tatsächlich waren die meisten der ausgestellten Werke recht dekorativ. Die Collagen des Künstlers Pino Polimeno aus Oldenburg etwa zeigten Eingangstüren von Häusern aus der italienischen Stadt Orvieto, in der er aufgewachsen ist. Um die Türen herum waren Materialien arrangiert, die in Bezug zu den Bewohnen standen. „Der älteste Sohn meines Lateinlehrers wollte in seinem Elternhaus eine Bibliothek einrichten“, erklärte er zu einem Bild, das lauter Buchrücken rund um ein Eingangsportal zeigte. Andere Häuserfassaden waren mit Rechenschiebern oder Spielfiguren ausgestattet.

Harmonische Steinmosaiken

Auch Detlef Kleinen aus St. Goarshausen hatte sich bei seinen Arbeiten von seiner Heimat, dem Rheingau, anregen lassen. Inspiriert von den Trockenmauern in den heimischen Weinbergen hatte er sich eines Tages aufgemacht, um kleine, flache Kieselsteine im Rhein zu suchen. Die Steine arrangierte er in mühevoller Kleinarbeit zu harmonischen Steinmosaiken. „Für ein Bild brauche ich etwa 10000 Steine“, berichtete der Künstler, dessen Werke vor allem bei Winzern in seiner Heimat aber auch bei Geschäftsleuten links und rechts des Rheins sehr beliebt sind. „Viele sagen meinen Werken eine stark beruhigende Wirkung nach.“

Kunst auf kleinen Schachteln

Wie Gesellschaftskarikaturen kamen die Bilder von Irene Stader aus Berlin daher. Ihre „Ensembles“ zeigten feine Damen der Gesellschaft in all ihrer blasierten Eitelkeit. Für ein soziales Projekt mit dem Titel „Kunst auf kleinen Schachteln“ bannte sie einige ihrer Porträts sogar auf Zigarrenschachteln, die es im Automat zu kaufen gab. Einige davon hatte ich auch mit zur Kunstmesse genommen.

Ralf Kleine, Bildhauer aus Berlin, stellte auf seinem Messestand menschliche Figuren, Köpfe und Büsten aus Bronze und einer „geheimen Materialienmischung“ aus. „Die Interpretation meiner Werke überlasse ich dem Betrachter. Ich möchte mit meiner Kunst niemanden belehren oder ermahnen“, so der Künstler. Im Grunde gehe es bei seinen Skulpturen aber um Zerrissenheit und die darin innewohnende Schönheit.

Forum für Freizeitkünstler?

Die Qualität der Impulse-Kunstmesse sah Kleine eher kritisch. „Hier stellen halt auch viele Kunstpädagogen, Hausfrauen und Hobby-Künstler aus“, so der Berliner. Die Messe müsse sich auf lange Sicht entscheiden, ob sie ein Forum für Freizeitkünstler bieten oder eine ernstzunehmende Kunstmesse für echte Künstler sein wolle.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN